Mi., 17.04.2019

Sprecherin: »Wir wissen nicht, was auf uns zukommt« Zoll schmiedet Brexit-Notfallplan

Vieles läuft digital: Ein Zollbeamter bei einem Prüfungsvorgang am Computer.

Vieles läuft digital: Ein Zollbeamter bei einem Prüfungsvorgang am Computer. Foto: dpa

Von Jan Gruhn

Bielefeld (WB). Der Brexit ist längst zu einer unendlichen Geschichte geworden – mit ungewissem Ausgang. Das macht besonders dem Zoll zu schaffen.

Während viele Menschen in der EU beim Hin und Her um das Ausscheiden Großbritanniens aus der Staatengemeinschaft den Überblick verloren haben dürften, hängen die Mitarbeiter des Hauptzollamts (HZA) in Bielefeld beinahe täglich vor dem Nachrichtenticker, wie Sprecherin Kirsten Schüler bestätigt: »Das schlimmste ist eigentlich, dass wir nicht wissen, was auf uns zukommt.«

Die verbleibenden 27 EU-Staaten haben sich in der vergangenen Woche darauf verständigt, den Briten einen Aufschub für den Brexit bis Oktober zu gewähren. Ein früherer Austritt ist möglich, wenn die britische Politik sich auf einen Kompromiss einigt, wie die künftigen Beziehungen mit der EU aussehen sollen.

Beim Hauptzollamt in Bielefeld, das für Ostwestfalen-Lippe und Teile des Sauerlands zuständig ist, bereitet man sich bereits seit geraumer Zeit auf den Brexit vor – wie immer der auch aussehen mag.

Notfallplan wegen des erwarteten Mehraufwands

Wegen des erwarteten Mehraufwands in der Warenabfertigung wurde ein Notfallplan erarbeitet: Der HZA-Bezirk werde dazu in zwei Räume aufgeteilt, in denen sich die untergeordneten Zollämter gegenseitig unterstützen sollen. Weil die Brexit-Auswirkungen allerdings an anderen Standorten deutlich schwerer wiegen können, wie zum Beispiel in großen See- oder an international Flughäfen, könnten die Bielefelder Zollmitarbeiter auch dort zur Hilfe kommen, erklärt Schüler.

Nicht nur über die künftigen Beziehungen auf politischer Ebene herrscht bei den Zöllnern Rätselraten. Auch was den Warenverkehr zwischen Unternehmen in OWL und dem Vereinigten Königreich angeht, herrsche Ungewissheit, sagt Schüler.

Weil der Großteil der Zollanmeldungen heutzutage online ablaufe, sei man optimistisch, eine Mehrbelastung bewältigen zu können. Für die Überprüfung der Waren sei die Bildung zweier mobiler Abfertigungseinheiten geplant. Schüler: »Das sind Bullis, die mit zwei Beamten besetzt sind. Die haben dann alles Notwendige, zum Beispiel Computer, mit an Bord.«

Hauptzollamt Bielefeld sucht Mitarbeiter

Bundesweit ist nach Angaben der Zollsprecherin ein Bedarf von etwa 900 zusätzlichen Stellen errechnet worden. Auch das Hauptzollamt in Bielefeld sucht derzeit mit Blick auf den drohenden Brexit Mitarbeiter. Dafür seien zuletzt auch externe Stellenausschreibungen geschaltet worden. »Das heißt, wir greifen auf Mitarbeiter zurück, die nicht beim Zoll ausgebildet wurden«, erklärt Schüler.

Als Hilfestellung für die Unternehmen der Region hat das HZA bereits mehrere Infoveranstaltungen zusammen mit den Industrie- und Handelskammern des Zollbezirks veranstaltet. Falls nötig, sollen telefonische Auskunftsstellen für Brexit-Fragen im Hauptzollamt in Betrieb genommen werden, heißt es.

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