Mi., 22.05.2019

Tief »Axel« lässt es krachen 13.337 Blitze im Großraum Ostwestfalen

Tief «Axel» hat am Dienstagmorgen auch in Nordrhein-Westfalen gewütet.

Tief «Axel» hat am Dienstagmorgen auch in Nordrhein-Westfalen gewütet. Foto: dpa

Von Christian Althoff

Detmold/Bielefeld (WB). Beim Unwetter in der Nacht zum Dienstag hat der Siemens-Blitzinformationsdienst über Ostwestfalen-Lippe und den angrenzenden Regionen bis Mitternacht 13.337 Blitze registriert.

»Diese Zahl bezieht sich auf das Gebiet im 100-Kilometer-Umkreis um Lippe«, sagt Elektrotechniker Matthias Beiler von der Siemens AG in Karlsruhe. Im Durchschnitt registriere Siemens pro Jahr etwa eine Million Blitze über Deutschland, also durchschnittlich 2739 pro Tag. Die Zahlen umfassen Blitze zwischen Wolken und solche, die am Boden einschlagen (Erdblitze). »Diesmal schlug kein besonders starker Blitz in Ostwestfalen-Lippe ein«, sagte Beiler. »Den stärkstem haben wir mit 12.200 Ampere gemessen, das ist normal. Am selben Tag schlug aber in Horb am Neckar ein Blitz mit 224.500 Ampere ein. Das war ein Kracher! Der hat am Boden eine Betonplatte zertrümmert!« Bundesweit wurden am Montag 270.000 Blitze registriert – ein Viertel eines Jahresdurchschnitts.

Wie misst Siemens das?

Ein Blitz sendet eine elektromagnetische Welle aus, die sich mehrere hundert Kilometer ausbreitet. Siemens nutzt seit Anfang der 90er Jahre ein europaweites Netz von nahezu 160 Antennen. Weil die Antennen die Welle je nach Abstand zu unterschiedlichen Zeiten empfangen, kann der Ursprung der Welle, also der Ort eines Blitzeinschlags, auf 200 Meter genau berechnet werden. Und auch die Stärke eines Blitzes lässt sich errechnen.

Wozu ist das gut?

Der Blitzinformationsdienst von Siemens (kurz BLIDS) in Karlsruhe verkauft die Informationen Sekunden später zum Beispiel an Veranstalter von Freilichtevents, Wassersportler und Energieversorger. Letztere können damit zum Beispiel klären, ob ein Blitz zum Kurzschluss in einer Überlandleitung geführt hat oder ob es eine andere Ursache gab. Versicherungen nutzten BLIDS, um Ansprüche nach angeblichen Blitzeinschlägen zu überprüfen.

So war es in Ostwestfalen

Die Zahl der Blitzeinschläge (Erdblitze) variiert von Jahr zu Jahr erheblich. Das zeigt ein Blick in den jährlich erscheinenden Siemens-Blitzatlas. Ostwestfalen-Lippe war 2015 bundesweit einer der Blitzschwerpunkte Deutschlands. Damals schlugen in Ostwestfalen-Lippe die meisten Blitze pro Quadratkilometer in Bielefeld ein, nämlich 3,29. Im Jahr 2017 (das sind die aktuellsten verfügbaren Jahreswerte) hingegen krachte es in Ostwestfalen-Lippe erheblich seltener. Die höchste Blitzdichte wurde im Kreis Höxter registriert (2197 Erdblitze/1,83 pro Quadratkilometer) gefolgt von den Kreisen Lippe (1870/1,5), Paderborn (1823/1,46), Minden-Lübbecke (1108/0,96) der Stadt Bielefeld (236/0,91) und den Kreisen Gütersloh (860/0,89) und Herford (270/0,6).

BLIDS für jedermann

Unter www.blids.de stellt Siemens gratis Karten zur Verfügung, die Blitze der letzten zwei Stunden zeigen. Blitze findet man auch auf www.kachelmannwetter.com.

Und wie entsteht ein Blitz?

Meistens so: Wenn an schwülen Tagen warme, feuchte Luft aufsteigt und dabei abkühlt, bilden sich Wassertropfen und Eiskristalle. Im oberen Teil der Gewitterwolke sammeln sich positiv geladene Eiskristalle, an der Wolkenunterseite negativ geladene Wassertropfen. Überschreitet die daraus entstehende Spannung eine bestimmte Schwelle, kommt es zu einem gewaltigen Kurzschluss. Der Blitz entlädt sich in der Wolke oder zwischen Wolke und Boden.

Hunderte Einsätze

Das Tief »Axel« hat in Ostwestfalen-Lippe hunderte Einsätze von Helfern nötig gemacht. An manchen Orten fielen bis zu 90 Liter Regen pro Quadratmeter und Tag. In Lemgo überflutete die Bega Straßen. Feuerwehrmänner brachten dort eine Schafherde in Sicherheit. Auf den Autobahnen 33 und 44 gab es im Starkregen Unfälle. In Bielefeld wurde eine Straße wegen Schlammmassen gesperrt, Keller liefen voll. Auch in Delbrück drang Wasser in Keller ein, Gullideckel wurden hochgedrückt, Verkaufsräume unter Wasser gesetzt, Straßen überflutet. Einen größeren Einsatz gab es in Steinheim an einem Reitstall. Etwa 30 Pferde standen dort 40 Zentimeter tief im Wasser und wurden aus ihren Boxen geholt. In Schloß Holte-Stukenbrock wurden 34 Keller leergepumpt. In einem Krankenhaus in Helmstedt (Niedersachsen) wurden die Intensivstation und der Kreißsaal geräumt, weil das Dach über dem Kreißsaal unter Wassermassen einbrach.

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