Bielefelder Start-up Valuedesk hilft Großunternehmen beim Sparen
Der Kosten-Optimierer

Bielefeld (WB). Der Gewinn liegt im Einkauf – besagt eine Kaufmannsweisheit. Das ist nur die halbe Wahrheit, sagt Torsten Bendlin. »Es gibt viel mehr Optimierungspotential.« 2017 gründete er mit zwei Mitstreitern das Start-up Valuedesk in Bielefeld. 2018 sparten Unternehmen wie Dr. Oetker, Miele, Dr. Wolff oder Schüco 100 Millionen Euro mit dessen Hilfe, sagt Bendlin.

Freitag, 03.05.2019, 06:00 Uhr
Valuedesk-Mitgründer Torsten Bendlin hilft großen Firmen nach eigenen Angaben beim Sparen von Millionensummen. Sein Unternehmen nutzt Büroräume im Bielefelder »Pioneers Club«, in dem mehrere Start-ups ihre Heimat haben. Foto: Oliver Schwabe
Valuedesk-Mitgründer Torsten Bendlin hilft großen Firmen nach eigenen Angaben beim Sparen von Millionensummen. Sein Unternehmen nutzt Büroräume im Bielefelder »Pioneers Club«, in dem mehrere Start-ups ihre Heimat haben. Foto: Oliver Schwabe

Das junge Unternehmen, das heute 14 Mitarbeiter zählt, hat eine Software entwickelt, die Optimierungsprozesse in Firmen transparent machen und damit deren Umsetzung gewährleisten soll. »Denn häufig ist die konsequente Realisierung der Verbesserungen das größte Problem«, sagt Bendlin. Deshalb auch setzt Valuedesk neben dem digitalen Helfer auf den menschlichen Faktor. »Wir bieten zusätzlich den Service, die Prozesse zu begleiten und dabei zu helfen, dass die Projekte wirklich vorangetrieben werden«, sagt Bendlin. Die Software überwacht die Fortschritte – ein Mitarbeiter schaltet sich ein, wenn die Umsetzung ins Stocken gerät. »Unsere Kraft liegt in dieser Kombination aus Technologie und persönlicher Begleitung.«

Beruflicher Neustart

Sieben Jahre war Bendlin zuvor Einkaufsleiter des Möbelkonzerns Nolte. Dann wagte er den beruflichen Neustart als Firmengründer. Ursprünglich wollte er eine Plattform schaffen, die den Einkauf in Unternehmen optimiert. In der Bielefelder Gründerschmiede Founders Foundation lernte er die studierten Mathematiker Dennis Cutraro und Ingo Roßdeutscher (beide 27) kennen. Gemeinsam bauten sie Valuedesk auf. Das Trio schuf die Software, die geldwerte Verbesserungen in allen Bereichen eines Unternehmens sichtbar machen soll. Einzige Ausnahme ist der Vertrieb. »Für diesen Bereich gibt es schon etliche Software-Lösungen und er ist wegen der direkten Verbindung zum Kunden besonders sensibel«, sagt Bendlin.

Auf der anderen Seite macht Valuedesk nicht Halt vor der Einbindung von Lieferanten ins System. Beim Bielefelder Pharma- und Kosmetikhersteller Dr. Wolff etwa ist dies schon erfolgt, sagt Bendlin. »Die Lieferanten wurden gebeten, werthaltige Ideen einzusenden.« Die Software habe diese dann erfasst und aufbereitet. »Es geht nicht darum, beim Einkauf den letzten Cent herauszupressen. Im Idealfall profitieren unser Kunde und der Lieferant gleichermaßen von Verbesserungen.«

110 einzelne Optimierungsmaßnahmen von der Produktentstehung über den Einkauf und die Fertigung bis zur Lagerhaltung und Abfallverwertung kennt die Valuedesk-Software heute. Und es kommen stetig neue hinzu. Genauso wie die Software bei jeder Maßnahme erfasst, wie viel Geld eingespart worden ist und auch, mit welcher Umsetzungsmethode dies gelungen ist. So soll das System intelligent werden.

Mindestens 200 Millionen mit Valuedesk sparen

Im laufenden Jahr sollen Kunden mindestens 200 Millionen mit Valuedesk sparen und das junge Unternehmen selbst die Gewinnschwelle erreichen – das auch, weil die Gehälter in dieser frühen Phase bescheiden seien. Trotzdem gewinne Valuedesk erfahrene Kräfte aus der Industrie, aus der Bankenbranche oder auch einen ehemals leitenden Angestellten aus dem Vorruhestand. »Ihre Motivation ist, etwas zu bewegen und Neues mit aufzubauen«, sagt Bendlin. Dafür winken als Gegenleistung auch Anteile am jungen Unternehmen, das von Investoren eine Million Euro erhalten hat.

2020 soll der Valuedesk-Umsatz erstmals über die Millionenmarke springen. Und das Wachstum soll an Tempo gewinnen. In fünf Jahren seien 150 Mitarbeiter und ein Umsatz in der Größenordnung von 30 Millionen Euro realistisch, sagt Bendlin. Sein Traum: »Wir wollen Valuedesk zum Standard für die Optimierung in der Indus­trie machen, so wie es andere Programme für Vertrieb oder Kundenmanagement sind.«

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