Mi., 17.04.2019

Christoph Harras-Wolff (»Alpecin«) steigt beim Aufbau der Ravensberger Brauerei ein »Flutlicht«-Bier findet starken Investor

Stoßen im Bierwagenambiente auf eine erfolgreiche Kooperation an: Brauerei-Chef Mike Cacic (30, links) und Investor Christoph Harras-Wolff (48). Innerhalb von zwei Jahren wollen sie in Bielefeld eine Brauerei gebaut haben.

Stoßen im Bierwagenambiente auf eine erfolgreiche Kooperation an: Brauerei-Chef Mike Cacic (30, links) und Investor Christoph Harras-Wolff (48). Innerhalb von zwei Jahren wollen sie in Bielefeld eine Brauerei gebaut haben. Foto: Markus Poch

Von Markus Poch

Bielefeld (WB). In Bielefeld eine große Brauerei zu etablieren, ist erklärtes Ziel des Senner Einzelhandelskaufmannes und Hobby-Brauers Mike Cacic (30). Mit seinen Biersorten Flutlicht und Abendrot ist er bereits am Markt. Doch aus Mangel an Kapital lässt er sie bislang bei Westheimer in Marsberg brauen. Jetzt greift ihm der Unternehmer Christoph Harras-Wolff (»Alpecin«) beim Aufbau der Ravensberger Brauerei unter die Arme.

Bielefeld ist nie eine Brauerei-Hochburg gewesen. Die wenigen Kleinbrauereien, die es in der Branche jemals versuchten, produzierten ihre Biere überwiegend in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und sind längst vom Markt verschwunden. Nach Angaben des Stadtarchivs hat es nie eine größere Brauerei von regionaler Bedeutung in Bielefeld gegeben. Das will Cacic mit Hilfe seines neuen Geschäftspartners ändern.

»Mein Bestreben ist, dass wir in Bielefeld spätestens in zwei Jahren eine Brauerei stehen haben«, versichert Christoph Harras-Wolff, geschäftsführender Gesellschafter der Bielefelder Dr.-Wolff-Gruppe. Der 48-jährige Unternehmer tritt hier aber nicht als Chef des Herstellers von Körperpflege-Produkten auf, sondern ausdrücklich als privater Geldgeber. Er hat für die Ravensberger Brauerei GmbH zunächst eine Kapitalerhöhung und dann sich selbst mit 25,1 Prozent eintragen lassen, ist seitdem also Mitgesellschafter.

»Unfassbarer Glücksfall«

Mike Cacic, der seine Firma 2016 auf den Namen Ravensberger Brauerei getauft hatte und sie seitdem ohne eigene Brautechnik betreibt, konnte 2018 mehr als 1000 Hektoliter Bier (etwa 300.000 Flaschen) absetzen. Obwohl er lange Zeit keine Firmenanteile aus der Hand geben wollte, spricht er jetzt von einem »unfassbaren Glücksfall«, an diese »regionale Unternehmergröße eines renommierten Familienunternehmens« gelangt zu sein. Über eine Vorstellungsrunde der Sparkasse mit Start-Up-Unternehmen, die auf Geldgebersuche sind, haben sich die beiden kennengelernt, anschließend mehrfach getroffen und bald angefangen, gemeinsame Pläne zu schmieden.

»In Bielefeld eine Brauerei zu bauen, ist ein tolles Vorhaben«, findet Harras-Wolff. »Ich trinke gerne mal ein Bier, und wenn es gut schmeckt, ist das umso besser.« Deshalb stehe ihm bei einem finanziellen Engagement die Ravensberger Brauerei, die seit zwei Jahren Büroräume auf dem Möller-Gelände in Brackwede angemietet hat, vom Produkt her näher, als »irgendeine neue App« eines anderen Start-Ups.

In der neu aufgestellten GmbH soll Mike Cacic weiter als alleiniger Geschäftsführer agieren. Jurist Christoph Harras-Wolff, der bei Dr. Wolff die Bereiche Einkauf, Zulassungen und Recht verantwortet, sieht seine Aufgaben in der Ravensberger Brauerei vor allem in Kontaktpflege, Ideenfindung und dem Einbringen seiner Berufserfahrung. Ansonsten erhält Mike Cacic Unterstützung aus seiner Familie und von Freunden. Weitere Mitarbeiter gibt es nicht, solange die Braukessel noch nicht die eigenen sind.

Ärger mit der Wettbewerbszentrale

Und wo sollen die später ein Zuhause finden? Wo in Bielefeld will sich die Brauerei ansiedeln? »Wir würden uns gerne so zentral wie möglich wiederfinden«, sagt Cacic. »Aber jeder kennt die Mieten und die Grundstückspreise dort. Und wir sind derzeit nur eine kleine Pommesbude. . .« Derzeit liefen Verhandlungen um ein Grundstück in Sennestadt, aber andere Standorte in Bielefeld seien ebenfalls denkbar. Fest stehe nur eines: »Auf dem Möller-Gelände wird die Ravensberger Brauerei definitiv nicht bauen. Der Möller-Beirat hat sich dagegen entschieden, was wir sehr schade finden. Das wäre ein toller Standort gewesen.«

In den Jahren 2017 und 2018 hatte Mike Cacic wegen eines Rechtsstreits mit der Wettbewerbszen­trale bundesweit Schlagzeilen geschrieben. Damals warb der Bielefelder mit dem Slogan »Endlich kein Bier mehr aus Herford«, bekam aber den größeren Ärger deshalb, weil er sein Bier gar nicht in Bielefeld braute, auf den Flaschenetiketten aber den Anschein weckte. Er musste schließlich neue Etiketten drucken. Der Rechtsstreit kostete ihn nach eigenen Angaben 55.000 Euro und beinahe die Existenz.

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