Mi., 22.05.2019

Angriff auf Ehefrau: Irakischer Asylbewerber muss für 4 Jahre und neun Monate in Haft Überraschendes Urteil im Hammer-Prozess

Das Bielefelder landgericht.

Das Bielefelder landgericht. Foto: Rajkumar Mukherjee

Von Jens Heinze

Bielefeld  (WB). Der Prozess um die fast tödliche Hammerattacke eines irakischen Asylbewerbers (63) auf seine Frau (38) ist mit einem überraschenden Urteil zu Ende gegangen.

Der 14-fache Familienvater aus Bielefeld wurde nicht, wie angeklagt, wegen versuchten Totschlags, sondern wegen gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Außerdem muss der Mann dem Opfer 12.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, befand das Schwurgericht.

Der Angeklagte sei bei der Tat in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 2018 in der Familienwohnung über dem Sexshop an der Ecke Herforder-/Walther-Rathenau-Straße von der Tötungsabsicht zurückgetreten, sagte Vorsitzender Richter Dr. Georg Zimmermann. Der 63-Jährige habe nach zwei Schlägen auf den Hinterkopf seiner Frau mit einem schweren Maurerhammer (Fäustel) über den Rettungsnotruf 112 Hilfe für die lebensgefährlich Verletzte angefordert. »Dieser Anruf war es, der seiner Frau letztlich das Leben rettete«, stellte der Richter fest.

Spätes Geständnis

Dass das Strafmaß nicht wesentlich höher ausfiel, liegt am späten Geständnis des Angeklagten am letzten von fünf Prozesstagen. Zuvor hatten sich Gericht, Staatsanwaltschaft, Opferanwalt und Verteidiger darauf verständigt, dass dem Iraker im Fall eines Geständnisses eine Strafe von maximal fünf Jahren drohe.

Das Motiv für die Tat war ein handgreiflicher Streit des Paares wegen des übermäßigen Alkoholkonsums des Mannes. In der »mit Selbstmitleid durchzogenen Einlassung« (Vorsitzender Richter Zimmermann) fand der Asylbewerber kaum Worte der Reue, sondern bedauerte den vermeintlichen Ehrverlust in seiner jesidischen Glaubensgemeinschaft. Dies sei ein klarer Ausdruck der von einem psychiatrischen Gutachter festgestellten dissozialen, narzisstischen Persönlichkeitsstörung des Angeklagten, befanden Staatsanwalt und Gericht.

Die 38-Jährige, mit der der Iraker in zweiter Ehe fünf Kinder im Alter von zwei, fünf, sieben, zehn und elf Jahren hat, leidet bis heute darunter, dass ihr der Schädel zertrümmert wurde. Die Frau lebt nach mehreren Operationen und einer Reha in einem Altenheim in Baumheide. Ihre Kinder, die in Pflegefamilien betreut werden, kann sie nur stundenweise sehen.

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