Fr., 17.05.2019

Schnellzuglok 031010 zieht Rheingold-Sonderzug nach Koblenz Die Vier vom Dampf-Dino

Immer unter Dampf (von links): Christian Herz, Matthias Gerhardt, Sven Krüger und Jörg Lode lieben jeden Quadratzentimeter auf dem Fahrstand der historischen Lok.

Immer unter Dampf (von links): Christian Herz, Matthias Gerhardt, Sven Krüger und Jörg Lode lieben jeden Quadratzentimeter auf dem Fahrstand der historischen Lok. Foto: Michael Diekmann

Von Michael Diekmann

Bielefeld (WB). Die Duftmischung aus Kohlenstaub und warmem Öl ist für Dampflokfans wie eine Droge. Dazu diese Geräusche, dieses Knistern und Zischen im Stand. »Ein wenig verrückt sind wir ja alle«, gesteht Matthias Gerhardt (50), die Armaturen immer im Blick.

Die Szenerie bei den Eisenbahnfreunden am Ringlokschuppen hat längst Seltenheitswert. Bevor an diesem Samstag ab 9.30 Uhr der Rheingold fast voll besetzt nach Koblenz dampft, gilt es Vorbereitungen zu treffen. Die Schnellzug-Lok der Baureihe 03 ist eine Seltenheit. Der 163-Tonnen-Koloss mit den drei zwei Meter hohen Treibachsen zieht Bahnfans in ihren Bann. Mit der Kamera oder den Augen wandernd registrieren sie jede Kleinigkeit des Dampf-Dinos, der frisch geputzt und geölt im Glanz strahlt.

Matthias Gerhardt und die drei Kollegen Christian Herz, Jörg Lode und Sven Krüger kommen aus Halle/Saale. Im Alltag fahren sie Fracht oder Personenzüge. Ihre Freizeit gehört der Faszination Dampflok. Zu 70 Prozent sei man Schlosser, zu 30 Prozent Fahrer, sagt Gerhardt über den Alltag auf so einem Eisenbahnjuwel. Bis zu 15 Touren macht die Haller Traditionsgemeinschaft mit der Lok aus dem Besitz des DB-Museums.

»Die Haller Freunde haben unsere Fahrt gerettet«, bedankt sich Marco Riffelmann, Chef der Bielefelder Eisenbahnfreunde. Weil die 01150 mit Bielefeld-Bezug wegen defekter Radreifen nicht einsetzbar ist, steuerten die Hallenser atemberaubenden Ersatz bei. Die 03-Reihe ist mit 140 Km/h richtig schnell, genehmigt sich aber auch 13 Tonnen feinste Kohle auf 300 Kilometer. Und 34 Kubikmeter Wasser für ordentlich Dampf. Auf dem Fahrstand wird aber Wehmut spürbar. Ende Juni, erzählt Gerhardt, endet die Frist des Dinos, so eine Art Tüv für zehn Jahre. Und etwas teurer: fast 850.000 Euro sind für die »Frist« bei den Profis im Bahnwerk Meiningen fällig. In einem sind sich alle Fans allerdings einig: So ein Dino gehört nicht ins Museum. Für die Emotion muss er rollen.

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