Fr., 26.04.2019

Stadt sperrt immer mehr Schulhöfe – hohe Schäden – FDP für Öffnung Nix mit Klettern und Kicken

Zum Beispiel die Hellingskampschule: Kinder dürfen dort in den Ferien nicht auf dem Schulhof spielen. Er ist geschlossen. Auch an dieser Schule war es zuvor zu Verunreinigungen gekommen. Außerdem waren dort Drogen konsumiert worden.

Zum Beispiel die Hellingskampschule: Kinder dürfen dort in den Ferien nicht auf dem Schulhof spielen. Er ist geschlossen. Auch an dieser Schule war es zuvor zu Verunreinigungen gekommen. Außerdem waren dort Drogen konsumiert worden. Foto: Oliver Schwabe

Von Michael Schläger

Bielefeld (WB). Die Osterferien gehen zu Ende. Doch auf 21 Schulhöfen im Stadtgebiet konnten Kinder nicht spielen, weil sie eingezäunt und geschlossen sind. Die FDP will das ändern.

Hellingskampschule, Donnerstagvormittag. Kinder stehen vor dem Eingang zum Schulhof, einen Ball in der Hand. Betreten dürfen sie ihn nicht. In den Ferien bleibt der Pausenhof verschlossen.

»Das ist ja wie bestellt«, sagt Bielefelds FDP-Chef Jan Maik Schlifter. Gemeinsam mit seiner Parteifreundin Laura von Schubert, sachkundige Bürgerin im Schulausschuss, und Franz Josef Tewes, FDP-Bezirksvertreter in »Mitte«, ist er zu einem Ortstermin an die Schule gekommen. Gemeinsam wollen sie sich für eine Öffnung der Schulhöfe stark machen. »Gerade in Wohnvierteln wie dem rund um die Hellingskampschule sind Schulhöfe, die als Spielflächen genutzt werden können, wichtig«, meint Laura von Schubert. Die Pausenhöfe könnten »natürliche Bewegungsräume« für Kinder sein: »Die In­frastruktur ist vorhanden. Absurd, sie nicht zu nutzen.«

300.000 Euro Schaden durch mutwillige Zerstörung

Das ist die eine Seite. Die andere: Auf fast 300.000 Euro waren die Schäden durch mutwillige Zerstörungen an Schulgebäuden 2017 angestiegen. Immer mehr Schulleiter beklagten Vandalismus, Drogenhandel, Alkoholexzesse, Prostitution, Einbrüche und gar mutwillig gelegte Brände nach Schulschluss. Die Konsequenz: 21 Schulhöfe wurden inzwischen eingezäunt, sind oft nach Unterrichtsende gar nicht mehr zugänglich. Von 47 Grundschulen sind 13 Schulhöfe in den Ferien und an den Wochenenden durchgängig geschlossen.

Am Gymnasium Brackwede hat die Verwaltung zahlreiche Schmierereien dokumentiert. Foto: Stadt Bielefeld

Die Liberalen kritisieren, dass die Einzäunungen und Schließungen erfolgt seien, ohne zuvor die eigentlich zuständigen Bezirksvertretungen oder den Schulausschuss zu hören. Im Rathaus sieht man die Umzäunungen aber als »Geschäft der laufenden Verwaltung« an. Die schulische Nutzung müsse stets Vorrang vor allen sonstigen Interessenlagen haben, heißt es dazu in einer Informationsvorlage des städtischen Amtes für Schule.

Aufgebracht hatte das Thema die Sportjugend, die eine Anfrage im Jugendhilfeausschuss des Rates gestellt hatte. Sie ist der Auffassung, dass Schulhöfe als öffentliche Flächen für alle Kinder als Spiel- und Bolzplatz zugänglich sein müssten. »Einzäunungen schützen letztlich auch nicht vor Zerstörungen«, findet Bezirksvertreter Tewes. »Die sind etwa für Jugendliche kein großes Hindernis.«

Nächtliche Kontrollen durch private Sicherheitsdienste

Zerstörungen oder Lärmbelästigungen sind kein neues Problem. In der Vergangenheit hatte die Stadt eine privaten Sicherheitsdienst beauftragt, nächtliche Kontrollen vorzunehmen. Doch die fielen in weiten Teilen der städtischen Haushaltskonsolidierung zum Opfer. Früher wurden dafür 550.000 Euro im Jahr aufgewandt, dann wurde dieser Betrag um 330.000 Euro gekürzt.

»Nach dieser Kürzung sollen die Beschädigungen wieder deutlich zugenommen haben«, sagt FDP-Chef Schlifter. Bei der Stadt hält man Einzäunungen für kostengünstiger als Streifengänge. Die Liberalen schlagen vor, dass Kräfte des Ordnungsamtes nächtliche Schließungen an den Schulhöfen übernehmen könnten, damit die Hausmeister nicht zusätzlich belastet würden. Schließlich sei vorgesehen, dass das Ordnungsamt in der Fläche mehr Präsenz zeige. Eines ist für Schlifter klar: »Die Einzäunung von Schulhöfen ist eine Kapitulation vor dem Vandalismus.«

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