Sa., 25.05.2019

Landesamt legt Ergebnis der DNA-Analyse vor Zerfleischtes Kalb in Senne: Es war kein Wolf

In dieser Herde mit British-Longhorn-Rindern wurde Anfang April das tote Kalb gefunden.

In dieser Herde mit British-Longhorn-Rindern wurde Anfang April das tote Kalb gefunden.

Von Peter Bollig

Bielefeld-Senne (WB). Das Anfang April auf einer Weide in Senne tot aufgefundene Kalb ist nicht von einem Wolf gerissen worden. Das Ergebnis einer Laboruntersuchung schließt das Raubtier als Verursacher aus.

Damit gibt es bis heute weiterhin keinen Nachweis für die Rückkehr des Wolfs auf Bielefelder Stadtgebiet, seitdem die Tiere hierzulande ausgerottet wurden.

Rinderzüchter Andreas Krumme aus Senne war sich sicher: Sein auf einer Wiese der Rieselfelder Windel an der Niederheide gefundenes, gerade erst geborenes Kalb der Rasse British Longhorn sei von einem Wolf gerissen worden. Das Jungtier war in zwei Teile zerrissen, die Wirbelsäule durchtrennt worden. Krumme, selbst Jäger mit einer Pacht in Mecklenburg-Vorpommern und erfahren mit Wölfen, war überzeugt, dass nur ein Wolf so etwas schafft.

Kalb kam möglicherweise schon tot zur Welt

Dazu kursierten allerdings auch Spekulationen, dass ein Hund über den Zaun gesprungen und das Kalb gerissen haben könnte. Das Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) NRW veröffentlichte am Freitag die Ergebnisse einer DNA-Untersuchung und spricht von einer »Falschmeldung«. Demnach war es weder ein Wolf noch ein Hund, der am Kalb gefressen hat, wie der Wolfsberater der Bezirksregierung Detmold Michael Schulte im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT erläutert.

Schulte war zu dem toten Kalb gerufen worden, hatte an den Fraßstellen Proben gesichert, die jetzt das Senckenberg-Institut in Gelnhausen ausgewertet hat. Woran das Kalb verendet ist, ist laut Lanuv unklar. Schulte spricht davon, dass es möglicherweise schon tot zur Welt kam. Der Kadaver soll erst nach dem Tod des Kalbs angefressen worden sein. Welche Tiere dafür verantwortlich sind, lasse sich nicht mehr feststellen. Michael Schulte geht davon aus, dass auch ein Fuchs oder ein Wildschwein in der Lage ist, ein Kalb so zu zerlegen.

Hätte tatsächlich ein Wolf das junge Rind gerissen, wäre es der erste Vorfall dieser Art in Bielefeld seit der Rückkehr des Wolfes in Deutschland gewesen. In diesem Fall, sagt Lanuv-Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia, hätte der Eigentümer vom Land eine Entschädigung erhalten. Am Status Bielefelds im Zuge des landesweiten Wolfsmanagements hätte das nichts geändert. Das Stadtgebiet östlich der A2 gehört bereits zum so genannten Wolfsgebiet Senne mit dem Truppenübungsplatz als Kernbereich, wo über einen längeren Zeitraum eine Wölfin beobachtet wurde. Der Bereich westlich der Autobahn ist eine Pufferzone: Herdenhalter bekommen dort finanzielle Unterstützung für präventive Maßnahmen.

Zäune werden ersetzt, Stromspannung erhöht

Auf solche Maßnahmen setzt beispielsweise die Forstverwaltung der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, die in Senne eine Schäferei mit 600 Muttertieren und etlichen Lämmern betreibt. Deren Leiter Jörg Ermshausen sagt, die Bethel-Schäferei werde demnächst die bisherigen, 0,9 Meter hohen durch 1,20 Meter hohe Zäune ersetzen und die Stromspannung darauf erhöhen, um so den »Ersterfolg« eines Wolfes auf Beutezug zu verhindern.

In Bethel sei man »entspannt«, was den Wolf angeht, sagt Ermshausen, der gleichwohl damit rechnet, dass es irgendwann zu einer Begegnung auf Stadtgebiet kommen werde. Ebenso wie Michael Schulte geht er davon aus, dass allenfalls durchziehende Raubtiere gesichtet würden. Schulte glaubt, dass selbst im Teutoburger Wald zu viele Menschen unterwegs seien, als dass sich der Wolf dort wohlfühlen und ansiedeln würde.

Größere Probleme hat die Bethel-Schäferei mit ihren beiden Herden in der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen, wo der Wolf regelmäßig nachgewiesen wird. Wie Jörg Ermshausen berichtet, wurden dort bereits 30 Bethel-Tiere gerissen. Es kämen dort Herden-Schutzhunde zum Einsatz – eine Maßnahme, die in Bielefeld nicht geeignet sei, weil sich auf Stadtgebiet viele Menschen der Herde näherten.

Laut Ermshausen fürchten die Schäfer nicht nur den Verlust von Schafen oder Rindern. Ein größeres Problem sei es, wenn ein Wolf in die Herde gehe, die Tiere auseinandergesprengt würden und etwa in den Straßenverkehr gerieten. In Niedersachsen komme durch den höheren Schutzaufwand mit speziellen Hunden ein finanzieller Aspekt hinzu: Der Mehraufwand werde nicht in voller Höhe ersetzt, gleichzeitig seien die Schafe – wie in Bielefeld – im Auftrag von Behörden im Landschaftsschutz unterwegs. Das müsse sich weiterhin wirtschaftlich rechnen.

Kommentare

Volksverdummung

Es konnte nicht festgestellt werden, welches Tier das Kalb in zwei Hälften gerissen hat. Aber Wölfe waren es nicht? Wie kann dss dann bitte ausgeschlossen werden? Entweder hab ich DNA oder nicht. Wildschweine, Füchse und Hunde haben schließlich auch DNA.
Obwohl es bei so einem Fall schon lächerlich ist, wenn keine DNA gefunden wird.

Hajo, der Experte

Die Artenvielfalt wird wegen den Wölfen zurück gehen. Der schwedische Naturschutz befürchtet einen Rückgang von 300000 Arten durch die Ansiedlung von Wölfen.

Fachmann

Aha.

Der Fachmann - selbst Jäger (und damit qualifiziert, wie das "neue", alte Jagdgesetz NW und der Bundestags jüngst festlegt) - war sich "sicher", dass das nur ein Wolf gewesen sein könne.
Ich finde es ja "richtig gut!", dass diese neutralen, per Tötungsmotivation agierenden Fachleute, die mehr Wildtiere pro Jahr als alle bisher gesichteten Wölfe in Deutschland erlegen, als Erste nun sogar den Todesgrund einer Totgeburt festzustellen in der Lage sind.
Wir sehen - falls wir bereit sich zu schauen - dass neben den Vogelschredderungsanlagen (Windturbinen), nun auch die allseits aktiven Tier- und Wildschützer (man denke an das Anfüttern - nee: "Helfen" - des "Wildes" im Winter, sich um den Erhalt der heimischen Fleischlieferanten aktiv kümmern und objektiv bereit sich, alles "unter Kontrolle" zu halten, was deren Erkenntnissen womöglich widersprechen könnte.

Ich bin überzeugt:
Der Artenrückgang wird noch ein wenig schneller werden...

3 Kommentare

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