Mo., 22.04.2019

Neu entdecktes Gemälde des Bielefelder Malers ist jetzt öffentlich ausgestellt Kein Zweifel an Echtheit des »Stenners«

Hermann Stenners Großneffe Götz Keitel, Christiane Heuwinkel, Geschäftsführerin und Künstlerische Leiterin des Stenner-Forums, Dr. Jutta Hülsewig-Johnen, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle, und Ricarda Osthus, Vorsitzende des Freundeskreises (von links), mit dem neu entdeckten Stenner-Gemälde.

Hermann Stenners Großneffe Götz Keitel, Christiane Heuwinkel, Geschäftsführerin und Künstlerische Leiterin des Stenner-Forums, Dr. Jutta Hülsewig-Johnen, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle, und Ricarda Osthus, Vorsitzende des Freundeskreises (von links), mit dem neu entdeckten Stenner-Gemälde. Foto: Oliver Schwabe

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). »Bahngelände bei Stuttgart« – so lautet der vom Freundeskreis vergebene Titel für das neu entdeckte Gemälde des Künstlers Hermann Stenner (1891-1914). Es ist ab sofort im Stenner-Kunstforum zu sehen.

Das Gemälde, 41 mal 49 Zentimeter groß, steht im Foyer des Kunstforums auf einer Staffelei, die die Kunsthalle dafür ausgeliehen hat und die aus Stenners Lebzeiten stammt. Als Leihgabe ist das Werk bis zum Ende der Ausstellung »Hermann Stenner und seine Zeit« am 18. August der Öffentlichkeit zugänglich.

Das Werk ist seit mehr als 25 Jahren in Besitz eines süddeutschen Privatsammlers, der allerdings glaubte, ein Bild des Stuttgarter Malers Hermann Pleuer in seinem Besitz zu haben.

Der Sammler fragte dennoch bei Stenners Großneffen Götz Keitel und der Bielefelder Kunsthalle per Brief an, ob es sich nicht doch möglicherweise um einen Original-Stenner handeln könnte. Dem Brief habe ein, so Dr. Jutta Hülsewig-Johnen, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle, »sehr gutes Foto« beigelegen.

»Eindeutiges Ergebnis«

Es habe Indizien gegeben, das Bild tatsächlich Stenner zuschreiben zu können, ein Urteil gebildet habe sich aber erst eine Expertenrunde, die in der vergangenen Woche das Original in Augenschein genommen habe. Das Ergebnis der Begutachtung: Das Bild ist ein »echter Stenner«, dafür sprächen Malweise, die Art der Signatur, das Motiv, das dem der »Cannstatt-Brücke« (ebenfalls als Privat-Leihgabe in der Ausstellung zu sehen) sehr ähnele. Die Entstehungszeit liege vermutlich nach Oktober 1911, als Stenner bereits dem Kreis um Adolf Hölzel angehörte.

Jutta Hülsewig-Johnen spricht von einem »eindeutigen Ergebnis«. Bestärkt worden sei das noch durch die Studie einer sitzenden Frau in einem weißen Kleid auf der Leinwand-Rückseite; Stenner habe häufig aus Materialmangel auch die Rückseiten bemalt. Diese Studie sei »nah verwandt« der Abbildung eines lesenden Mädchens am Kaffeetisch auf der Rückseite des Werkes »Erschießung der Heiligen Ursula« (1913/14). Die Expertenrunde jedenfalls habe Zweifel an der Urheberschaft Stenners ausgeschlossen.

»Bahngelände bei Stuttgart«

Es sei ein Anlass zur Freude, wenn mehr als 100 Jahre nach dem Tod des Bielefelder Malers, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist, noch Kunst von ihm auftauche, sagt Götz Keitel, der in Bielefeld lebt. Leider könne sich der Eigentümer nicht mehr genau daran erinnern, wo er das Bild vor rund 25 Jahren gekauft hat, wahrscheinlich stamme es von einem Stuttgarter Auktionshaus. Der Freundeskreis Hermann Stenner hat Transport und Versicherung der Leihgabe finanziert. Was für das neu entdeckte Bild heute gezahlt werden würde, das sei Spekulation, so Keitel. Er weiß aber, dass ein Stenner-Bild bei einer Auktion in Köln kürzlich bei 130.000 Euro den Zuschlag bekommen habe.

Christiane Heuwinkel, Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin des Stenner-Forums, wünscht sich eine Aktualisierung des Werkverzeichnisses. Das sei 2003 erstellt und 2005 überarbeitet worden, seitdem aber seien bis dato unbekannte Werke dazu gekommen – eben auch »Bahngelände bei Stuttgart«.

Jutta Hülsewig-Johnen betont, dass Kunstexperten »wachsam und eher übervorsichtig« seien, wenn es um die Zuschreibung eines Werkes gehe, aber: »Hier gibt es keinen Zweifel an der Authentizität.«

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