Sa., 18.05.2019

Tausch ermöglicht Moscheebau – Alte Post geht an Sennestadt GmbH Imam zieht an Industriestraße

Haben mit dem Grundstückstausch die Weichen für die Weiterentwicklung gestellt (von links): Bernhard Neugebauer, Geschäftsführer Sennestadt GmbH, Murat Zeytinoglu, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins und Bezirksbürgermeister Lars Nockemann.

Haben mit dem Grundstückstausch die Weichen für die Weiterentwicklung gestellt (von links): Bernhard Neugebauer, Geschäftsführer Sennestadt GmbH, Murat Zeytinoglu, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins und Bezirksbürgermeister Lars Nockemann. Foto: Bernhard Pierel

Von Kerstin Sewöster

Bielefeld (WB). Mit einem Grundstückstausch haben die Stadt Bielefeld und die Sennestadt GmbH wichtige Weichen für die Stadtplanung im Bezirk gestellt. Gewinner ist auch der Türkisch-Islamische Kulturverein, der nun seine Moschee auf einem Grundstück an der Industriestraße 40 bauen kann.

Und so lautet der Deal: 1. Die Sennestadt GmbH tauscht mit der Stadt ihre öffentlichen Flächen wie den Reichowplatz gegen das Gelände des ehemaligen städtischen Bauhofes an der Industriestraße ein. 2. Die Sennestadt GmbH wiederum tauscht einen Teil dieser Grundstücke (4860 Quadratmeter) an der Industriestraße gegen die Alte Post am Sennestadtring ein, die 2013 vom Türkisch-Islamischen Verein erworben worden war. 3. Der Türkisch-Islamische Verein kauft von der Sennestadt GmbH ein weiteres, 3360 Quadratmeter großes Grundstück an der Industriestraße, um genug Platz für seine Moschee nebst Gemeindezentrum zu haben.

Unterschrift schon am 10. April

Monatelang haben Bernd Neugebauer, Geschäftsführer der Sennestadt GmbH, die Stadt und auch der Kulturverein an dem Deal gearbeitet. »Jetzt ist die Tinte trocken«, verkündete Neugebauer am Freitag. Unterschrieben wurden die insgesamt drei Notarverträge am 10. April. An die Öffentlichkeit sei man erst jetzt gegangen, weil die Ditib, der Kölner Dachverband der türkischen Gemeinde, erst noch hatte zustimmen müssen. Die öffentlichen Flächen gehen zum 1. November in das Eigentum der Stadt. Die Flächen des Bauhofes wechseln in drei Etappen am 1. November, 1. Dezember und 1. Januar 2020 den Besitzer, weil die Flüchtlings-Wohncontainer noch zurückgebaut werden müssen.

So könnte die Moschee aussehen. Für eine Bauvoranfrage gab es grünes Licht; die Bauanträge müssen noch gestellt werden.

Murat Zeytinoglu, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, will nun zügig den Bau der Moschee vorantreiben und hofft auf einen Baubeginn 2020. Bauanträge müssten aber noch gestellt werden, sagt er. Geplant sind eine Moschee mit Kuppel und zwei etwa 23 Meter hohe Minarette. Eine Bauvoranfrage sei bereits positiv beschieden worden. Insbesondere die Jugendarbeit will der 150 Mitglieder zählende Verein fördern. »Wir können jetzt unsere Feste feiern und auch mal ein Fußballturnier veranstalten«, meint Zeytinoglu. Das wäre alles in der Alten Post nicht möglich gewesen. Die Verkehrssituation am Sennestadtring hätte schon die Besuche der Freitagsgebete erschwert, meint der 41-Jährige.

Der Verein hatte die Alte Post in Sennestadts bester Lage im Juli 2013 gekauft in der Hoffnung, dort eine Moschee einzurichten. Politik und Stadtverwaltung machten jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Neugebauer: »Wir haben den Königsweg gefunden«

Schon Jahre zuvor war der Verein auf der Suche nach einem Grundstück für eine Moschee, weil der aktuelle Standort an der Rheinallee mit 150 Quadratmetern viel zu klein ist. Ein Grundstück an der Lämershagener Straße, auf dem die Stadt für einen Moscheebau grünes Licht gab, verwarf der Verein, weil dort weder eine Wohnung für den Imam noch ein Geschäft hätte eingerichtet werden dürfen. Am neuen Standort an der Industriestraße 40 könnte der Vorbeter sofort einziehen, denn für die vorübergehende Unterbringung der Flüchtlinge wurden Gebäude auf dem Betriebshof saniert. Sie sollen stehen bleiben. »Und einen Laden wollen wir nicht mehr«, wie Zeytinoglu betont.

»Wir haben den Königsweg gefunden«, meint auch Geschäftsführer Bernd Neugebauer über den Grundstücks-Tauschdeal. Der Erwerb der Alten Post sei eine Chance, das Zentrum Sennestadts mitzugestalten und auch die Wegeverbindung zwischen Zentrum und Schillinggelände zu beleben, wie es auch im Stadtentwicklungskonzept (Insek) festgelegt ist. Allerdings ist die Deutsche Post noch bis 2021 Mieter in dem Gebäude aus dem Jahr 1963. Ein Abriss ist wahrscheinlich. Der Zustand der Alten Post ist laut Neugebauer marode, die oberen Etagen sind nicht bewohnbar.

Es bleibt die Frage, wie die Stadt Bielefeld von dem Deal profitiert. Sie hat das insgesamt 10.400 Quadratmeter große Gelände des ehemaligen Betriebshofes – das Altlastrisiko bleibt bei der Stadt – gegen 42.000 Quadratmeter öffentliche Flächen eingetauscht. Darunter fallen neben dem Reichowplatz auch der Sennestadtsee sowie Teile des Sennestadtrings und das Waldstück mit den Mordsteinen. Die Flächen der Sennestadt GmbH seien seit Jahren von der Allgemeinheit genutzt und in den Bebauungsplänen als öffentliche Flächen festgesetzt worden, sagt Neugebauer. Es habe ein Übernahmeanspruch gegenüber der Stadt bestanden, aber bislang hätten die Flächen aus wirtschaftlichen Gründen nicht übernommen werden können. Jetzt wurde eben getauscht.

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