Di., 16.04.2019

Mitnahme könnte an Versicherungspflicht scheitern E-Tretroller im Zug verboten?

Mit diesem Foto wirbt ein Hersteller von E-Tretrollern für sein Gefährt. In OWL könnte die Einführung der versicherungspflichtigen Flitzer zum Problem werden.

Mit diesem Foto wirbt ein Hersteller von E-Tretrollern für sein Gefährt. In OWL könnte die Einführung der versicherungspflichtigen Flitzer zum Problem werden. Foto: Brakeforce One GmbH

Von Jan Gruhn

Bielefeld (WB). Erst kürzlich hat der Bundestag den Weg frei gemacht für die neuen E-Tretroller. Doch jetzt offenbart sich ein Problem.

Die Idee hinter den elektromotorgestützten Flitzern ist nicht schlecht: Mit ihnen sollen zum Beispiel Berufspendler die sogenannte »Letzte Meile« schneller überwinden können. Statt wie früher zu Fuß zum Büro zu tapern, könnten sie für den Weg zwischen Bahnhof und Arbeitsplatz die bis zu 20 Stundenkilometer schnellen Roller nutzen. »Wir wollen neue Wege moderner, umweltfreundlicher und sauberer Mobilität in unseren Städten«, ließ sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dazu in einer Mitteilung zitieren. Zusammen mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) seien sie eine »echte zusätzliche Alternative zum Auto«.

Allerdings dürfen die Roller derzeit gar nicht überall mit in die Züge genommen werden. Das bestätigen Anfragen an in Ostwestfalen-Lippe tätige Verkehrsunternehmen. Der Grund: Für die Roller wird eine Versicherung fällig. »Sollte ein E-Tretroller versicherungspflichtig sein und über ein Versicherungskennzeichen verfügen, ist die Mitnahme untersagt«, teilt die Nordwestbahn mit Verweis auf die allgemeinen Beförderungsbedingungen mit. Zwar sollen die Roller künftig keine Versicherungskennzeichen, sondern laut Verkehrsministerium einen Aufkleber tragen. »Aber die Aufkleber und die Kennzeichen werden gleich behandelt«, erklärt ein Sprecher der Nordwestbahn.

Keine eindeutigen Regelungen

Ähnlich äußert sich Eurobahn-Betreiber Keolis und verweist zugleich darauf, dass es hinsichtlich der E-Tretroller noch keine eindeutigen Regelungen gebe. Das teilt auch die Deutsche Bahn mit – und kündigt an, die Beförderungsbedingungen konkretisieren zu wollen, sobald der Gesetzestext veröffentlicht werde. Aus Berlin heißt es derweil, dass das Bundesverkehrsministerium eigenen Angaben zufolge die Mitnahme von Elektrokleinstfahrzeugen wie den E-Tretrollern im ÖPNV befürworte, aber kein Unternehmen verpflichten könne.

Beim Hersteller Brakeforce One in Tübingen ist das Problem mit der Mitnahme im Zug bekannt – und zum Teil gelöst. »Wir verkaufen unsere Roller zusammen mit einem Rucksack«, erklärte Produktmanager Marc Zimmermann. »Damit gelten sie als Gepäckstück und dürfen mitgenommen werden.« Bei kompakten Modell wie dem »Flynn« von Brakeforce One sei das ohne Probleme möglich. Für Hersteller größerer Modelle dürfte das aber keine Option sein, schätzt Zimmermann.

Landesweite Lösung

Von der OWL Verkehr GmbH heißt es, dass das Thema derzeit auf Landesebene im Arbeitskreis Nahverkehr diskutiert werde. Ziel sei es, eine landesweite Lösung zu finden. »Es ist aber noch nichts spruchreif«, sagte eine Sprecherin. Im Frühsommer sollen die Flitzer nach Angaben des Verkehrsministeriums auf den Straßen unterwegs sein. Zuvor muss der Bundesrat der Verordnung allerdings noch zustimmen.

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