Fr., 14.06.2019

Prozessauftakt gegen 25-Jährigen: Autos angezündet und Frau überfallen Brandstifter im Rausch

Nach dem Brand im Juli 2017 sind die Autos endgültig schrottreif.

Nach dem Brand im Juli 2017 sind die Autos endgültig schrottreif. Foto: Jens Heinze

Von Hans-Heinrich Sellmann

Bielefeld  (WB). Brennende Autos und ein Überfall auf eine Mutter und ihre Tochter. Seit Donnerstag wird einem 25-jährigen Bielefelder vor dem Landgericht der Prozess gemacht. Auch am ersten Verhandlungstag hat der bereits in der Polizeivernehmung geständige Mann die Taten zugegeben.

Laut Anklageschrift von Staatsanwalt Christoph Mackel hat der Bielefelder im Juli 2017 auf einem Werkstattgelände hinter der Westfalen-Tankstelle in Jöllenbeck einen Ford angezündet und damit eine Kettenreaktion ausgelöst: Drei weitere abgemeldete, aber zum Teil noch fahrtüchtige Autos gingen in Flammen auf. Grund sollen Frust- und Rachegedanken gewesen sein, nachdem der damals 23-Jährige zuvor vom Kassierer der Tankstelle ein Hausverbot erhalten hatte, weil er versucht hatte, einen Sechserträger Bier mitgehen zu lassen.

Die Chronologie seiner Taten setzte sich im Januar 2018 fort. Vor einer Sparkassen-Filiale in Jöllenbeck lauerte er einer 34-Jährigen und ihrer zehnjährigen Tochter auf. Mit einem Brotmesser bewaffnet und den Worten »Ich steche Dich ab« soll er laut Anklage dann im Automatenbereich das Geld der Frau gefordert haben. Nur weil sich die Mutter weigerte und das Mädchen laut um Hilfe schrie, habe er die Flucht ergriffen.

Erfolgreiche Kripoermittler

Kripoermittler kamen dem Mann auf die Schliche , als Anfang dieses Jahres erneut ein Wagen in Jöllenbeck gebrannt hatte. An der Vilsendorfer Straße hatte der Bielefelder den Renault eines Bekannten angezündet. Auch ein daneben abgestellter VW Polo war hinterher nur noch schrottreif. Erste Gespräche mit dem Eigentümer des Renaults führten schließlich zu dem 25-Jährigen, der sich nach Zeugenaussage des ermittelnden Polizeikommissars sogleich kooperativ zeigte.

Denn er sei sich der Problematik seines Lebens inzwischen bewusst: Biertrinken im Übermaß. Vor seiner Inhaftierung Anfang Februar bewohnte der Mann ein Zimmer bei seiner Oma. »Ein kleines, schmutziges Loch«, wie der Kommissar berichtete. Bett, Zigarettenkippen, ganz viele leere Bierflaschen. »Er hätte wahrscheinlich auf der Straße gelebt, wenn er dieses Zimmer nicht gehabt hätte.«

Auch während der drei Taten sei er stark betrunken gewesen, sagte der Mann selbst vor Gericht. Zehn bis 15 halbe Liter Bier an einem Abend waren offenbar keine Seltenheit. Was die mit dem Angeklagten anrichteten oder möglicherweise eben nicht, darum wird es im weiteren Prozessverlauf gehen.

Starke Stimmungsschwankungen

Nach eigenen Angaben und den zweier Zeugen soll der 25-Jährige jedenfalls starken Stimmungsschwanken unterliegen, sobald er einen gewissen Pegel erreicht hat. So will er das Feuer hinter der Tankstelle aus Frust über das Hausverbot, den der Alkohol genährt haben soll, gelegt haben. Zuvor und später im Fall des Renaults setzte er sich in den Wagen, hörte Musik, trank, sinnierte über das Leben und griff schließlich zum Feuerzeug.

Immer im Spiel auch eine gehörige Portion Herzschmerz. Ex-Beziehungen und Beziehungen sollen stets erhebliche Spuren auf der Seele des Mannes hinterlassen haben. Den Überfall auf die Sparkasse will er ausgeheckt haben, weil ihm seine damalige Freundin samt ihrer Kinder leid getan habe: »Eine Mutter ohne Geld, das kann doch nicht sein.« Seinen Überfallplan habe er schließlich fallen gelassen, als er das zehnjährige Mädchen bemerkt habe. Ein freiwilliger Rücktritt vom Versuch? Das hat das Gericht nun zu klären.

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