Do., 30.05.2019

Sandra und Stefan Wadehn vertreiben Mitbringsel, die man zum Fressen gern hat Ein Stück Heimat zum Vernaschen

Zum Fressen gern hat Nadine Artelt die Sparrenburg. Das Unternehmen Think sweet aus Brackwede hat sich darauf spezialisiert, Wahrzeichen von Städten und Sehenswürdigkeiten als Naschwerk auf den Markt zu bringen.

Zum Fressen gern hat Nadine Artelt die Sparrenburg. Das Unternehmen Think sweet aus Brackwede hat sich darauf spezialisiert, Wahrzeichen von Städten und Sehenswürdigkeiten als Naschwerk auf den Markt zu bringen. Foto: Bernhard Pierel

Von Kerstin Sewöster

Bielefeld-Brackwede (WB). Was haben die Bielefelder Sparrenburg, das Brandenburger Tor und der Kölner Dom gemeinsam? Sie sind kunterbunt und schmecken schön fruchtig. Aus Brackwede kommt die Idee, dass man Sehenswürdigkeiten zum Fressen gern haben kann.

Think sweet – denke süß – heißt das Unternehmen, das San­dra und Stefan Wadehn nun schon seit zehn Jahren mit wachsendem Erfolg führen: mit Motiv-Fruchtgummi, mittlerweile auch Lakritz und Schokodrops. Das Besondere ist das Lokalkolorit. In Berlin gibt es Kleene Havelfische, in Hamburg neben dem Fruchtgummi-Wappen auch Bullaugen und Anker-Bonbons, im Ruhrgebiet Schacht-Klumpen und Weingummi-Zechen.

Kennengelernt haben sich die beiden bei einem Gütersloher Möbelhersteller. Sie arbeitete als Controllerin, er als Betriebswirt mit einer Leidenschaft für Design und Gestaltung. Die eigene Naschsucht und der Wunsch, etwas Gemeinsames aufzubauen, ohne auf Familienzeit zu verzichten, war der Antrieb für die Gründung von Think sweet. »Wir sind ein Familienbetrieb«, betont Sandra Wadehn. Ihre Kinder, heute 18, 9 und 7 Jahre alt, waren oft auf Messen dabei und saßen im Auto, wenn Stefan Wadehn in Sachen Vertrieb unterwegs war.

»Unternehmen ostwestfälisch aufgebaut«

»Wir haben unser Unternehmen ostwestfälisch aufgebaut und uns Zeit für Gestaltung genommen«, betont der 51-Jährige. Ohne Improvisation ging das allerdings nicht. Vor nicht allzu langer Zeit wurde noch am Küchentisch geplant, jetzt gibt es ein richtiges Büro unterm Dach des Einfamilienhauses. Am Anfang gab es die Bielefelder Sparrenburg und den Doppelbock, Wahrzeichen der Zeche Zollverein. Bald kamen Fruchtgummi-Engel dazu, die zeitlos und ortsungebunden ihre Fans finden. Sie sind und waren eine Herzensangelegenheit von Sandra Wadehn. Und seit der ersten Stunde gehen zehn Prozent des Engel-Erlöses an das Kinderhospiz in Bethel.

Fruchtgummi aus der Brackweder Ideenschmiede gibt es mittlerweile in ganz Deutschland. Sandra und Stefan Wadehn sind mit ihren naschbaren Sehenswürdigkeiten seit zehn Jahren auf dem Markt. Foto: Kerstin Sewöster

Hergestellt wird das Fruchtgummi in Deutschland, bei einem Produzenten, der auch geringere Mengen produziert. »Bei Katjes und Haribo wären wir gar nicht erst auf den Hof gekommen«, meint Sandra Wadehn mit einem Lachen. Sie bezeichnet ihren Hersteller als »goldenes Ei«, denn immer wieder werde von den Kunden die Qualität gelobt.

Sehr genau nehmen es die Wadehns nicht nur mit der Qualität, sondern auch beim Design. Dafür arbeiten sie mit einem Formenbauer zusammen, der auch winzige Details einarbeiten muss. »Bei der Sparrenburg war uns zum Beispiel wichtig, dass man die Sparren auf der Fahne und die Struktur der Mauer deutlich erkennt«, meint Stefan Wadehn. Bei der Kommissionierung arbeitete das Ehepaar von Beginn an mit der Lebenshilfe Detmold zusammen.

Mittlerweile bietet Think sweet etwa 50 Produkte an, und längst ist nicht mehr nur Süßes dabei. Ganz neu: eine würzige Bielefelder Sparrenpost. Das rot-weiße Glas enthält nicht nur eine Kräutermischung, sondern auch noch eine Mitteilung, wie eine richtige Flaschenpost. In Bremen heißt sie Weser-Buddel. »Wir bekommen auch viele positive Rückmeldungen von unseren Kunden, die dann auch schon mal sagen ›warum macht ihr nicht mal. . .‹«, sagt Sandra Wadehn. Ein nächstes Projekt könne ein Verzehr-Souvenir aus Schokolade sein, meint Stefan Wadehn.

Durchbruch in Berlin

Mittlerweile werden in ganz Deutschland Produkte von Think sweet vertrieben. Einen Durchbruch schafft das Ehepaar in diesem Sommer in Berlin. Dort gibt es das Brandenburger Tor, den Berliner Bären und Lakritzfische künftig auch in den Museumsshops.

Zu haben sind die kleinen süßen Mitbringsel in vielen Teilen Deutschlands – in Klosterläden, im Kölner Dom, in Geschäften einer Hamburger Lebensmittelkette, in Buchhandlungen und zum Beispiel in Hotels. In der Bielefelder Tourist-Information hat sich neben Tassen, Taschen und Schlüsselanhängern die Fruchtgummi-Sparrenburg fest etabliert.

Und die Ideen gehen dem Ehepaar nicht aus. »Wir können uns auch einen Leineweber aus Fruchtgummi vorstellen«, sagt Sandra Wadehn über ein mögliches nächstes Projekt. Auf die Frage, welches künftige Fruchtgummi-Produkt ihnen besonders am Herzen liegt, fällt Stefan Wadehn die Antwort ganz leicht: »Die Bremer Stadtmusikanten. Ich komme schließlich aus Bremen.« Da die Lizenz jedoch schon vergeben ist, haben die beiden aus der Not eine Tugend gemacht und die »Bremer Fischmusikanten« kreiert. Sandra Wadehn würde mit Think sweet gerne Fuß in München fassen. Ihr schwebt der bajuwarische Löwe als Motiv vor.

Es bleibt also noch genug in Deutschland zu tun für Think sweet. Die Sehenswürdigkeiten der europäischen Nachbarn haben die Wadehns nicht im Visier. »Unsere siebenjährige Tochter hätte allerdings am liebsten den Eifelturm aus Fruchtgummi«, lacht Sandra Wadehn.

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