Mi., 15.05.2019

Von sofort an helfen Mobile Retter auch in Bielefeld – Anmeldung per App Im Notfall minutenschnell vor Ort

In der Einsatzleitstelle der Hauptwache der Feuerwehr zeigt Christian Gräfe die Mobile Retter-App, die es qualifizierten Ersthelfern ermöglicht, sich unkompliziert anzumelden, um im Notfall parallel zum Rettungsdienst alarmiert zu werden-

In der Einsatzleitstelle der Hauptwache der Feuerwehr zeigt Christian Gräfe die Mobile Retter-App, die es qualifizierten Ersthelfern ermöglicht, sich unkompliziert anzumelden, um im Notfall parallel zum Rettungsdienst alarmiert zu werden- Foto: Thomas F. Starke

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Von sofort an sind in Bielefeld Mobile Retter im Notfall im Einsatz. Die speziell geschulten Ersthelfer sollen die Zeit zwischen zum Beispiel Herzstillstand oder Bewusstlosigkeit und dem Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken und lebensrettende Maßnahmen einleiten. Ziel, so Feuerwehr-Chef Hans-Dieter Mühlenweg, sei es, die therapiefreie Zeit zu verkürzen.

Im Idealfall um mehr als die Hälfte. Dauert es im Durchschnitt neun Minuten, bis ein Rettungswagen am Einsatzort ist, kann der Mobile Retter vier Minuten, nachdem er alarmiert wurde, helfen (das WESTFALEN-BLATT berichtete). Bislang habe man sich auf Angehörige von Hilfsorganisationen wie Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund, Johanniter-Unfallhilfe, DLRG, Technischem Hilfswerk, Ärzte, Feuerwehrleute oder Einsatz-Ersthelfer konzentriert, wolle den Kreis aber ausweiten auf alle mit entsprechender Erste-Hilfe-Vorbildung, so Marc Budde, der das Mobile-Retter-System bei der Bielefelder Feuerwehr koordiniert. Alle Mobilen Retter würden zu einem kostenlosen Training zur Qualifizierung eingeladen.

Mobile Retter werden durch die GPS-Koordinaten ihrer Smartphones geortet

Und so funktioniert es: Registrierte Mobile Retter werden durch die GPS-Koordinaten ihrer Smartphones geortet, nachdem in der Leitstelle der Notruf 112 eingegangen ist. Der Mobile Retter, der sich dem Notfall am nächsten aufhält, wird gleichzeitig mit dem Rettungsdienst per Mobile Retter-App alarmiert. Es werde versucht, so Marc Budde, zwei Mobile Retter gleichzeitig zu alarmieren.

Mühlenweg betont die Freiwilligkeit. Hans-Dieter Mühlenweg: »Wer Erste Hilfe leisten will, signalisiert das mit dem O.K.-Button. Es gibt aber keine Verpflichtung zu helfen.« Bislang, so Mühlenweg, hätten sich bereits 220 Ersthelfer als Mobile Retter registrieren lassen; Ziel sei es, in diesem Jahr 600 zu gewinnen, »als Ergänzung der Rettungskette«.

Anja Ritschel als zuständige Beigeordnete sagt, dass die Einführung des Mobile-Retter-Systems auf eine politische Initiative zurück gehe. Dass die Umsetzung rund zweieinhalb Jahre gedauert habe, führt Anja Ritschel darauf zurück, dass noch »rechtliche und organisatorische Hürden« zu nehmen gewesen seien.

Dabei ist das System selbst inzwischen etabliert, wurde 2013 als Pilotprojekt im Kreis Gütersloh eingeführt, mit dem die Stadt Bielefeld jetzt auch kooperiert. Das Projekt der Björn-Steiger-Stiftung existiere, so Dennis Brüntje, Leiter Operatives Mobile Retter, inzwischen in 21 Kreisen und kreisfreien Städten mit 16.000 registrierten Ersthelfern, die 6200 Einsätze absolviert hätten.

In und um Bielefeld arbeiten 10.000 Menschen in Gesundheitsberufen

Brüntje geht davon aus, dass zwei bis drei Prozent der Bevölkerung so qualifiziert seien, dass sie aus dem Stand Mobile Retter werden könnten. Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, ist überzeugt davon, dass Solidarität »das System stark« mache. Windhorst: »In Bielefeld und Umgebung arbeiten rund 10.000 Menschen in Gesundheitsberufen. Wenn sich zehn Prozent von ihnen als Mobile Retter registrieren ließen, wäre das fantastisch.« Er betont, dass die Kliniken den bei ihnen tätigen Mobilen Rettern den Notfalleinsatz auch während der Dienstzeiten ermöglichen würden. Allein in Bielefeld gebe es pro Jahr zwischen 300 und 500 Reanimationsfälle. Ralf Großegödinghaus, Kreisgeschäftsführer des DRK, findet es vor allem überzeugend, dass das System eingebunden sei in den Rettungsdienst.

Wer sich als Mobiler Retter registrieren lassen möchte, kann sich informieren unter www.mobile-retter.org oder schreibt direkt an Marc Budde unter mobile.retter@bielefeld.de.

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