Do., 16.05.2019

Resul Benli geht 24 Stunden in Bielefeld auf Mahntour für mehr Sicherheit Ganz in Weiß auf einem Damenrad

Setzen Zeichen: Resul Benli, Tochter Roja-Nu und Nichte Melten am Startpunkt der Tour am Kesselbrink.

Setzen Zeichen: Resul Benli, Tochter Roja-Nu und Nichte Melten am Startpunkt der Tour am Kesselbrink. Foto: Michael Diekmann

Von Michael Diekmann

Bielefeld (WB). Resul Benli (64) liebt Fahrräder. Über Bielefelds Radwegesituation fällt er ein vernichtendes Urteil: »Detmolder- und Herforder Straße sind lebensgefährlich, der Jahnplatz ein Kindergarten.« Am Mittwoch hat Benli Zeichen gesetzt: 24 Stunden auf Mahn-Marathon mit dem Fahrrad.

Einen ganzen Tag widmet Resul Benli tödlich verunglückten Radfahrern. In Bielefeld sei das letzte Todesopfer 2013 eine junge Frau gewesen, erzählt er gegen 15 Uhr beim Zwischenstopp am Kesselbrink. An der Treppeneinhausung zur Tiefgarage hat er ein zweites Rad angekettet und eine Informationstafel installiert. Im Dreistunden-Takt startet er von hier aus.

Dabei fällt der Mann ganz in Weiß auf im Straßenbild. Wer Benli kennt, weiß um die weißen, wallenden Haare, irgendwie das Markenzeichen des begnadeten Fahrradsammlers, der ein großes Stück seines Lebens dem Zweirad insbesondere aus Bielefeld verschrieben hat, sich um Verkehrspolitik kümmert und keiner Diskussion aus dem Weg geht. Deshalb, sagen Freunde, passe die Aktion auch so gut zu ihm.

»Ich habe sehr viel Sympathie empfangen«

Mittwoch um Mitternacht hat er das weiße Gewand angezogen, ein symbolisches Totenhemd. Die beiden weißen Fahrräder, natürlich aus Bielefelder Produktion, hat er mit Fassadenfarbe weiß gestrichen. Außen anmontiert hat er Infotafeln. In Deutschland waren 2017 insgesamt 383 Radfahrer verunglückt, 2018 starben 450 im Straßenverkehr. Benli selbst hatte in Bielefeld selbst schon mehrere Unfälle. Nach einem besonders schweren Unfall 2013 lag er Wochen im Krankenhaus: »An dem Unfall hatte ich keine Schuld, ich hatte sogar Vorfahrt.«

Seine acht Touren am Mittwoch führen ihn nach Dornberg, Bethel, Quelle, Baumheide, kurz in alle Bezirke. Mindestens 50 Gespräche hat er bis Mittag schon geführt, Flugblätter verteilt, immer wieder Mitfahrer wie Politiker Klaus Rees getroffen. »Ich habe sehr viel Sympathie empfangen«, erzählt Benli.

Und man ist sich einig: Die Situation für Radfahrer in der Stadt ist katastrophal. Die meisten Radwege sind zu eng, zu kurz und eine Sammlung von Schlaglöchern. Was Benli viel mehr besorgt als der bauliche Zustand ist der tägliche Kampf mit den Autofahrern im Alltag. Ein Freund, erzählt er, habe just das Rad in die Ecke gestellt. Begründung: Radfahren in Bielefeld macht krank.

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