Fr., 17.05.2019

Bielefeld denkt über Verhaltenskodex für Leihfirmen nach E-Tretroller: Droht jetzt Chaos im Stadtverkehr?

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Jan Gruhn

Berlin/Bielefeld (WB). Der Bundesrat hat den Weg für den Elektro-Tretroller in Deutschland frei gemacht. Doch die Bundesregierung muss noch nachbessern.

Demnach sollen die Gefährte generell erst für Jugendliche ab 14 Jahren erlaubt sein. Ursprünglich hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geplant, die langsamere Variante der Roller schon ab zwölf Jahren freizugeben. Zudem sollen langsamere Roller mit einer Höchstgeschwindigkeit von zwölf Stundenkilometer (km/h) doch nicht auf Gehwegen fahren dürfen. In diesem Punkt hatte Scheuer bereits auf Kritik aus den Ländern reagiert. Zugelassen werden sollen E-Tretroller, die maximal bis 20 km/h schnell fahren. Eine Helmpflicht soll es nicht geben, ein Führerschein soll ebenfalls nicht nötig sein. Allerdings sollen die E-Scooter versicherungspflichtig sein.

Verleihsysteme für E-Tretroller

In Großstädten außerhalb Deutschlands haben sich bereits Verleihsysteme für die E-Tretroller etabliert, nun rüsten sich die Hersteller auch für den deutschen Markt. In Düsseldorf oder Köln liegen Medienbericht zufolge schon Anfragen vor. Das Berliner Start-Up Tier zum Beispiel plant eigenen Angaben zufolge, bundesweit in Metropolen mit einer Gesamtflotte mit fünfstelligen Fahrzeugzahlen starten zu wollen.

Sollte sich auch in Bielefeld ein Verleihunternehmen ansiedeln wollen, dann könnte es nach Stadtangaben auf einen Verhaltenskodex hinauslaufen, um ein Rollerchaos zu verhindern. Das erklärte Patrick Köhn, Teamleiter der konzeptionellen Verkehrsplanung auf Anfrage. »Die rechtlichen Grundlagen für Kommunen sind bislang nicht sehr üppig.«

Vorbild Paris?

Vorbild könnte Paris sein: Dort hatten sich Stadt und Rolleranbieter auf ein Regelwerk geeinigt. Darin geht es unter anderem darum, wildes Parken mit den E-Tretrollern zu verhindern. Im Gegenzug stellt die Stadt 2500 Parkplätze zur Verfügung, berichtete »Zeit Online«. Etwa 15.000 der elektrischen Flitzer stehen dem Bericht zufolge in der französischen Hauptstadt, sogar der ehemalige Sprint-Star Usain Bolt stieg kürzlich mit einem eigenen Unternehmen ins Verleihgeschäft ein.

Die Stadt Paderborn begrüßt ausdrücklich die Entscheidung, dass die E-Scooter nicht auf Gehwegen fahren sollen. Des Weiteren wolle man abwarten, wie viele der Gefährte sich demnächst überhaupt im Stadtverkehr wiederfänden. Die Landesverkehrswacht NRW warnt vor zusätzlichen Konflikten. In vielen Städten bliebe bereits oft wenig Raum für Radfahrer, den sie sich jetzt auch noch mit den E-Tretrollern teilen müssten. Ein Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie kritisierte gegenüber der »NOZ« zudem das aus seiner Sicht hohe Risiko für Fußverletzungen.

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