So., 23.06.2019

Folge 24: Wolfgang Lütkemeier war als Hausmeister für 419 Appartements zuständig »Früher wurde mehr gefeiert«

Wolfgang Lütkemeier, 20 Jahre lang Hausmeister, sitzt vor seiner langjährigen Wirkungsstätte. Drei Häuser bilden die Wohnanlage, davor ist heute eine schöne terrassierte Gemeinschaftsfläche angelegt.

Wolfgang Lütkemeier, 20 Jahre lang Hausmeister, sitzt vor seiner langjährigen Wirkungsstätte. Drei Häuser bilden die Wohnanlage, davor ist heute eine schöne terrassierte Gemeinschaftsfläche angelegt. Foto: Bernhard Pierel

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). »Ich hatte eine schöne Zeit hier«, sagt Wolfgang Lütkemeier und lässt den Blick über das Studentenwohnheim an der Morgenbreede schweifen. 20 Jahre war er dort Hausmeister, vor drei Jahren ist er in den Ruhestand gegangen. Aber nicht so ganz: 20, 30 Stunden im Monat springt er noch ein, wenn Kollegen krank oder im Urlaub sind. »Ich weiß ja, wo alles steht...«

Lütkemeier, vor 66 Jahre in Bielefeld geboren, ist gelernter Malermeister. Wie auch alle Kollegen, die Hausmeister – heute: Facility Manager – in einem Studentenwohnheim des Bielefelder Studierendenwerkes sind, einen Handwerksberuf erlernt haben: »Es sind zum Beispiel auch Elektriker oder Installateure dabei«, sagt Lütkemeier. Er ist eher zufällig zu dem Beruf gekommen: Ein Freund im Sportverein gab ihm den Tipp, dass für das Studentenwohnheim unterhalb der Wertherstraße ein Hausmeister gesucht werde, und er bewarb sich.

Bereitschaftsdienst kostet extra

Wolfgang Lütkemeier war für 419 Appartements und ihre Bewohner zuständig. »Und irgendetwas war immer.« Ob ein Kühlschrank kaputt oder ein Ausguss verstopft war, ob ein Fenster klemmte, eine Steckdose erneuert werden musste oder sich ein Student ausgesperrt hatte: Lütkemeier leistete so zusagen erste Hilfe. »Nur nach Feierabend kostet das die Studenten etwas, denn dann muss der Bereitschaftsdienst kommen.«

Den leisten die Kollegen reihum rund um die Uhr; dann rückt der Hausmeister der Anlage an der Morgenbreede etwa auch zur Arndtstraße oder zur Stennerstraße aus. Ebenso gehörte und gehört zum Job die Übergabe der Appartements bei Aus- und Einzügen, mussten etwaige Schäden protokolliert und beseitigt werden.

In den ersten anderthalb Jahren seiner Tätigkeit, erzählt Lütkemeier, habe er noch in einer Dienstwohnung direkt neben dem Studentenheim gewohnt. Aber zum einen lag damals noch der Studenten-Parkplatz quasi vor der Tür – was neben lauter Musik auch zu nächtlicher Stunde zu einer gewissen Geräuschentwicklung beitrug –, zum anderen wussten die Studenten, wo er zu finden war. Und wenn jemand seinen Schlüssel vergessen hatte, wurde der Hausmeister auch schon einmal nachts aus dem Bett geklingelt.

Die erste Frage galt oft dem Internet

Dennoch: Die Arbeit hat Wolfgang Lütkemeier Spaß gemacht, »sie hat jung gehalten, und man bleibt auf dem Laufenden«, schmunzelt er. Legendär sei die Kellerkneipe der Anlage an der Morgenbreede gewesen. »Das war, glaube ich, eine Zeit lang die bekannteste Kneipe der Stadt. Wenn ich morgens zur Arbeit kam, saßen da noch die letzten Studenten. Und weil noch geraucht werden durfte, war die Luft entsprechend.« Ebenso berühmt waren die Morgenbreede-Partys, für die sogar Bierwagen, Würstchen- und Dönerbude im Winkel der Wohnheimanlage aufgebaut wurden. »Die Musik konnte man bis zum Viadukt hören...« Ohnehin: »Früher wurde viel mehr gefeiert«, bilanziert Lütkemeier.

Dafür wurde den Studenten in den letzten Jahren seines Berufslebens etwas anderes immer wichtiger: »Die Frage nach dem Internet war bei den Einzügen immer die erste, die gestellt wurde. Essen war da nachrangig.« Wenn dann tatsächlich einmal das Internet ausfiel, weil es einen Fehler beim Server im Keller gab oder ein Bagger irgendwo ein Kabel beschädigt hatte, standen garantiert binnen kürzester Zeit zehn »Mann« im Hausmeisterbüro und klagten: »Ich hab’ kein Internet.«

Einige Studentengenerationen hat Wolfgang Lütkemeier erlebt, so manchen und manche hat er später wieder getroffen: »Sogar bei einem Fußball-Länderspiel oder im Kadewe in Berlin bin ich angesprochen worden.«

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