Mi., 22.05.2019

Ein Student und der Hausmeister bewahren hunderte von Amphibien vor sicherem Tod Sie retten die Molche aus der FH-Garage

Großes Herz für kleine Tiere: Student Patrick Obermark (24, rechts) und Hausmeister Knut-Jens Norden-Blavius (53) auf einem Gitterrost an der FH.

Großes Herz für kleine Tiere: Student Patrick Obermark (24, rechts) und Hausmeister Knut-Jens Norden-Blavius (53) auf einem Gitterrost an der FH. Foto: Markus Poch

Von Markus Poch

Bielefeld (WB). Mehr als 8000 Studenten sowie 560 Lehr- und Verwaltungskräfte ahnen nicht, was sich im Parkhaus unter der Fachhochschule (FH) Bielefeld abspielt: Es ist ein täglicher Todeskampf, den Unmengen von Amphibien bereits verloren haben und gut 800 weitere verloren hätten, wäre nicht dem Studenten Patrick Obermark das Drama aufgefallen. Er schlug Alarm.

Das Problem besteht seit der Eröffnung der FH 2015: Das Gebäude wurde auf der grünen Wiese errichtet und zerschneidet die Wanderwege der Amphibien. Wenn Molche, Frösche und Kröten zu ihren Laichgewässern aufbrechen, steht es schlicht im Weg.

Durch ebenerdige Gitterroste, die die insgesamt zwölf Belüftungsschächte des Parkhauses nach oben grobmaschig abriegeln, rauschen hilflose Tiere zu hunderten in die Tiefe. Dazu gehören ungezählte Würmer, Insekten und sogar Kleinsäuger. Sollten sie den Sturz über drei oder sechs Meter (bis ins tiefere Parkdeck) überlebt haben, droht unten der Tod durch Vertrocknen oder, falls noch Regenwasser im Schacht steht, durch Ertrinken/Verhungern.

»Die Schächte sind Todesfallen«

Es war im Juni 2017, als Patrick Obermark, Student des Wirtschaftsingenieurwesens, nachdem er seinen Wagen in der Tiefgarage geparkt hatte, erstmals in einen der Lüftungsschächte blickte. Dabei erkannte er nicht nur abgemagerte Molche, sondern auch die Notlage an sich. »Mir war schnell klar, dass die Schächte Todesfallen sind«, sagt der naturinteressierte 24-Jährige. »Entweder kommen die Tiere gar nicht mehr raus, oder sie landen in der Tiefgarage und vertrocknen dort.«

Neben dem Gebäudemanagement informierte er die Bio-Station in Senne. Wenig später erfuhren das Umweltamt und der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW als Betreiber des Gebäudes von der Sache. Es kam sogar zu einem Ortstermin. Alle Teilnehmer erkannten, dass, um eine Dauerlösung zu erhalten, an den Gitterrosten eine bauliche Veränderung passieren muss, damit keine Tiere mehr in die Schächte fallen können. Doch bis heute hat sich an der für Tiere fatalen Ausgangslage nichts geändert.

Zwei Männer mit einem Herz für Tiere

Aber: Zwei Männer, die an der FH tätig sind, zeigen, dass sie ein Herz für Tiere haben. Zum einen fischte Patrick Obermark seit Juni 2017 mehr als 500 Teich- und Bergmolche ab und brachte sie zu einem sicheren Teich in Dornberg. Zum anderen patrouilliert FH-Hausmeister Knut-Jens Norden-Blavius seit März 2018 und bis auf weiteres 14-tägig an den neuralgischen Schächten, um alles zu retten, was ihm in den Kescher kommt. Das waren bislang mehr als 230 große und kleine Molche, die im Herforder Naturschutzgebiet Jammertal eine neue Heimat fanden. Der Kescher ist ein Dienstgerät, mit dem Norden-Blavius im Auftrag des FH-Gebäudemanagements agiert, denn auch dort sitzen Tierfreude.

Im Sommer 2018 bekam der Bielefelder Verleger und Amphibienexperte Dr. Burkhard Thiesmeier von dem Thema Wind. Er stellte fest, dass die Molche sich im Todeskampf in der stinkenden Brühe sogar noch vermehrt, die Jungtiere aber natürlich noch weniger Überlebenschancen haben. Thiesmeier widmete dem Thema einen Artikel in seinem Feldherpethologischen Magazin, das Phänomene aus der Welt der Amphibien und Reptilien behandelt.

Warten auf den Eigentümer

Seit Monaten warten nun alle Beteiligten darauf, dass sich der Gebäude-Eigentümer im Sinne der Tiere endlich rührt. Auf Anfrage dieser Zeitung schrieb Betriebssprecher Carsten Pilz: »Der BLB erarbeitet eine bauliche Lösung. Da diese Lösung aber nicht nur den Verhaltensweisen der Molche entsprechen muss, sondern auch die uneingeschränkte Entlüftung der Tiefgarage und die freie Zugänglichkeit der Fluchtwege (Stolperfallen) berücksichtigen muss, befindet sich der BLB in Abstimmung mit Planern und Umweltamt.« Sobald eine Klärung vorliege, werde die bauliche Lösung umgesetzt.

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