Fr., 17.05.2019

Zum 15. Mal bietet das Haus Laurentius ganztägige Ausflüge an Reisen auch ohne Gepäck

Rolf Rixe, Vorsitzender des Förderverins, hilft einer Bewohnerin in den behindertengerechten Bus, der Platz für bis zu zehn Rollstuhlfahrer bietet.

Rolf Rixe, Vorsitzender des Förderverins, hilft einer Bewohnerin in den behindertengerechten Bus, der Platz für bis zu zehn Rollstuhlfahrer bietet. Foto: Lina Marie Hansmeier

Von Lina Marie Hansmeier

Schildesche (WB). Die Freude daran, auf Reisen zu gehen, ist nicht ans Alter gebunden. Mit dem Projekt »Urlaub ohne Koffer« ermöglicht das Pflegewohnheim Haus Laurentius seinen Bewohnern das, was für viele ältere Menschen nur schwer umsetzbar ist: Trotz Beeinträchtigungen neue Orte zu erkunden.

Bereits seit 15 Jahren bietet das Haus Laurentius im Frühlingsmonat Mai vier ganztägige Ausflüge in umliegende Städte an. Mitreisen können alle abenteuerlustigen Bewohner, gesundheitliche Voraussetzungen gibt es keine. »Jeden Tag begleiten uns zahlreiche Fachkräfte aus dem Medizin- und Pflegebereich. Dank der Hilfe von Ehrenamtlern und Familienmitgliedern können wir eine umfassende Eins-zu-Eins-Betreuung garantieren und sind für Notfälle gerüstet«, erklärt Heimleiterin Maria Bores, die das Projekt 2004 ins Leben rief.

In diesem Jahr geht die »Reise ohne Koffer« nach Höxter, Bad Driburg und an den Schiedersee. Etwa 80 Personen nehmen täglich an den Unternehmungen teil, 40 davon sind Heimbewohner. Am letzten Tag gibt es für alle einen musikalischen Abschluss im Haus Laurentius. »Schon Tage vor den Ausflügen spürt man eine allgemeine Aufregung im ganzen Haus. Die Vorfreude und die Fahrten sorgen dafür, dass alle richtig aufblühen«, freut sich Maria Bores.

Förderverein übernimmt Hälfte der Kosten

Hinter dem Projekt verbirgt sich ein großer logistischer Aufwand für das Pflegewohnheim. Bereits im März beginnt ein Team aus Mitarbeitern, Ehrenamtlern und Fördervereinsmitgliedern mit der Planung. Zuerst werden Ideen gesammelt, dann unternimmt das Team Probefahrten an potenzielle Zielorte. »Natürlich muss die gesamte Reise behindertengerecht und barrierefrei gestaltet werden. Faktoren wie die Beschaffenheit des Untergrunds, die Anzahl sanitärer Anlagen und die Verpflegungsmöglichkeiten prüfen wir direkt vor Ort. Erst danach entscheiden wir uns für ein Programm und planen die weiteren Schritte«, berichtet die Heimleiterin.

Um die Ausflüge für alle Mitreisenden unentgeltlich anbieten zu können, ist der »Urlaub ohne Koffer« mit hohen Kosten für die Organisatoren verbunden. Transport, Veranstaltungen und Verpflegung vor Ort summieren sich jährlich auf etwa 10.000 Euro. Allein der behindertengerechte Bus mit elektrischer Heberampe für Rollstuhlfahrer verschlingt etwa ein Drittel des Budgets. 50 Prozent der Gesamtkosten trägt das Haus Laurentius selbst, die verbleibenden 5.000 Euro übernimmt der Förderverein, der sich ausschließlich mit Spendengeldern finanziert.

Die Möglichkeit, die das Pflegewohnheim seinen Bewohnern bietet, ist in Bielefeld einzigartig. Heimleiterin Maria Bores ist stolz auf die Leistung, die Pfleger und Helfer jedes Jahr vollbringen. »Das Projekt ist für uns alle mit einem hohen Maß an Aufwand und Verantwortung verbunden, nach den Ausflügen ist man meist müder als nach einem langen Arbeitstag. Trotzdem ist es jede Mühe wert. Ich wünsche mir, dass unsere Bewohner auch 2020 wieder ›Urlaub ohne Koffer› machen können«.

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