Elffacher Sieger steht beim Hermannslauf vor seiner größten Herausforderung
Elias Sansar: »So einen Gegner hatte ich noch nie«

Detmold/Bielefeld (WB). Elias Sansar (39) kann beim 48. Hermannslauf von Detmold nach Bielefeld seinen zwölften Sieg perfekt machen. Ein Selbstläufer wird das an diesem Sonntag jedoch nicht. Mit Florian Neuschwander hat sich der Promi unter Deutschlands Ultraläufern angesagt, der den Detmolder schon zwei Mal besiegt hat. »So einen Gegner hatte ich beim Hermannslauf noch nie«, sagte Sansar unserem Redakteur Hans Peter Tipp.

Samstag, 27.04.2019, 04:30 Uhr aktualisiert: 27.04.2019, 05:00 Uhr
Rekordsieger Elias Sansar rechnet am Sonntag mit einem harten Rennen. Foto: Oliver Schwabe
Rekordsieger Elias Sansar rechnet am Sonntag mit einem harten Rennen. Foto: Oliver Schwabe

Was geht bei Ihnen an diesem Sonntag?

Elias Sansar: Das kann ich so nicht sagen. Ich werde starten, laufen, und dann schauen wir mal, wie es wird. Man weiß vorher nie, wie man sich am Wettkampftag fühlt. Letztes Jahr hatte ich mit einer Zeit von 1:47 Stunde gerechnet und war zwei Minuten schneller. Es ist ganz schwierig, vorher zu sagen, was drin ist.

Wie war das Training?

Sansar: Am Anfang lief es besser als vor zwölf Monaten. Zwischendurch habe ich aber wegen einer Zerrung eine kleine Pause einlegen müssen. Es ist aber alles verheilt, und ich bin voll belastbar. Insgesamt würde ich sagen: Es ist gut gelaufen.

Florian Neu­schwander wird Sansars härtester Konkurrent sein.

Florian Neu­schwander wird Sansars härtester Konkurrent sein. Foto: imago

Gibt es Tage, an denen Ihnen das Laufen überhaupt keinen Spaß macht?

Sansar: Ja, die gibt es. Ganz ehrlich: Es kommt gar nicht so selten vor, dass man keine Lust auf das Training hat – vor allem vor harten Tempoeinheiten oder Tempodauerläufen. Das macht nämlich nicht immer Spaß.

Und was machen Sie dann?

Sansar: Ich gehe trotzdem raus und trainiere. Dann muss man einfach seinen inneren Schweinehund besiegen. Sonst ist man nicht konkurrenzfähig.

Haben Sie denn jedes Mal Lust auf den Hermannslauf?

Sansar: Das ist etwas völlig anderes. Natürlich. Man ist trainiert, und wenn es so weit ist, ist man ja auch ausgeruht. Außerdem ist man im Wettkampf immer ganz besonders motiviert.

Wäre der Hermann für Sie auch etwas Besonderes, wenn nicht so viele Zuschauer die Läufer anfeuern würden?

Sansar: Auch dann wäre es ein ganz toller Lauf. Es ist die Strecke, die ausschlaggebend ist, der abwechslungsreiche Untergrund. Die Landschaft. Durch diese schöne Natur zu laufen, das macht für mich den Reiz aus. Ich würde den Hermannslauf auch mit halb so vielen Zuschauern genau so gut finden.

Sie haben elf Mal gewonnen. Gibt es einen Sieg, der Ihnen besonders wichtig war?

Sansar: Natürlich gibt es Siege, die besonders in Erinnerung bleiben. Auf jeden Fall. Wenn man wie im vergangenen Jahr eine Bestzeit läuft, dann vergisst man das nicht. Oder 2012, als ich gar nicht mehr mit dem Sieg gerechnet hatte. Da war nach der Hälfte der Zeit schon der Mann mit dem Hammer da. Ich habe mich trotzdem zusammengerissen und noch gewonnen. Das bleibt haften. Aber eigentlich kann ich mich noch an jeden meiner 13 Läufe erinnern – selbst an die Abläufe vorher und nachher. Es ist ja jedes Mal etwas anders gewesen. Insgesamt muss ich sagen: Es war eine schöne Reise, und ich hoffe, sie geht noch ein bisschen weiter.

Womit wir bei diesem Sonntag sind: Was wissen Sie über die Konkurrenz?

Sansar: Mit Florian Neu­schwander hat sich ein Gegner angekündigt, der überhaupt keine Schwächen hat. Er ist sicherlich der stärkste Konkurrent, den ich jemals beim Hermannslauf hatte – wenn man den Afrikaner von 2011 herauslässt. Deshalb wird es für mich nicht einfach zu gewinnen.

Sind Sie und Florian Neuschwander schon mal gegeneinander gelaufen?

Sansar: Wir sind uns schon ein paar Mal begegnet und kennen uns. Ernsthaft gegeneinander gelaufen sind wir erst zwei Mal: 2007 bei der Halbmarathon-DM in Bad Liebenzell. Da ist er Sechster geworden, ich Siebter, und er war vier Sekunden vor mir im Ziel. Das andere Mal war 2013 beim Essen-Marathon. Er hat gewonnen. Ich war Dritter mit gut 40 Sekunden Rückstand.

Haben Sie noch jemand anderen auf der Rechnung, der Ihnen gefährlich werden könnte?

Sansar: Jeder kann einem gefährlich werden. Da können Leute, die man kennt und nicht so stark sind, über sich hinauswachsen und eine Bombenzeit hinlegen. Das hat man schon überall erlebt. Außerdem kann immer jemand da sein, von dem man überhaupt nicht weiß, was er laufen kann.

Um den Sieg laufen nur wenige, insgesamt sind aber 7000 dabei. Was würden Sie dem Letzten des Laufes sagen, wenn Sie ihn im Ziel treffen?

Sansar: Ich würde gratulieren und sagen: Das hast du gut gemacht. Für mich ist jeder ein Sieger, der bei diesem Lauf ankommt. Für mich ist auch der Letzte ein Gewinner. Ich habe riesengroßen Respekt vor jedem, der diese Strecke schafft. Dafür muss am Ende nicht eine tolle Platzierung oder eine Zeit unter drei Stunden stehen. Alle haben die gleiche Strecke hinter sich gebracht. Und das ist von jedem eine beeindruckende Leistung.

Fakten zum 48. Hermannslauf

Start: Hermannsdenkmal, Detmold (So. 11 Uhr)

Ziel: Sparrenburg, Bielefeld (So. von 12.40 Uhr an)

Distanz: 31,1 Kilometer

Frauen: Titelverteidigerin Hidle Aders (Norwegen) fehlt. Favorisiert sind Franziska Bossow (SV Brackwede), Michelle Rannacher (DJK Gütersloh), Stephanie Strate (TSVE Bielefeld) und Jessica Volkmann (Teilzeitläufer).

Urgestein: Mit Manfred Düscher wandert der letzte »Hermann«, der bislang bei allen Auflagen am Start war, wieder mit. Insgesamt haben sich 7190 Läufer und Wanderer angemeldet.

Läufermesse: Gymnasium am Waldhof, Bielefeld (Sa. 13 bis 17 Uhr), dort auch Startnummernausgabe.

Parken am Start: Erneut ist die Zufahrt zum Denkmal gesperrt. Besucher und Starter können in Hiddesen den Überlaufparkplatz des Freilichtmuseums nutzen. Sie werden von 8.30 bis 10.15 Uhr kostenlos mit Bussen zum Start und von 11.30 Uhr an zurückgebracht.

 

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