Mo., 13.05.2019

Aktion fordert mehr Anerkennung Maria 2.0: Katholische Frauen vor der Kirchentür

Blieben während des Gottesdienstes vor der Tür: Rita Oberfeld, Elisabeth Niehaus, Gisela Wieczorek, Eva-Maria Bulla und Ursula Pohl (von links) sowie 60 Mitstreiter. Viele der Geistlichen wissen sie auf ihrer Seite. Auch Pfarrer Christian Matuschek, der Samstag in der Kirche predigte, erteilte ihnen und der Gottesdienstgemeinde später vor der Tür seinen Segen.

Blieben während des Gottesdienstes vor der Tür: Rita Oberfeld, Elisabeth Niehaus, Gisela Wieczorek, Eva-Maria Bulla und Ursula Pohl (von links) sowie 60 Mitstreiter. Viele der Geistlichen wissen sie auf ihrer Seite. Auch Pfarrer Christian Matuschek, der Samstag in der Kirche predigte, erteilte ihnen und der Gottesdienstgemeinde später vor der Tür seinen Segen. Foto: Sabine Schulze

Von Sabine Schulze

Schildesche (WB). Wenn die katholische Kirche sie in manchem schon außen vor lasse, dann könnten sie auch wirklich vor der Tür bleiben, haben sich Frauen der St. Johannes Baptist-Gemeinde gesagt. Während des Vespergottesdienstes am Samstag und des sonntäglichen Gottesdienstes blieben sie draußen.

Den Anstoß zu dieser Aktion mit dem Namen »Maria 2.0« haben Frauen des Bistums Münster gegeben. Sie entziehen sich gleich eine Woche lang dem Gemeindeleben. »Lasst uns die Kirche wachküssen« ist der Slogan der Frauen, die einige grundlegende Reformen verlangen. Dabei geht es um die Stellung der Frau in der katholischen Kirche, um den Umgang mit den Missbrauchsfällen, wo Priester versetzt statt aus dem Amt entfernt worden seien und würden, und auch um die Ehelosigkeit der Pfarrer, für deren illegitime Kinder die Kirche aber durchaus Alimente bezahle, zählten Elisabeth Niehaus, Gisela Wieczorek und Ursula Pohl auf.

Großteil der Dienste in der Gemeinde wird von Frauen geleistet

Sie gehören zu den Frauen der Johannes Baptist-Gemeinde, die die Idee des Protestes aufgegriffen haben: Allesamt ältere Damen, denen das Protestieren nicht in die Wiege gelegt ist. »Aber irgendwann reicht es«, sagte Niehaus. Für Samstag und Sonntag hatten sie auf zwei Dutzend Mitstreiterinnen und Mitstreiter gehofft. Etwa 60 Gläubige schlossen sich ihnen dann tatsächlich an, legten zum Zeichen der Solidarität weiße Schals um und blieben vor der Kirche. Auch aus anderen katholischen Gemeinden Bielefelds kamen die Unterstützer der Aktion.

Unter einem schützenden Zeltdach versammelten sie sich zu Gebeten und Lesungen und verlangten, von der katholischen Kirche als ernst zu nehmende Gesprächspartnerinnen behandelt zu werden. Ein Großteil der Dienste in der Gemeinde würde von Frauen geleistet – wie zumeist auch die Weitergabe des Glaubens in der Familie. »Die Frauenfrage ist für die Kirche von existenzieller Bedeutung. Es könnte einsam werden um die Amtsträger«, sagte Bernadette Münstermann.

»Wir dürfen einiges machen – aber nur, was die Männer zulassen«, kritisierte Niehaus, die seit Jahrzehnten engagiert und Lektorin und Kommunionhelferin ist. Die Frauen argumentierten durchaus klug und theologisch, zitierten Bibelstelle um Bibelstelle aus dem Neuen Testament, in denen Frauen als aktiver und anerkannter Part der Gemeinde erwähnt und gelobt werden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6609568?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F