Fr., 17.05.2019

Die Bezirksregierung Detmold lehnt Sennestädter Vertreter im Beirat ab Eikelmann-Stiftung ohne Nockemann

Die Stiftungsurkunde für die Eikelmann-Stiftung brachte Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl (rechts) im Dezember 2018 in die Kinderhäuser Wintersheide. Auch dabei waren Sozialdezernent Ingo Nürnberger und Regine Weissenfels.

Die Stiftungsurkunde für die Eikelmann-Stiftung brachte Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl (rechts) im Dezember 2018 in die Kinderhäuser Wintersheide. Auch dabei waren Sozialdezernent Ingo Nürnberger und Regine Weissenfels. Foto: Peter Bollig

Von Peter Bollig

Sennestadt (WB). Dem Sennestädter Bezirksbürgermeister Lars Nockemann und seiner Stellvertreterin Tanja Orlowski bleiben die Sitze im Beirat der Stiftung Eikelmann nun doch verwehrt.

Bielefelds Sozialdezernent Ingo Nürnberger hatte ihre Aufnahme in das Gremium im März angekündigt, um den Forderungen aus Sennestadt nach mehr Einfluss in der Stiftung nachzukommen. Die Bezirksregierung in Detmold lehnte das aber ab.

Die Entscheidung der Bezirksregierung teilte Ingo Nürnberger jetzt im Jugendhilfeausschuss mit. Demnach hatte der Beirat der Stiftung im März beschlossen, der Bezirksregierung eine Satzungsänderung vorzuschlagen, die eine Aufnahme des Bezirksbürgermeisters als Mitglied des bislang fünfköpfigen Beirats vorsieht. Seine Vertreterin sowie die stellvertretende Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses sollten beratend an den Sitzungen des Beirats teilnehmen können.

Grundstücke dem land NRW vermacht

Weil die Sennestädterin Marie Eikelmann ihre Grundstücke im Bielefelder Süden dem Land NRW vermacht hatte, hat die Bezirksregierung Detmold als zuständige Behörde im vergangenen Jahr das Vermögen in eine Stiftung überführt und die Funktion der Treuhänderin übernommen. Und in dieser Eigenschaft lehnte die Bezirksregierung die Satzungsänderung ab. Weil Landesgremien einzubeziehen wären, würde es wohl zwei Jahre bis zu einer Satzungsänderung dauern, nannte Nürnberger als Begründung.

Zu den Gründen dürfte aber auch gehören, dass man in Detmold keinen Grund für die stärkere Beteiligung Sennestadts sieht. Denn Stiftungszweck sei die Förderung der Kinder- und Jugendhilfe im gesamten Bielefelder Stadtgebiet – nicht speziell in Sennestadt. »Das Land als Erbe hat in Auslegung des testamentarischen Willens der Erblasserin festgelegt, dass benachteiligte Kinder und Jugendliche im Stadtgebiet Bielefeld von den Erträgen profitieren sollen. Die Stiftungssatzung war nach eingehender vorheriger Abstimmung unter anderem mit der Stadt Bielefeld verfasst worden. Die derzeitige Besetzung des Beirates ist gut geeignet, Vorschläge zur Verwendung des Stiftungsertrags zu erarbeiten«, erklärt Andreas Moseke, Sprecher der Bezirksregierung Detmold.

Genau darüber streiten Senne­stadts Bezirksvertreter mit der Stiftung. Wie berichtet, pochen sie darauf, dass Mariechen Eikelmann ihr Testament in den 60er Jahre gemacht hatte, als Sennestadt noch gar nicht zu Bielefeld gehörte. Sie hatte ihre Grundstücke dem Land vermacht, um den Bau eines Kinderheims in Sennestadt zu ermöglichen.

Stiftung will Geld gesamtstädtisch einsetzen, BZV in Sennestadt

Die Kinderhäuser Wintersheide sind längst gebaut und abbezahlt, aus Verpachtung der Eikelmann-Grundstücke fallen jährlich 150.000 Euro an Einnahmen an. Zudem ist Geld aufgelaufen, Nürnberger zufolge inzwischen rund eine Million Euro. Die Stiftung will dieses Geld gesamtstädtisch einsetzen, die Bezirksvertretung will dagegen Kinder und Jugendliche in Sennestadt gefördert wissen und hat Einsicht ins Testament gefordert. Auch das sei noch nicht gewährt worden, berichtete Nürnberger im Ausschuss. Die Bezirksregierung prüfe noch, ob das datenschutzrechtlich möglich sei.

Der Beirat wollte den Sennestädtern entgegenkommen, auch um bei der Vergabe der Mittel endlich voranzukommen, damit Projekte bald umgesetzt werden können. 75.000 Euro aus den jährlich anfallenden Mitteln sind ohnehin für die Kinderhäuser eingeplant. Rund 400.000 Euro sollen in ein Kooperationsprojekt von Bielefeld United mit Trägern in Sennestadt, in das Rolf-Wagner-Haus in Senne und in die Trauerarbeit des Vereins Sterntaler fließen. Die verbleibenden 600.000 Euro sollen an weitere Projekte gehen, die in einem Ideenwettbewerb vorgestellt werden können.

Zumindest über diesen Bereich sollen die Sennestädter dann doch verstärkt mitentscheiden dürfen: Der Sozialdezernent schlägt vor, »stadtintern« eine Begleitgruppe zu bilden, die die Themen des Beirats vorbereitet, die Förderanträge sichtet und Fördervorschläge erarbeitet. In dieser Gruppe sollen neben den städtischen Beiratsmitgliedern (Jugendhilfeausschussvorsitzende, Sozialdezernent, Jugendamtsleiter) eben auch Sennestadts Bezirksbürgermeister und seine Vertreterin sowie die stellvertretende Jugendhilfeausschussvorsitzende sitzen.

Nürnberger hofft jetzt auf die Zustimmung des Jugendhilfeausschusses – und der Sennestädter Bezirksvertretung. Dazu soll es zeitnah eine Sondersitzung der Bezirksvertretung geben, damit noch in der Sommerzeit der Ideenwettbewerb gestartet werden kann.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6617706?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F