Do., 09.05.2019

Der Ostmannturm ist saniert und wird am Samstag wiedereröffnet Zimmer mit Aussicht

Das Turmzimmer befindet sich unter der kupfernen Kuppel.

Das Turmzimmer befindet sich unter der kupfernen Kuppel. Foto: Thomas F. Starke

Von Michael Schläger

Bielefeld (WB). Über drei Jahre hat sich die Sanierung des Ostmannturms hingezogen. Am Samstag wird das Wahrzeichen der nördlichen Innenstadt wiedereröffnet.

149 Stufen muss erklimmen, wer das Turmzimmer in 34 Metern Höhe erreichen möchte. Die Mühsal wird mit einem spektakulären Blick über Bielefeld belohnt. »Hier oben – das ist wie Stadtführung auf einen Blick«, sagt Dirk Ukena vom Vorstand des Sozialwerks der Bielefelder Freimaurer.

Dem Sozialwerk gehört das Gebäude. Es betreibt in dem früheren Gewerbekomplex ein Studentenwohnheim mit 68 Apartments. Der Turm konnte lange Zeit nicht genutzt werden, war verrottet.

Jetzt ist tatsächlich eine Stadtführung von oben möglich. Ein Architekt, von dem man sich zwischenzeitlich allerdings trennen musste, hatte die Idee, vier mannshohe Fenster im Turmzimmer einzubauen. Von dort fällt der Blick auf Sparrenburg, Johannisberg und Altstadt, lassen sich Bahnhofsviertel und Universität ins Visier nehmen.

Künftig soll das Turmzimmer auch für Veranstaltungen mit bis zu 50 Besuchern über den Ostmannturm-Verein vermietet werden. Eine Küche wurde im unteren Bereich des Turms eingerichtet, Toilettenanlagen neu gebaut, ein Stuhl- und Tischlager eingerichtet. Alles passt, bis auf eines: Was serviert werden soll, von Speisen bis Getränken, muss über die Treppen nach oben transportiert werden. Einen Aufzug gibt es nicht.

150.000 Euro aus Städtebaufördermitteln sind in das Projekt geflossen

»Das macht die Vermarktung schwierig«, weiß Ukena. Dennoch ist er froh, dass die Sanierungsarbeiten nunmehr vor dem Abschluss stehen. 150.000 Euro aus Städtebaufördermitteln sind in das Projekt geflossen. Den Rest haben die Freimaurer selbst aufgebracht. Vorgaben des Denkmal- und des Feuerschutzes machten die Wiederherrichtung schwierig.

Als »Schlachterkirche« und später als »Pfefferkirche« war das Gebäude bekannt, das heute in einem Wohnquartier und früher mitten in einem Industrieareal lagt. »Schlachterkirche« deshalb, weil es in den Jahren 1912 bis 1914 als Zerlegebetrieb von der Konsumgenossenschaft Bielefeld errichtet worden war. Der »Kirchturm« war eigentlich ein Wasserturm.

1938 wurde Konsumgenossenschaft von den Nationalsozialisten zerschlagen

1938 wurde die Konsumgenossenschaft von den Nationalsozialisten zerschlagen. Der Gewürzproduzent Ostmann übernahm das Gebäude. Bis 1978 war die Produktion dort ansässig. Seit den 80er Jahren wird der Komplex als Studentenwohnheim genutzt.

Zum »Tag der Städtebauförderung« haben am Samstag alle Bielefelder Gelegenheit, den Turm zu besteigen. In Begleitung kann auch der Umlauf betreten werden, der sich in 39 Metern Höhe direkt unter der kupfernen Kuppel befindet. Zwischen 11.30 und 18 Uhr sind Gäste willkommen. Gleichzeitig wird an diesem Tag auch der Neumarkt, ebenfalls aus Städtebaufördermitteln mitfinanziert, zwischen Stadtbibliothek und Telekom-Hochhaus eingeweiht.

Nächste Gelegenheit, den Ostmannturm zu besteigen, ist dann am 16. Juni, am »Bloomsday«. Der erinnert an Leopold Bloom, die Hauptfigur im James-Joyce-Roman »Ulysses«, der an einem einzigen Tag, dem 16. Juni 1904, spielt. Weltweit wird dieser Tag von Anhängern des Romans begangen – und dann eben auch auf dem Ostmannturm.

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