Fr., 26.04.2019

Unbekannte stehlen Grabskulptur vom Sennefriedhof – Angehöriger erstattet Anzeige »Für mich ist das Störung der Totenruhe«

Markus Thon-Holinski hofft, dass der bronzene Bergmann, der in der Zeit von Karsamstag bis Ostmontag vom Grab seiner Eltern auf dem Sennefriedhof gestohlen wurde, wieder auftaucht. Er hat bei der Polizei Anzeige erstattet.

Markus Thon-Holinski hofft, dass der bronzene Bergmann, der in der Zeit von Karsamstag bis Ostmontag vom Grab seiner Eltern auf dem Sennefriedhof gestohlen wurde, wieder auftaucht. Er hat bei der Polizei Anzeige erstattet. Foto: Kerstin Sewöster

Von Kerstin Sewöster

Bielefeld-Senne/Gütersloh (WB). Für Markus Thon-Holinski war am Karsamstag noch alles in Ordnung. Regelmäßig geht er auf den Sennefriedhof, wo seine Mutter und sein Vater begraben sind. Doch am Ostermontag bemerkte er, dass Diebe eine in den Grabstein gearbeitete Bronzefigur herausgebrochen hatten.

»Das ist mehr als ein Diebstahl. Für mich ist das Störung der Totenruhen«, sagt Thon-Holinski, der die Grabstelle sichtbar mit viel Liebe pflegt. Die Blumen sind akkurat gesetzt, dazwischen finden sich Herzen aus Stein, und kein Fitzelchen Unkraut ist zu sehen. »Eigentlich bin ich fast täglich hier. Ich gehe zum Abschalten auf den Friedhof, manchmal sind es nur zehn Minuten«, meint Thon-Holinski, der als Mitarbeiter in einem Beerdigungsinstitut ohnehin vertraut ist mit den Friedhöfen der Stadt.

Über den materiellen Wert der Skulptur, die einen Bergmann darstellt, kann er nichts sagen. Allerdings sei sie für ihn und seine Schwestern unersetzbar. »Sie war eines der letzten Geburtstagsgeschenke, die wir Kinder 2004 unserem Vater gemacht haben«, erinnert er sich.

Friedhofsdiebstahl kein Einzelfall

Vater Manfred Holinski lebte in Gelsenkirchen, war Bergmann bis er Anfang der 60er Jahre ein Grubenunglück miterlebte. Danach zog er mit seiner Familie nach Barntrup in Lippe. Dort wurde er 2004 bestattet. Bis zu ihrem Tod lebte Ehefrau Eugenie Holinski in Barntrup. Er habe eine sehr enge Bindung zu seiner Mutter gehabt, sie bis zuletzt begleitet. Da habe es nahe gelegen, sie in der Nähe seines Wohnortes zu bestatten, erläutert Thon-Holinski, der seit 2010 in Gütersloh lebt.

Der bronzene Bergmann wurde über Ostern gestohlen.

Er wählte die Grabstelle aus, ließ seine Mutter 2014 auf dem Sennefriedhof bestatten und den Vater umbetten. Markus Thon-Holinski ließ von einem Brackweder Steinmetz den großen Sandstein fertigen – inklusive der Nische, von der heraus der bronzene Bergmann mit Grubenlampe und Pickel über die Toten wachte. Im Herzen sei sein Vater ein Bergmann geblieben, erinnert sich der 48-Jährige – einmal Kumpel, immer Kumpel.

Als er am Ostermontag den Verlust der Figur bemerkt hatte, erstattete Markus Thon-Holinski Anzeige bei der Polizei. Genau das empfiehlt auch Friederike Hennen, Leiterin der Abteilung Friedhöfe im städtischen Umweltbetrieb. »Das passiert leider immer wieder«, kommentiert Hennen den Friedhofsdiebstahl. »Wir empfehlen immer, den Diebstahl zur Anzeige zu bringen, auch wenn die Verfahren in der Regel eingestellt werden müssen«, sagt sie weiter. Hennen rät auf jeden Fall, die oft kunstvoll gefertigten Skulpturen gut zu sichern. Oft geht es den Dieben gar nicht um das Objekt an sich, sondern um den Materialwert – gerade in Zeiten hoher Metallpreise.

Thon-Holinski hat die Hoffnung nicht aufgegeben

Die Polizei ermittelt indes wegen Diebstahls. Der Straftatbestand einer Störung der Totenruhe sei erst erfüllt, wenn es zu schweren Beschädigungen der Grabstelle komme, weil zum Beispiel etwas ausgegraben werde oder die Gräber verwüstet würden, meint das Kriminalkommissariat dazu.

Indes hat Markus Thon-Holinski die Hoffnung nicht aufgegeben, dass der Bronze-Bergmann wieder auftaucht. Er hat in den umliegenden Büschen geguckt, falls der Dieb die Beute entsorgen musste, und in Internet-Verkaufsforen nachgeforscht. Jetzt bleibt die Hoffnung, dass der Dieb ein Einsehen hat, wenn er erfährt, wie wertvoll der Bergmann für Markus Thon-Holinski und seine Schwestern ist.

»Wenn die Skulptur zurückgebracht wird, dann ist die Sache für mich erledigt«, kündigt der 48-Jährige an, dann seine Anzeige zurückzuziehen.

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