Di., 21.05.2019

Bauherren sollten sich absichern Fliegerbomben: Vom Verdacht bis zur Entschärfung

Fachleute von der Berufsfeuerwehr: von links Heiko Weber, Jesko Löhr und Rainer Sander.

Fachleute von der Berufsfeuerwehr: von links Heiko Weber, Jesko Löhr und Rainer Sander. Foto: Sabine Schulze

Bielefeld (WB/sas). In fast fünf Metern Tiefe hat Bombenentschärfer Gerd Matthee am 27. März im Kamphofviertel gekauert, um eine amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich zu machen. Aluminiumringe verhinderten, dass Erde in das Loch nach rutschte. Im Umkreis von einigen hundert Metern war das Gebiet evakuiert. Nach 35 Minuten war die Gefahr gebannt: Beide Zünder waren aus der 250-Kilo-Bombe herausgedreht.

Jesko Löhr, Abteilung Bevölkerungsschutz der Berufsfeuerwehr, erklärt, wie es zu dem Bombenfund kam. »Wenn wir eine Anfrage eines Bauherrn haben, überprüfen wir zuerst, ob es Informationen zu dem Grundstück gibt«, erklärt er. Gegebenenfalls wird bei der zuständigen Bezirksregierung in Arnsberg eine Luftbildauswertung beantragt. Dort liegen die mehr als 74 Jahre alten Fotos der Alliierten, die vor, während und nach Bombardements gemacht wurden. Diese Luftbilder geben Hinweise auf eine »Kampfmittelbelastung«.

Keine Kosten für Grundstückseigentümer

Wenn die Fotos nichts erkennen lassen, bekommt der Bauherr grünes Licht. Allerdings, sagt Löhr, sollte man vorsichtig bleiben, wenn sich zum Beispiel beim Aushub auffällige Erdverfärbungen zeigen. »Dann bitte nicht selber weitermachen, sondern die Feuerwehr anrufen. Wir entscheiden dann vor Ort.«

Deuten bereits die Luftbilder auf Auffälligkeiten hin, ergeht die Auflage einer Sondierung, die bis dreieinhalb Metern Tiefe reicht. Fachleute nehmen diese Sondierung im Auftrag des staatlichen Kampfmittelbeseitigungsdienstes in Arnsberg vor: mit einem Handsuchgerät oder, bei größeren Flächen, mit einem Fahrzeug. »Ausdrücklich: Das kostet den Grundstückseigentümer nichts. Er muss nur das Grundstück vorbereiten, also etwa Baucontainer beiseite rücken, gelagerte Materialien oder auch Büsche entfernen.«

Gibt es einen »Verdachtspunkt« – den kann schon ein Luftbild liefern, wenn sich inmitten von Bombenkratern plötzlich ein kleines dunkles Loch mit ein wenig Auswurf daneben findet – wird genauer sondiert: »In Bielefeld werden dann in einem fest gelegten Raster 37 Bohrungen in einem Radius von sechs Metern um diesen Verdachtspunkt vorgenommen«, erklärt Rainer Sander. Sieben Meter tief werden Plastikrohre in das Erdreich geschoben, in denen dann eine Sonde versenkt wird, um das Erdreich zu durchleuchten. »Dabei stößt man dann auch schon einmal auf einen Findling, der in unserer Region Metallanteile enthält.«

Erdreich wird vorsichtig und »energiearm« abgetragen

Erweist sich die Auffälligkeit hingegen als Bombe, wird das Erdreich darüber von einem Spezialunternehmen und einem erfahrenen Baggerfahrer vorsichtig und »energiearm« abgetragen. Die letzten anderthalb Meter über der Bombe ist dann allerdings behutsame Handarbeit gefragt.

»Wenn das Kampfmittel freigelegt ist, muss in bebautem und bewohntem Gebiet unverzüglich evakuiert und entschärft werden«, erklärt Löhr. »Unverzüglich« heißt in aller Regel am selben oder spätestens am nächsten Tag, ganz selten auch erst nach zwei Tagen, stets in Absprache mit der Polizei. »Viel Vorlauf verlangt etwa die Evakuierung eines Krankenhauses, wenn etwa Intensivpatienten untergebracht werden müssen.«

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