Fr., 17.05.2019

Friedrich Kratochvil leitet Parkinson-Selbsthilfe – Gruppentreffen am 24. Mai Das Wort »unheilbar« haute ihn um

Friedrich Kratochvil ist an Parkinson erkrankt, ist Regionalleiter der Selbsthilfegruppe und wirbt für die Aktionswoche.

Friedrich Kratochvil ist an Parkinson erkrankt, ist Regionalleiter der Selbsthilfegruppe und wirbt für die Aktionswoche. Foto: Oliver Schwabe

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Ein Test in der Apotheken-Umschau, »der Rentner-Bravo«, wie Friedrich Kratochvil schmunzelt, hat den heute 71-Jährigen zum Neurologen getrieben: »Dort waren zehn Punkte aufgelistet, die ein Hinweis auf eine Parkinson-Erkrankung sind. Bei sieben habe ich das Ja angekreuzt.« Der Neurologe bestätigte seinen Verdacht.

Sieben Jahre ist das her, längst geht Kratochvil offensiv mit seiner Krankheit um. »Damals habe ich aber eine Woche gebraucht, um mit dem Wort ‘unheilbar’ fertig zu werden.« Geholfen hat ihm, dass er den Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe gesucht hat – einer Selbsthilfegruppe, der er heute als Regionalleiter vorsteht.

Diese Selbsthilfegruppe stellt sich am 24. Mai anderen Betroffenen und ihren Angehörigen vor: im Rahmen der Aktionswoche Selbsthilfe. Diese Woche wird am 20. Mai im Neuen Rathaus eröffnet, an den folgenden Tagen präsentieren sich an verschiedenen Orten verschiedene Gruppen – so auch die Parkinson-Gruppe.

400.000 Parkinson-Patienten in Deutschland

Laut einer aktuellen Hochrechnung leben in Deutschland 400.000 Parkinson-Patienten, mit steigender Tendenz, wie es Anfang April bei der Tagung der deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen hieß. Vor allem aber, sagt Friedrich Kratochvil, werde Parkinson immer jünger. Die jüngeren Betroffenen informieren sich zumeist im Internet über ihre Krankheit und tauschen sich in den Foren aus.

»Das reicht nicht«, betont Kratochvil, der selbst durchaus internetaffin ist. »Es fehlt aber das Menschliche. Eine Selbsthilfegruppe leistet mehr, da nimmt auch einmal jemand deine Hand.« Natürlich dient die Gruppe auch dem Austausch von Informationen und Erfahrungen, organisiert sie, wie am 24. Mai, Spezialisten, die Vorträge halten und Fragen beantworten. Aber sie stärkt auch den Rücken, hilft, die Krankheit zu akzeptieren, Isolation zu überwinden und den Alltag zu bewältigen. »Dabei darf und soll gelacht werden, es wird getanzt und geschwommen«, sagt der Leiter der Bielefelder Regionalgruppe.

Das Tanzen und Schwimmen hat im Übrigen auch therapeutische Gründe: Bewegung tut Parkinson-Patienten gut, vor allem Bewegungen, die Koordination verlangen, die vielleicht auch noch rhythmisch sind.

Grundsätzliches Ziel der Parkinson-Vereinigung, die 450 Regionalgruppen und 23.000 Mitglieder zählt, ist, das Selbstbewusstsein der Patienten zu stärken, sie beim Umgang mit Ärzten, Behörden oder anderen Institutionen zu unterstützen, die Parkinson-Forschung voranzutreiben und auch das Bild der Patienten in der Öffentlichkeit zurecht zu rücken.

Krankheit hat ihre Aufs und Abs

Schon Kratochvils Vorgänger als Leiter der Regionalgruppe, Georg Wriedt, schilderte Situationen, die auch der 71-Jährige kennt: Wenn etwa frühmorgens beim Gang zum Bäcker das Zittern, eines der typischen Symptome, noch so groß ist, dass keine Münzen aus dem Portemonnaie genommen werden können, die Umstehenden aber den Verdacht äußern, man sei schon betrunken.

»Grundsätzlich sind die Medikamente heute besser und vor allem auch individuell dosiert, wenn man einen guten Neurologen hat«, sagt Friedrich Kratochvil. Aber die Krankheit hat ihre Aufs und Abs und kommt durchaus vielfältig daher. Zittern, Muskelkrämpfe, ein Verharren und »Eingefroren-Sein«, sprachliche Einschränkungen, veränderter Geruchs- und Geschmackssinn oder eine kleine Krickelkrakel-Schrift sind Auffälligkeiten; dazu können etwa Schluckbeschwerden oder auch Halluzinationen kommen.

»Wenn man selbst die Symptome wahrnimmt, hat man die Krankheit schon zehn Jahre«, sagt Kratochvil. Dann ist schon jahrelang die »Substantia nigra« im Gehirn geschrumpft, die Region, in der Dopamin, ein wichtiger Botenstoff des zentralen Nervensystems produziert wird. Irgendwann wird der Dopaminmangel dann deutlich.

Therapien erfolgen vor allem medikamentös. Kratochvil hat für sich zudem entdeckt, dass ihm vegetarische Ernährung gut tut, er bekommt Vitamin B12-Spritzen und Logopädie. Und er findet in der Selbsthilfegruppe Stärkung. Wer die Regionalgruppe kennenlernen möchte, hat am Freitag, 24. Mai, 14 bis 18 Uhr, im Konferenzraum (7. Etage) des Evangelischen Klinikums Bethel, Standort Johannesstift, Gelegenheit dazu. Referent ist Dr. Andreas Rogalewski.

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