Tatort-Verein ermöglicht in Bielefeld erneut die Ausgabe von 200 Gratis-Tornistern
»Kein Kind ohne Schulranzen«

Bielefeld (WB). Wo liegt die Schnittmenge zwischen dem Kölner »Tatort«-Krimi und bedürftigen Erstklässlern aus Bielefeld? Ganz einfach: zum Beispiel bei Schauspieler Dietmar Bär .

Dienstag, 25.06.2019, 18:00 Uhr
Engagieren sich gemeinsam für eine bessere Ausstattung finanziell benachteiligter Familien mit Schulranzen (von links): Bürgermeisterin Karin Schrader, Daniel Stephan (»OWL zeigt Herz«), Schauspieler Dietmar Bär (»Tatort – Straßen der Welt«), Richildis Wälter (AWO) und Christoph Kaleschke (Sparkasse). Foto: Bernhard Pierel
Engagieren sich gemeinsam für eine bessere Ausstattung finanziell benachteiligter Familien mit Schulranzen (von links): Bürgermeisterin Karin Schrader, Daniel Stephan (»OWL zeigt Herz«), Schauspieler Dietmar Bär (»Tatort – Straßen der Welt«), Richildis Wälter (AWO) und Christoph Kaleschke (Sparkasse). Foto: Bernhard Pierel

Bär, der als Kommissar Freddy Schenk seit 22 Jahren im WDR-»Tatort« erfolgreich ermittelt, ist zusammen mit anderen Kollegen aus dem Produktionsteam seit 1998 auch Mitglied im Hilfsverein »Tatort – Straßen der Welt«. Dieser Verein hatte sich seinerzeit nach Dreharbeiten in Manila gegründet, um notleidenden Kindern auf den Philippinen, später zusätzlich in Afrika zu helfen. Inzwischen unterstützen Dietmar Bär und sein Schauspielkollege Klaus Behrendt (Kommissar Max Ballauf) auch Jungen und Mädchen in Deutschland – mit dem Projekt »Wir starten gleich – kein Kind ohne Schulranzen«.

Seit 2012 hat der Verein 7.350 hochwertige Schulranzen und Unterrichtsmaterialien im Warenwert von 1,5 Millionen Euro generiert, um sie an finanziell schwache Familien auszugeben, die sich diesen Luxus sonst nicht leisten könnten. Die Idee zur Aktion »Kein Kind ohne Schulranzen« beruht auf der Tatsache, dass gute Bildung in Deutschland noch immer von der sozialen Herkunft der Schüler abhängt. Doch Kinder aus bedürftigen Familien dürfen vor allem zum Schulstart nicht schlechter gestellt sein, als Kinder aus »besserem Hause«, betont die Vereinsführung. Nutznießer dieser Idee sind angehende Erstklässler aus Köln, Bonn, Troisdorf, Aachen, Wuppertal, Mönchengladbach, Kerpen, Unna, Lünen und neuerdings auch Bielefeld.

600 Schulanfänger, deren Eltern sich keinen Tornister leisten können

In der Stadt am Teutoburger Wald kooperiert »Tatort – Straßen der Welt« mit dem ebenfalls karitativ tätigen Verein »OWL zeigt Herz« und der »Schulkramkiste«, einer Ausgabestelle für kostenlose Schulmaterialien der Arbeitsgemeinschaft der heimischen Wohlfahrtsverbände (AGW). 200 Schulranzen haben dank der Initiative von Dietmar Bär & Co schon 2018 in Bielefeld die Besitzer gewechselt, und 2019, kurz vor den Sommerferien, kommen weitere 200 Kinder in den Genuss, ohne dass sie jedoch davon erfahren, woher die Tornister stammen.

»Als wir im Frühjahr 1998 den ›Tatort-Verein‹ gründeten, haben niemals daran gedacht, dass wir uns einmal in Deutschland, in unserem reichen Land, um so etwas zu kümmern hätten«, sagt Dietmar Bär beschämt. »Aber mit der merkwürdigen Energie, die Prominenz heißt, kann man ja auch mal etwas anderes machen, als nur Selfies auf der Straße.«

Als Daniel Stephan, früherer Handballprofi und heutiger Vorsitzender des Vereins »OWL zeigt Herz«, sich mit der Materie vertraut machte, war er überrascht davon, »wie viele Kinder in Bielefeld keinen Schulranzen haben«. Laut Richildis Wälter von der Arbeiterwohlfahrt lebt hier jedes fünfte Kind in Armut. Pro Jahr gebe es rund 600 Schulanfänger, deren Eltern sich keinen Tornister leisten könnten. Diesen Notstand kann der »Tatort«-Verein zwar nicht im Alleingang beheben, aber was er bewegt, »ist ein riesiger Schritt in die richtige Richtung«, betont AGW-Vorsitzender Ulrich Paus. Bei den Sponsoren mit im Boot sitzt die Sparkasse.

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