Mo., 22.04.2019

Kunden setzen auf Müllvermeidung und bringen Behältnisse mit zum Siegfriedplatz in Bielefeld Einkaufen ohne Verpackung

Alles »losgelöst« im Unverpackt-Laden: Süßigkeiten aller Art füllen die Kunden aus Vorratsgläsern in mitgebrachte Behältnisse.

Alles »losgelöst« im Unverpackt-Laden: Süßigkeiten aller Art füllen die Kunden aus Vorratsgläsern in mitgebrachte Behältnisse. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Linsen oder Seife, Nudeln, Käse, Oliven, Gurken, Natron – all’ das einkaufen ohne Verpackung, geht das? »Geht prima«, sagt Kathrin Kappelmann. Gemeinsam mit ihrem Partner Christian Focke hat sie Ende September 2018 Bielefelds ersten Unverpackt-Laden »Losgelöst« am Siegfriedplatz eröffnet.

Kathrin Kappelmann ist überzeugt davon, dass aufwändige Verpackungen, aus Plastik gar, komplett überflüssig sind. Sie hat nach Alternativen gesucht – und ist fast immer fündig geworden.

»Losgelöst« hatte ein Anfangssortiment von 500 Artikeln, inzwischen sind es 1000. Nicht vergleichbar mit einem typischen Supermarkt, der 50.000 Produkte im Sortiment hat, aber, so Kathrin Kappelmann: »Viele Kunden erledigen hier ihren gesamten Wocheneinkauf.«

Kunden bringen ihre »Verpackungen« selbst mit

»Losgelöst« bietet ein rein vegetarisches Warenangebot und die Kunden bringen ihre »Verpackungen« selbst mit: Zur Grundausstattung gehören Einkaufskorb oder Stoffbeutel, Vorratsgläser mit Schraubverschluss seien beliebt. In die können Reis oder Zucker, Haferflocken oder Hülsenfrüchte je nach Bedarf aus den Spendern abgefüllt werden. Das Behältnis werde gewogen, das Leergewicht beim Preis abgezogen, so Kathrin Kappelmann. Vorratsgläser könne man zudem einfach so daheim wieder in den Schrank stellen und das bedeute: »null Verpackungsmüll.«

An Behältnissen sei aber grundsätzlich »alles erlaubt, solange es sauber ist«. Dazu gehören zum Beispiel auch leere Shampooflaschen, die nachgefüllt werden. Shampoo sei aber zum Beispiel auch in fester Form zu haben. Papier, das von Lieferungen übrig geblieben sei, werde aufgehoben und Kunden auf Wunsch mitgegeben, wenn diese etwas einpacken möchten. Joghurt und Quark gibt es im Pfandglas, das immer wieder Verwendung finden kann.

Kunden, die kein Behältnis oder keine Tasche dabei haben, müssen nicht unverrichteter Dinge wieder gehen. »Losgelöst« hält Pfandgläser und Leih-Stoffbeutel bereit. Es gibt Gläser, die »Kunden für Kunden« abgegeben haben. Kathrin Kappelmann: »Wiederverschließbar. Die wären sonst im Altglas-Container gelandet und so wird das Leben solcher Gläser verlängert.«

Obst und Gemüse, Joghurt und Käse von Bio-Höfen aus der Region

Kathrin Kappelmann hat vor Eröffnung des Ladens auf zwei Bio-Höfen gearbeitet, bezieht Obst und Gemüse, Joghurt und Käse von Bio-Höfen aus der Region. Was es gibt, richte sich nach den Jahreszeiten: »Bei mir gibt es keine Erdbeeren im Dezember.« Exporte seien einzig Bananen und Orangen, die gebe es aber auch nur, wenn in den Anbaugebieten Saison ist.

Kathrin Kappelmann hat inzwischen zwei Aushilfen beschäftigt und die Öffnungszeiten erweitert. Sie weiß, dass die Kunden schätzen, nur so viel kaufen zu müssen, wie sie wirklich benötigen. Als Beispiel nennt sie Gewürze: »Auch wenn man ein Gewürz nur einmal oder nur sehr selten braucht, muss man im Supermarkt immer eine größere Menge kaufen – die dann oft jahrelang ungenutzt herumsteht.«

Die Belieferung bestimmter Lebensmittel sei allerdings für einen Unverpackt-Laden wie den ihren ein Problem. Während Reis in 25 Kilo-Papiersäcken geliefert werde, seien fünf Kilo bei Nudeln die größte Menge, dazu noch aufwändig verpackt. Um den Kunden auch Mandel- oder Hafermilch anbieten zu können, müsse sie sogar auf Tetrapacks zurück greifen: »Gibt es nicht anders.« Normalmilch würde in Pfandflaschen verkauft.

Höhere Preise als im Supermarkt

Kathrin Kappelmann sagt offen, dass die Kunden in ihrem Laden mehr für die Waren bezahlen müssten als im Supermarkt. Weil aber bedarfsgerecht gekauft würde, rechne sich das durchaus. »Und Plastik- und Verpackungsfrei einzukaufen, ist den Kunden der etwas höhere Preis wert.« Über den Preis will sie auch Schüler und Studenten für ihre Einkaufsidee gewinnen: Immer dienstags gibt es für sie (mit Ausweis) zehn Prozent Rabatt.

Kathrin Kappelmann weiß genau, dass der Standort direkt am »Siggi« im Bielefelder Westen ideal ist, aber: »Eigentlich fehlen uns bereits Flächen.«

In der Broschüre »Verpackungsmüll vermeiden« gibt es Tipps wie diese:

- Gebäck beim Bäcker kaufen: Mit mitgebrachtem Gefäß oder Beutel fällt kein Müll an.

- Leitungswasser trinken oder Getränke in Glaspfandflaschen kaufen.

- Saisonware in Hofläden oder auf Wochenmärkten kaufen.

- Bei Discountern sind sogar Bio-Produkte häufig plastikverschweißt.

- Eigene Gefäße beim Einkauf an Wurst-, Fleisch- und Käsetheke. Es ist zulässig, Behälter von Kunden zu befüllen.

- Thermobecher statt To-Go-Wegwerfbecher

- Beim Waschen und Putzen Hausmittel wie Essig-Essenz, Zitronensäure, Kaffeepröt (Scheuermittel für Töpfe und Fugen) oder Soda verwenden.

  • (Scheuermittel für Töpfe und Fugen) oder Soda verwenden.

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