Fr., 10.05.2019

Martin Sonneborn und sein Wahlkampfauftritt auf dem Siegfriedplatz Zwischenstopp in Dings

Martin Sonneborn, Spitzenkandidat der »Partei«, kam in Begleitung seiner »Bodyguards« auf den Siegfriedplatz.

Martin Sonneborn, Spitzenkandidat der »Partei«, kam in Begleitung seiner »Bodyguards« auf den Siegfriedplatz. Foto: Oliver Schwabe

Von Michael Schläger

Bielefeld (WB). Sein Wahlkampfauftritt am Donnerstag in Bielefeld war wie ein XXL-Sketch in der »Heute Show«. Und eines muss man Martin Sonneborn, dem Kopf der Satirepartei »Die Partei« und Europaabgeordneten, lassen: Er versammelte mit rund 400 Zuhören auf dem Siggi deutlich mehr Anhänger um sich als es die etablierten Parteien bei ihren bisherigen Europawahlkampf-Veranstaltungen in der Stadt vermochten.

Aber da ist es schon, dieses Wort: »etablierte Parteien«. Einer wie Sonneborn, der seine Parlamentsmitgliedschaft der fehlenden Prozenthürde bei der Europawahl verdankt, zerreißt solche Begriffe in der Luft, er persifliert, was er offenkundig von Grund auf ablehnt. Er lässt die »Vorgruppe«, ein düsteres Duo mit dem Partei-Markenzeichen rote Krawatte, seinen Aufgalopp vor dem Publikum proben. Das steht dann brav Spalier, skandiert »Martin, Martin!«, als er von genauso düsteren Bodyguards mit neonfarbenen Plastik- Pump Guns zur Mini-Bühne auf einem Leihanhänger geleitet wird.

Er begrüßt sein Volk »in Dings, äh Bielefeld« und schmäht den hiesigen CDU-Europaabgeordneten Elmar Brok unter dem Gejohle des Publikums als »Elmar Brocken«. SED-Kampflieder (»Die Partei, die Partei, die hat immer recht!«) werden adaptiert, geschickt auf die NS-Zeit angespielt. Auf der Liste der Partei stehen Menschen mit den Nachnamen alter Nazi-Größen ganz vorn.

Geringe Anwesenheitsrate

Und was soll das? Wer so was fragt, hat bei Sonneborn schon verloren. Surreal wirkt, was da auf dem Siggi abläuft. Manchmal hat man aber auch das Gefühl, seine Partei unterscheidet sich gar nicht so recht von den anderen.

Der Deutschlandfunk hat übrigens recherchiert, was der Abgeordnete Sonneborn in Brüssel und Straßburg so auf die Reihe bekommen hat. Danach gehörte seine Anwesenheitsrate zu den geringsten im Europäischen Parlament. Er habe sich im Schnitt an drei von vier Abstimmungen beteiligt und sei in den Fachausschüssen so gut wie nie aufgetaucht. Die parlamentarischen Sitzungsprotokolle hätten genau sieben Wortmeldungen verzeichnet.

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