Mi., 29.05.2019

Achtes philharmonisches Kammerkonzert Spielwitz hier – Melancholie dort

Trio Tastenwind

Trio Tastenwind

Von Uta Jostwerner

Bielefeld (WB). Lateinamerikanische Rhythmen, britische Komik und russische Seele – das alles und noch ein wenig mehr vereinte das achte philharmonische Kammerkonzert, wobei das Trio Tastenwind für frischen Drive sorgte.

Im Jahr 2016 trat das Trio in der ungewöhnlichen Besetzung Flöte (Katja Schulte-Bunert), Klarinette (Fabian Hauser) und Klavier (Elena Kaßmann) erstmals zusammen. Inzwischen sind die drei hörbar gut aufeinander eingespielt – ein Umstand, von dem das Publikum am Montagabend im kleinen Saal der Oetkerhalle profitierte. Denn der gemeinsame musikalische Atem und Zugriff der drei Interpreten sorgte zusammen mit einem gleichermaßen originellen wie modernen Repertoire für höchsten Hörgenuss.

Der 1957 geborene Miguel del Águila kann in seinen Kompositionen seine lateinamerikanischen Wurzeln nicht verleugnen. Seine »Seducción« hebt mit einem geradezu lasziv-wiegenden Tanz an und wechselt unvermittelt in einen absurd-wilden Ball, bei dem die einzelnen Instrumente lustvoll um die Wette eifern. Hier wie auch in den weiteren Werken des Abends zeigte sich bereits die artikulatorisch-differenzierte Finesse der Bläser und die federnd-pointierte Anschlagskultur der Pianistin – eine Elastizität allendhalben, die in vielfältiger Weise in den Dienst des musikalischen Ausdrucks gestellt wurden.

Etwa bei Ernest Blochs »Concertino«, einem Werk, bei dem spielerische Leichtigkeit und formale Strenge sich die Waage halten, wobei die Bläser in luftige Höhen aufstiegen, wohingegen das Klavier für Bodenständigkeit sorgte.

Malcom Arnolds »Grand Fantasia« ist dagegen eine humorvolle Arabeske, bei der ein Walzer, ein Tango und ein Blues wunderlich komisch verarbeitet werden, was von dem Trio mit musikantisch-komödiantischem Spielwitz vorgetragen wurden.

Höhepunkt des Abends: Die Uraufführung der von Fabian Hauser dem Trio auf den Leib geschriebenen »Fantasie« mit kecker Themenexposition, stürmisch-jazziger bis romantisch-lieblicher Verarbeitung und frech hüpfender Reprise – ein Werk aus einem Guss, traditionell gebaut und doch in der Wahl der Themen und Harmonien ganz frisch und modern. Für überschäumenden Applaus gab es vom Trio Tastenwind noch einen unwiderstehlich lasziv bis temperamentvoll präsentierten Libertango von Piazzolla obendrauf.

Vom Latin-Sound in die tiefen der russischen Seele: Im zweiten Teil empfahlen sich Adam Laslett (Klavier) und Hans-Jürgen Schicht (Violoncello) mit der Sonate für Cello und Klavier von Sergej Rachmaninow. Im Programmheft als G-Dur ausgegeben, wird es sich wohl um die g-Moll-Sonate gehandelt haben, die hier in intensiv-bewegter Klangrede (Cello) und auffahrender Klaviervirtuosität zu Gehör gebracht und vom Publikum stark applaudiert wurde.

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