Mo., 17.06.2019

Streifenwagen-Double im Einsatz für den Frieden – Gebürtiger Bielefelder hatte die Idee Echter als die Polizei erlaubt?

Silke Volgmann ist mit ihrem Polizeiwagen-Double auch in Ummeln unterwegs. Ihr Mann Christian, ein gebürtiger Bielefelder, ist Ideengeber der rollenden Friedensbotschafter.

Silke Volgmann ist mit ihrem Polizeiwagen-Double auch in Ummeln unterwegs. Ihr Mann Christian, ein gebürtiger Bielefelder, ist Ideengeber der rollenden Friedensbotschafter. Foto: Christian Bröder

Von Christian Bröder

Bielefeld/Greifswald (WB). Nein, Silke Volgmann arbeitet nicht bei der Kripo. Sie ist keine Kommissarin und sie fährt auch nicht auf Streife. Dennoch wird die 54-Jährige auf der Straße ständig mit der Polizei verwechselt. Der Grund ist offensichtlich: Ihr Auto sieht aus wie ein Polizeiwagen. Täuschend echt, nur das Blaulicht fehlt dem Double.

Doch es gibt weitere Unterschiede gegenüber dem Original: Auf der Motorhaube steht Peace statt Polizei. Und die Seitentür lässt erkennen, dass der Chrysler 300 C Kombi in etwas anderer Hinsicht für Waffenstillstand, Versöhnung und Verständigung im Einsatz ist. Dieser falsche Streifenwagen ist nämlich eines von bundesweit aktuell 20 Friedensfahrzeugen, die als Hingucker der guten Sache dienen sollen.

»Wir gestalten die Optik eines Autos ganz bewusst so um, dass es als Polizei-, Feuerwehr- oder Rettungsfahrzeug wahrgenommen wird. Dort schaut man schnell hin. So wollen wir zum Nachdenken anregen, provokativ sein und auf unser Anliegen aufmerksam machen – den Frieden.

Viele Menschen wissen doch gar nicht mehr, dass in der Ost-Ukraine noch Krieg herrscht oder es im Jemen noch Tote gibt«, erklärt Volgmann. Wolle man heutzutage etwas erreichen, reiche es eben nicht, »sich einen Aufkleber auf das Fahrrad zu machen.«

Die Idee kam beim Spülen

Stattdessen rüsten die Greifswalderin und ihr Mann Christian Volgmann (54), ein gebürtiger Bielefelder, seit März 2016 private Autos mit Langzeitfolie und Schriftzügen zu rollenden Friedensbotschaftern aus – gegen eine Spende von 250 Euro.

»Normalerweise kostet so eine Umgestaltung zwischen 500 und 1000 Euro, denn man investiert zu zweit zehn Stunden Arbeit. Aber wir machen es ja für die gute Sache und wollen nichts daran verdienen«, erklärt Silke Volgmann, die nebenbei als Musik-Verlegerin arbeitet.

Die Tochter des früheren Schlagerkomponisten Rudi von der Dovenmühle – dem 2000 verstorbenen Komponisten von Gitte Haennings’ »Ich will ‘nen Cowboy als Mann« – und ihr Mann Christian kommen vom Fach. Beide sind gelernte Werbetechniker und 27 Jahre lang in der Branche tätig gewesen, ehe sie ihre Firma in Köln verkauft haben und nach Greifswald gezogen sind.

Nun nutzen sie ihr berufliches Wissen für die Friedensfahrzeuge. Die Idee, die Christian Volgmann beim Spülen kam, begeistert mittlerweile etliche mobile Mitstreiter.

Rechtlich auf der sicheren Seite

So fahren Friedensfahrzeuge in NRW (4), Hamburg (7) sowie je eins in Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Hessen, Berlin, Österreich – und immer öfter auch in Ostwestfalen.

»An den Wochenenden sind wir oft zu Besuch bei meinem Schwiegervater in Bielefeld. Auf den Fahrten erleben wir oft kuriose Dinge. Leute schmeißen ihr Handy in den Fußraum, schnallen sich hektisch an oder halten extrem viel Abstand, wenn sie uns sehen«, berichtet Silke Volgmann.

Die Friedensfahrzeuge von Silke und Christian Volgmann sehen den Einsatzwagen von »Freund und Helfer« halt zum Verwechseln ähnlich. Echter als die Polizei erlaubt? »Nein, wir sind rechtlich mit unserer Aktion auf der sicheren Seite, solange wir nicht mit Reflexfolie arbeiten. Farben und Farbkombinationen sind in Deutschland nicht geschützt«, klärt Volgmann auf. Vor der ersten Umgestaltung habe man sich sicherheitshalber beim TÜV und der Polizei erkundigt.

Einmal von der Polizei gestoppt

Gleichwohl sei sie schon einmal auf der Autobahn hinter Nürnberg von der Polizei mit Blaulicht und der »Bitte folgen«-Leuchte gestoppt worden. »Die Beamten haben mich rausgeholt, aber nicht um mich zu kontrollieren, sondern weil sie neugierig waren. Wir haben uns super unterhalten«, berichtet Silke Volgmann.

Natürlich gebe es auch negative Kommentare oder verständnisloses Kopfschütteln, doch die positiven Erlebnisse überwiegen. In einem Mannheimer Wendehammer baten zwei echte Ordnungshüter darum, ein Foto mit dem Polizeiwagen-Double machen zu dürfen – ein Bild von Menschen, die sich für den Frieden einsetzen.

Kommentare

Chally

Eine Super Initiative, wenn wir alle bei jeden Gelegenheit dass gleiche tun wurden., gäbe es kein Missverständnissen und sicher keine Kriege........ Ich wurde sagen; Mit Gott im Herzen kann man Bergen versetzten....Chapeau

Friede sei mit Dir! (hehe)

Bei mir (rotes Auto, also „feuerwehrwagenmäßig“) sind's komischerweise öfter ältere Leute, die voll grinsen und/oder Peace-Zeichen zeigen – junge lachen meist ab.. Hab einige Fans hier in Köln. Bemerkenswert aber auch, wie viele (ja, tatsächlich hauptsächlich Ältere) nach kurzem Zögern den Kopf schütteln oder gar richtig böse schauen.. ansonsten meiste Reaktion: interessiert schauen, bis ich's bemerke + dann schnell woanders hin.

Bin sehr froh auf diese Weise demonstrativ friedlich unterwegs zu sein!

Eine Frieden förderliche Idee

Wir fahren in NRW so ein mit Frieden foliertes Fahrzeug und ich kann noch hinzufügen, daß man von den Lippen ablesen kann und die Menschen es lesen. Die jungen Menschen zeigen oft spontan das Peacezeichen. Beim Parken werden wir oft darauf angesprochen und kommen so mit Menschen ins Gespräch über den Friedenszustand in der Welt. Friedenbotschafter zu sein macht Spass.

3 Kommentare

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