Fr., 26.04.2019

Aktion katholischer Frauen in Bielefeld-Schildesche gegen Missbrauch und für Gleichberechtigung »Maria 2.0« statt Gottesdienst

Rita Oberfeld (von links), Eva-Maria Bulla und Elisabeth Niehaus vom Schildescher kfd-Vorstand hoffen, dass sich möglichst viele Kirchgänger an der Aktion am 11. und 12. Mai beteiligen. Zeichen der Aktion sind weiße Schals, die die Teilnehmer tragen werden.

Rita Oberfeld (von links), Eva-Maria Bulla und Elisabeth Niehaus vom Schildescher kfd-Vorstand hoffen, dass sich möglichst viele Kirchgänger an der Aktion am 11. und 12. Mai beteiligen. Zeichen der Aktion sind weiße Schals, die die Teilnehmer tragen werden. Foto: Uffmann

Von Hendrik Uffmann

Bielefeld (WB). Wenn am 11. und 12. Mai in der katholischen Kirche St. Johannes-Baptist in Schildesche Gottesdienst gefeiert wird, wollen Frauen der Gemeinde vor der Kirche bleiben. Damit wollen sie sich gegen die Missbrauchsskandale und Missstände in der katholischen Kirche wenden.

»Zum Zeichen unseres Protestes wollen wir während der Gottesdienste am Samstag um 17 Uhr und am Sonntag um 11.30 Uhr vor der Kirche beten und diskutieren. Und wir hoffen, dass möglichst viele Gemeindemitglieder, nicht nur Frauen, sondern auch Männer, mitmachen«, erklärt Elisabeth Niehaus vom Vorstand der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) in Schildesche, zu der 150 Frauen gehören. Mehrere Zusagen zur Teilnahme gebe es bereits, auch von Frauen aus anderen katholischen Gemeinden Bielefelds, so Niehaus.

Denn bislang sei die St. Johannes Baptist-Gemeinde die einzige in Bielefeld, die sich an der Aktion beteilige. »Wir haben alle kfd-Vorstände in den anderen Gemeinden angeschrieben, doch eine parallele Aktion wird es wohl nirgendwo sonst in Bielefeld geben. Dafür werden aber Frauen auch aus anderen Stadtteilen zu uns kommen«, sagt Elisabeth Niehaus.

Anstoß zur Aktion haben Frauen aus dem Bistum Münster gegeben

Den Anstoß zu der Aktion haben Frauen aus dem Bistum Münster gegeben, die vom 11. bis 18. Mai unter dem Motto »Maria 2.0« jegliche Beteiligung am Gemeindeleben verweigern wollen. Daraufhin sei von Schildescher kfd-Frauen der Impuls gekommen, sich auch dort zu beteiligen. »Wir beschränken uns jedoch auf die beiden Gottesdienste und wollen vor der Kirche auch nicht singen oder tanzen, um den Gottesdienst nicht zu stören«, so Niehaus.

Dennoch wollen die Frauen ihren Unmut deutlich machen angesichts aktueller Missbrauchskandale, vor allem wollen sie aber auch auf die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche aufmerksam machen. Niehaus: »Wir wollen als Frauen mehr Mitsprache und auch Zugang zu Ämtern, die uns bislang verwehrt werden, wie etwa das der Diakonin.«

Die Initiative »Maria 2.0« fordert unter dem Slogan »Lasst uns die Kirche wachküssen« auch einen umfassenden Neuanfang und hat dazu einen Brief an Papst Franziskus verfasst, auf den die Schildescher kfd-Frauen bei ihrer Aktion aufmerksam machen wollen. Darin wird unter anderem gefordert, dass Täter in Missbrauchsfällen kein Amt mehr in der Kirche bekleiden dürfen, sie vor weltliche Gerichte gestellt werden, Frauen Zugang zu allen Ämtern in der Kirche bekommen und der Pflichtzölibat aufgehoben wird. »Wir wünschen uns eine freie Entscheidung für die Priester«, so Elisabeth Niehaus.

Frauen tragen weiße Schals

Bei der Aktion gehe es auch darum, auf die Bedeutung der Frauen in der Gemeinde aufmerksam zu machen, sagt Rita Oberfeld vom Schildescher kfd-Vorstand. »Sie leisten viel ehrenamtliche Arbeit zum Beispiel in der Sterbebegleitung und in den Besuchsdiensten. Ohne sie würde das Gemeindeleben nicht funktionieren.« Dennoch fühle sie sich manchmal als Frau zurückgesetzt.

Als einheitliches Zeichen wollen die katholischen Frauen während der Aktion am 11. und 12. Mai weiße Schals tragen, die sie auch an alle verteilen, die sich beteiligen wollen.

Bei der Gemeindeleitung sei die Aktion bereits angekündigt, erklärt Elisabeth Niehaus. Dabei sei sie sowohl bei Pastor Norbert Nacke als auch bei Vikar Christian Matuschek, der die Gottesdienste halten wird, auf »positive Resonanz« gestoßen.

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