Do., 09.05.2019

Samuelis Baumgarte präsentiert die drei führenden Positionen des deutschen Informel Spielarten von Freiheit

Die Galeriemitarbeiter Petra Schreiner und Tobias Linden blättern im Katalog, der neben den gezeigten Werken auch wichtige Informationen zur informellen Malerei in Deutschland und Europa bereit hält.

Die Galeriemitarbeiter Petra Schreiner und Tobias Linden blättern im Katalog, der neben den gezeigten Werken auch wichtige Informationen zur informellen Malerei in Deutschland und Europa bereit hält. Foto: Bernhard Pierel

Von Uta Jostwerner

Bielefeld (WB). Es lebe die Freiheit! Wer dieser Tage der Samuelis Baumgarte Galerie einen Besuch abstattet, erhält ein Gefühl davon, was es heißt, frei zu sein – frei im Sinne einer Kunst, die alle gegenständlichen Fesseln abgestreift hat. Mit Karl Otto Götz, Bernhard Schultze und Fred Thieler präsentiert Baumgarte die drei führenden deutschen Maler des Informel.

Nach einem Klima der Angst und Repression entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine Malerei, die begrenzte Formen oder darstellende Motive ablehnte und ihnen eine impulsive und ungestüme Schaffenskraft entgegen setzte. Informel bezeichnet keinen einheitlichen Stil, sondern charakterisiert eine künstlerische Haltung, die alle Sparten der Kunst ergriff und zur Avantgarde der 1950er Jahre wurde.

Fließende Bildsprache

Drei unterschiedliche schöpferische Ausprägungen sind bei Baumgarte zu sehen. Nach einer vom Expressionismus und Surrealismus geprägten Phase entdeckte Karl Otto Götz (1914 - 2017) die gleitende Wirkung von Tapetenkleister in Verbindung mit Farbe. Unter Zuhilfenahme eines Rakels, eines Kratzeisens, entstanden Gemälde in einer dynamisch fließenden Bildsprache. Neben Werken, die überwiegend in Schwarz gehalten sind, präsentiert die Galerie auch zwei leuchtend farbintensive Arbeiten aus der Serie »Giverny«.

Neben Götz zeigte sich auch Bernard Schultze (1915 - 2005) durch die intensive Auseinandersetzung mit dem abstrakten Expressionismus bewegt von der Intensität des gestischen Ausdrucks. Ab 1952 erarbeitet sich der Künstler eine organische bis labyrinthische Formensprache, die voller Geheimnisse zu stecken scheint. Hervorzuheben ist einerseits eine seltene Kreide-Grisaille, die unter dem Titel »Irgendwo lauert es« urwüchsig-verflochtene Gewebe zeigt. Andererseits integrierte Schultze ab 1962 auch so genannte plastische reliefartige »Migofs« – skulpturale Wesen aus Pappmaché, Farbe und Drahtgeflecht, die aus der Leinwand in den Raum wuchern.

Ichbezogenheit des Künstlers

Auch der renommierte Künstler Fred Thieler (1916 - 1999) verabschiedete sich nach seinen Studienreisen nach Paris, dem Zentrum des Informel, von der gegenständlichen Malerei und schuf farbgewaltige Werke, bei denen er sich unterschiedlicher Techniken bediente. Mal bespritzte und betropfte er die am Boden liegende Leinwand, mal krakelte er im gestischen Duktus über den Bildträger. Auch die Collage und Decollage findet Verwendung, ebenso wie die Spachteltechnik. »Deutlich wird hier in besonderem Maße ein Schaffensprozess, der aus sich selbst heraus kommt und die Ichbezogenheit des Künstlers hervortreten lässt«, sagt Petra Schreiner, Assistentin der Galerieleitung.

Die Ausstellung in der Samuelis Baumgarte Galerie, Niederwall 10, läuft bis zum 31. August. Geöffnet: montags bis freitags von 10 bis 18, samstags von 10 bis 14 Uhr.

Am Mittwoch, 3. Juli, findet von 19 bis 21 Uhr eine öffentliche Führung und Gesprächsrunde mit Gabriele Thieler, der Tochter von Fred Thieler, und Ulrich Rossol statt. Eine weitere Führung wird am Freitag, 9. August, von 17 bis 18 Uhr angeboten. Dazu ist eine Anmeldung unter Telefon 0521/560310 erforderlich.

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