Kulturhaus Bielefeld geht an den Start – Öffentlichkeit ist am Samstagabend eingeladen
100 Kreative unter einem Dach

Bielefeld (WB). Sie haben gekämpft, geschuftet und Überzeugungsarbeit geleistet für ihr Kulturhaus. »Viereinhalb Jahre. So lange haben wir gebraucht, um die Idee in die Tat umzusetzen«, sagt Vorstandsmitglied Stephan Berkowitz.

Samstag, 27.04.2019, 08:00 Uhr
Fühlen sich wohl im neuen Bielefelder Kulturhaus an der Werner-Bock-Straße: Die Vorstandsmitglieder Marlena Dorniak (von rechts), Albrun Seiert und Stephan Berkowitz im gemütlich eingerichteten Atelier von Serafina Rayskina. Foto: Uta Jostwerner
Fühlen sich wohl im neuen Bielefelder Kulturhaus an der Werner-Bock-Straße: Die Vorstandsmitglieder Marlena Dorniak (von rechts), Albrun Seiert und Stephan Berkowitz im gemütlich eingerichteten Atelier von Serafina Rayskina. Foto: Uta Jostwerner

Nun gibt es zwar immer noch reichlich zu tun. Gleichzeitig aber gilt es, eine Erfolgsstory zu feiern. Die ersten Künstler sind im April eingezogen. Bei den Nachtansichten an diesem Samstag ist auch die Öffentlichkeit eingeladen, das Kulturhaus Bielefeld in Augenschein zu nehmen und mit den Kunstschaffenden ins Gespräch zu kommen.

40 Atelier- und Gemeinschaftsräume bieten auf mehr als 2000 Quadratmetern Nutzfläche Platz für 100 Künstlerinnen und Künstler der unterschiedlichsten Sparten und sozialkulturellen Initiativen. Viele teilen sich ein Atelier – die Nachfrage war größer als das Angebot. Einzig im Keramikbereich fehlen noch zwei bis drei Personen. Interessierte können sich an den Verein wenden.

Spenden erwünscht

Der ebenerdige Gebäudetrakt in der Werner-Bock-Straße 34 diente ehedem der Fachhochschule Bielefeld als Ausbildungsstätte für angehende Maschinenbauingenieure und Elektrotechniker. Auch der IT-Projektmanager Berkowitz studierte dort, wo er heute seinem kreativen Hobby nachgeht.

Auch der Bielefelder Künstler Reiner Tintel, der Collagen aus Altpapier herstellt, hat ein Atelier im Kulturhaus bezogen.

Auch der Bielefelder Künstler Reiner Tintel, der Collagen aus Altpapier herstellt, hat ein Atelier im Kulturhaus bezogen. Foto: Uta Jostwerner

Nach dem Auszug der FH zogen ab 2015 vorübergehend Flüchtlinge in die ehemaligen Laborräume ein. Die Zwischennutzung in der Hochphase der Flüchtlingsströme erwies sich für den Verein Kulturhaus als Glücksfall: »In viele große Räume wurden Zwischenwände eingezogen. Die sanitären Anlagen wurden renoviert und um Duschen ergänzt«, erklärt Stephan Berkowitz. Praktisch ist auch der Küchentrakt, den Vorstandsmitglied Malena Dorniak beim Rundgang stolz präsentiert. Dort gibt es diverse Küchenzeilen – mehr als die Nutzer des Kulturhauses brauchen. Möglich sind dadurch auch Kochkurse.

Wie ihre Mitstreiter im Vorstand wirbt Dorniak Spenden- und Fördermittel ein, die der gemeinnützige Verein zur Einrichtung und zum Unterhalt des Gebäudes benötigt. Auch Möbelspenden seien willkommen, sagt Marlena Dorniak.

Der Verein Kulturhaus mietet die Immobilie von der Stadt Bielefeld. Der Mietvertrag wurde mit dem Kulturamt abgeschlossen. Eigentümer des Gebäudes ist das Land NRW, das noch bis Jahresende einen Nutzungsvertrag mit der Stadt abgeschlossen hat. Danach wird man weitersehen. »Wir sind zuversichtlich, dass wir über das Jahr 2019 hinaus das Gebäude nutzen können«, sagt Stephan Berkowitz und fügt hinzu: »Wir wollen das Kulturhaus bis zum Jahresende so etablieren, dass es für Bielefeld unentbehrlich wird.«

Arbeiten, Vernetzen, Experimentieren

Nutzer treten dem Verein Kulturhaus bei und entrichten neben einem Vereinsbeitrag eine Nutzungsgebühr, die zwischen 2 und 8 Euro pro Quadratmeter liegt. Entstehen soll eine Gemeinschaft von Kulturschaffenden, die sich gegenseitig inspiriert. »Es ist mein größter Wunsch, dass die Leute aufeinander zugehen und gemeinsame Projekte verwirklichen«, hofft Berkowitz. Er selbst und drei weitere Nutzer sind Programmierer, die Musik am Computer machen oder den Rechner anderweitig kreativ nutzen.

Des Weiteren haben sich bildende und darstellende Künstler, Musiker, Literaten, Schauspieler und Tänzer im Kulturhaus eingemietet. Sowohl sie als auch kulturell und sozial interessierte Bürger sollen dort einen Ort zum Arbeiten, Vernetzen und Experimentieren finden. »Kreative, die kein eigenes Atelier haben, sind willkommen«, sagt Albrun Seiert, die zum erweiterten Vorstand gehört. Bei der Besetzung der Ateliers habe man darüber hinaus Wert auf Diversität, sprich Vielfalt gelegt. Professionelle und Laien, verschiedene Geschlechter und Menschen unterschiedlicher Herkunft arbeiten nebeneinander. Sie sind zwischen 20 und 70 Jahre alt.

Nachdem das Organisationsteam und die Vorstandsmitglieder, zu denen auch Marwin Krühler gehört, die organisatorischen Vorarbeiten geleistet haben, sollen nun die Aufgaben auf viele Schultern verteilt werden. Angedacht ist, themenspezifische Arbeitsgruppen zu bilden. »An willigen Leuten fehlt es nicht«, ist Berkowitz überzeugt, die Aufgaben wie etwa die Pflege des begrünten Außenbereichs gemeinschaftlich zu bewältigen.

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