Mi., 12.06.2019

Gefahrenstoff an der Oldentruper Straße ausgetreten: 110 Feuerwehrleute vor Ort ABC-Einsatz bei Ebäcko beendet

Das Gelände von Ebäcko in Bielefeld

Das Gelände von Ebäcko in Bielefeld Foto: Christian Müller

Bielefeld (WB/hu). Großeinsatz der Feuerwehr auf dem Gelände des Bäckereigroßhandels Ebäcko an der Oldentruper Straße. Seit Mittwochvormittag waren dort 110 Feuerwehrleute im Einsatz, nachdem auf der Ladefläche eines Lkw hochgiftige Säuren ausgelaufen sind. Der Einsatz war am Mittwochabend gegen 19.30 Uhr beendet.

Der Fahrer des Lastwagens wurde leicht verletzt, Gefahr für die Anlieger oder die angrenzenden Wohnviertel bestand laut Feuerwehr nicht. »Wir schlagen hier eine Personal- und Materialschlacht« sagt Gordon Majewski von der Bielefelder Berufsfeuerwehr. Nach seinen Worten sind etwa 40 Liter einer Flüssigkeit ausgelaufen, die Flusssäure, Phosphorsäure und Salzsäure enthält und die damit extrem ätzend ist. Inzwischen sei es gelungen, die Flüssigkeit mit einem speziellen Bindemittel zu aufzufangen. »Wir haben die Lage im Griff«, so Majewski.

Da alle Feuerwehrleute jedoch nur mit Schutzanzügen ausgerüstet und unter schwerem Atemschutz an der Unglücksstelle arbeiten können, sei der Einsatz besonders anstrengend. Deshalb hat die Feuerwehr auch speziell für den Umgang mit Gefahrstoffen ausgebildete Einsatzkräfte aus vielen Löschabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr herangezogen.

Flüssigkeit nach ersten Erkenntnissen aus zwei Kanistern ausgelaufen

Alarmiert worden war die Feuerwehr am Vormittag gegen 10 Uhr. Zum diesem Zeitpunkt haben der Fahrer einer Spedition Teile seiner Ladung auf dem Gelände des Betriebs an der Oldentruper Straße ausladen wollen, erklärt Gordon Majewski. »Dabei hat er einen stechenden Geruch bemerkt und festgestellt, dass Flüssigkeit ausgelaufen ist.«

Die Ladung des Lkw habe aus Stückgut mit verschiedenen Paletten, Fässern und Kanistern bestanden. Ausgelaufen sei die Flüssigkeit nach ersten Erkenntnissen aus zwei 20-Liter-Kanistern, die nicht für die Firma Ebäcko bestimmt gewesen sind, so Majewski. Der Fahrer des Lkw wurde leicht verletzt, als er Dämpfe eigeatmet habe, und ist vorsorglich zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht worden.

Die giftige und ätzende Flüssigkeit ist dann von der Ladefläche des Lastwagens auf den Betriebshof gelaufen, so dass die Feuerwehr, die mit ihren ABC-Einsatzkräften ausrückte, die auf den Bekämpfung und Entsorgung von atomaren, biologischen und chemischen Stoffen spezialisiert sind, zunächst die Kanäle auf dem Gelände abgedichtete, damit die Säuren nicht in die Kanalisation gelangen konnte.

Arbeiten ziehen sich bis zum Abend hin

Das Betriebsgelände wurde geräumt und abgesperrt, alle Mitarbeiter überprüft, von ihnen wurde jedoch niemand verletzt. Anschließend dichtete die Feuerwehr die undichten Kanister ab und setzte Bindemittel ein, um die ätzende Flüssigkeit abzubinden.

Die Arbeiten seien sehr aufwändig, da die Feuerwehrleute unter Atemschutz und in den Schutzanzügen höchstens 20 Minuten lang im Einsatz sein können, erläutert Gordon Majewski. »Die Arbeit unter diesen Bedingungen ist sehr kräftezehrend, so dass sich die Einsatzkäfte ständig abwechseln müssen.« Außerdem müssen die Schutzanzüge immer wieder dekontaminiert werden.

Eingesetzt sind deshalb Feuerwehrleute aus allen Wachen der Berufswehr sowie zahlreicher Löschabteilungen. Auch Messfahrzeuge sind im Einsatz. Außerdem ist die Feuerwehr in Kontakt mit dem Versender der Flüssigkeit und dem Umweltamt der Stadt Bielefeld. Einsatzleiter vor Ort ist Thomas Brüggemeier, Gordon Majewski koordiniert den Einsatz von der Leitstelle der Hauptwache am Stadtholz aus.

Nach Majewskis Worten werden sich die Arbeiten noch bis zum Abend hinziehen.

 

Kommentare

"Wie in dem Artikel bereits erwähnt, die Ware war weder von uns noch war sie für uns bestimmt."

Sorry, das hatte ich überlesen.

@Mathias Anderer

Wie in dem Artikel bereits erwähnt, die Ware war weder von uns noch war sie für uns bestimmt. Es war ein externer Spediteur, der bei uns was anderes anliefern wollte. Wir sind durch einen dummen Zufall in die Sache involviert worden und versuchen bis in die späten Abendstunden, den Schaden zu minimieren.

Ganz einfach: Gar nichts.

Diese Spedition hat die Ware wohl für einen anderen Kunden geladen und da ein "Bäckereibedarf" nicht nur mit Mehl und Rosinen handelt, werden auch Maschinen etc. gelagert und verkauft, welche dann durch Speditionen angeliefert werden.

Die Frage ist eher, warum diese nun auslaufen konnte bzw. warum diese Säure nicht auf einen gesonderten LKW war, der nur für Gefahrengut zuständig ist. :)

Was hat Flusssäure dort zu suchen?

Kann vielleicht jemand die Frage beantworten, was in einer Großhandlung für Bäckereibedarf mit Flusssäure gemacht wird? Würde mich wirklich stark interessieren. Mir fällt gerade kein Lebensmittel ein, wo die Verwendung von Flusssäure zugelassen oder sinnvoll wäre.

4 Kommentare

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