Di., 04.06.2019

Chefredaktion erklärt in dem Text, was sie davon hält Blog-Eintrag verrät: Big-Brother-Award für »Zeit Online«

Das Symbol des Negativ-Preises »Big-Brother-Award«: die Datenkrake.

Das Symbol des Negativ-Preises »Big-Brother-Award«: die Datenkrake. Foto: dpa

Bielefeld/Hamburg (WB). Der Negativpreis »Big-Brother-Award« in der Kategorie Verbraucherschutz geht in diesem Jahr an »Zeit Online«. Das geht aus einem Blog-Eintrag der Chefredaktion hervor, der am Dienstagnachmittag veröffentlicht wurde.

Darin heißt es, dass der Bielefelder Verein Digitalcourage die Verlagsgruppe darüber informiert habe. Die Preisverleihung findet am Samstag, 8. Juni, ab 18 Uhr im Stadttheater Bielefeld statt. Eigentlich werden erst dann die Namen der Preisträger veröffentlicht. Mit dem Blogeintrag ist das Nachrichtenunternehmen dem allerdings zuvor gekommen.

In dem Blog-Eintrag nehmen die Autoren Bezug auf eine Kurzbegründung, die »Zeit Online« übermittelt worden sei. Darin heiße es, dass der Online-Auftritt der Wochenzeitung »Die Zeit« den Preis unter anderem deshalb bekomme, weil dort Werbetracker und Facebook-Pixel verwendet würden. Beides dient dazu, Daten zu sammeln und zum Beispiel Werbung individuell auf Nutzer anzupassen.

Schöpfer wollen Datenmissbrauch aufdecken

Zweitens werde in der Begründung kritisiert, dass beim Projekt »Deutschland spricht« Google-Dienste genutzt worden seien. »Damit werden politische Ansichten von Menschen auf Servern in den USA gespeichert«, zitiert der Blog die Kurzbegründung. »Deutschland spricht« ist nach Angaben von »Zeit Online« eine Plattform, die Menschen mit unterschiedlichen Meinungen für eine Diskussion zusammenbringt.

Drittens werde der Vorwurf erhoben, dass »Zeit Online« sich ein Nebenprojekt von »Deutschland spricht« von Google habe finanzieren lassen. »Dieser faustische Pakt mit einer der größten Datenkraken beschädigt die journalistische Unabhängigkeit«, zitiert der Blog die Begründung.

Die Schöpfer des Awards wollen mit dem Negativpreis Datenmissbrauch aufdecken . Nach Angaben des Vereins Digitalcourage gilt der Award als »Oscar für Datenkraken«. Die Preisträger werden in der Regel eine Woche vor der Verleihung darüber informiert, dass sie einen Preis erhalten.

Chefredaktion ordnet ein

In dem Blog-Beitrag ordnet die Chefredaktion ein, warum die Begründung aus ihrer Sicht teils korrekt oder falsch ist. »Zeit Online liefert – wie alle journalistischen Angebote mit hoher Reichweite – Werbung aus und damit auch eine Reihe von Werbetrackern«, heißt es zum Beispiel. Allerdings werde laut Eintrag transparent gemacht, um welche es sich handelt. Zudem könnte die Individualisierung auch abgeschaltet werden.

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