Sommerhitze: hohe Ozonwerte, defekte Klimaanlagen und heiße Arbeitsplätze
Polizisten suchen Schutz hinter Pappe

Bielefeld (WB/hz/sas). Hohe Ozonwerte, defekte Klimaanlagen, heiße Arbeitsräume – viele Bielefelder leiden unter der frühsommerlichen Hitze. In ihrer großen Not haben Polizisten sogar schon in der Wache am Kesselbrink Pappe von innen an Fenster zum Schutz vor Sonneneinstrahlung geklebt.

Donnerstag, 27.06.2019, 08:00 Uhr
Noch ist die 40 Grad-Marke in Bielefeld nicht geknackt. Gefühlt ist es aber an einigen Arbeitsplätzen bereits so heiß. Foto: dpa
Noch ist die 40 Grad-Marke in Bielefeld nicht geknackt. Gefühlt ist es aber an einigen Arbeitsplätzen bereits so heiß. Foto: dpa

Die hohen Temperaturen mit viel Sonne sorgen auch in Bielefeld für hohe Ozonkonzentrationen in der Luft. Am Mittwoch wurden die Zielwerte für den Gesundheitsschutz von 120 μg/m³ Luft als Acht-Stunden-Mittelwert deutlich überschritten. Das teilt das städtische Umweltamt mit.

Eine zu hohe Belastung mit Ozon zeigt sich beim Menschen oftmals in Kopfschmerzen, Reizungen der Schleimhäute, durch Erschöpfung und Abnahme der Leistungsfähigkeit. Beim Ozon gibt es keine eingrenzbare Risikogruppe. Die individuelle Empfindlichkeit gegenüber Ozon ist unterschiedlich ausgeprägt. Es ist davon auszugehen, dass etwa zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung besonders empfindlich auf Ozon reagieren, heißt es von der Stadt.

Aus Vorsorgegründen werden Säuglinge und Kleinkinder als sensible Gruppen eingestuft, da sie in Bezug auf ihre Körpergröße ein relativ hohes Atemvolumen haben. Zudem ist ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet. Betroffen sind auch gesundheitlich beeinträchtigte Menschen wie Herz-Kreislaufkranke, Personen mit chronischen und akuten Atemwegserkrankungen und Asthmatiker. Da die höchsten Ozonkonzentrationen in den Nachmittags- und frühen Abendstunden auftreten, empfiehlt das Umweltamt folgende Verhaltensregeln besonders für diese Tageszeiten: Längere körperliche Anstrengungen im Freien vermeiden, Ausdauersport nur in den Vormittagsstunden, Befinden und körperliche Reaktionen beobachten, Durchlüften der Innenräume in den Morgen- und späten Abendstunden In Bielefeld wird Ozon an der Landes-Messstation Ost Nähe Bleichstraße kontinuierlich gemessen. In den Außenbereichen der Stadt sind aber mindestens gleich hohe Werte wie in der Innenstadt zu erwarten.

Als vorsorgende Maßnahme gegen hohe Ozonwerte gilt eine eingeschränkte Autonutzung als bestes Mittel. Der ÖPNV und der Fahrrad sollten wo immer möglich zum Einsatz kommen.

Kühlanlage ausgefallen

Im Uni-Audimax ist die Kühlanlage ausgefallen. Weil es bis zum 8. Juli dauert, bis die Ersatzteile geliefert werden, soll ab nächster Woche ein externes Kühlaggregat für akzeptable Temperaturen sorgen. Als größter Hörsaal der Universität ist das Audimax stets gut belegt und wird auch in der Klausurenphase genutzt.

Ratten im Keller, überquellende Toiletten, Kloakegestank im Gebäude und mittendrin immer Handwerker beim Reparaturversuch – die Liste der Mängel im Polizeihochhaus am Kesselbrink ist ebenso unappetitlich und lang wie vom zuständigen Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW nicht wirklich behoben. Nun ist das scheinbar unendliche Kapitel des alten Polizeipräsidiums um eine traurige Episode reicher. Die Schutzpolizisten der Wache im Erdgeschoss haben in ihrer Not Pappe von innen an Fenster geklebt, damit die Sommerhitze draußen bleibt. In den rund um die Uhr besetzten Räumen seien sowohl die Klimaanlage als auch ein Teil der Jalousien kaputt, heißt es. Warum zum Schutz von Mensch und sensibler Einsatztechnik der »kleinen Leitstelle« wochenlang nicht repariert worden ist, erklärte der BLB mit »notwendigen Lieferzeiten für Ersatzteile, eine hohen Auftragsdichte des beauftragten Unternehmens sowie zwei durch Feiertage verkürzte Arbeitswochen.« Seit Mittwoch seien die Störungen in der Klimaanlage bei der Polizei behoben, sagte BLB-Sprecher Carsten Pilz. Die fehlenden Jalousien sollten bis spätestens kommenden Dienstag montiert werden.

Blick auf die Polizeiwache am Kesselbrink: Weil die Jalousie an den Fenstern kaputt ist, klebt innen Pappe als Hitzeschutz.

Blick auf die Polizeiwache am Kesselbrink: Weil die Jalousie an den Fenstern kaputt ist, klebt innen Pappe als Hitzeschutz.

»Plätze in klimatisierten Streifenwagen sind derzeit weitaus begehrter als ein Schreibtischstuhl in der Wache«, heißt es von Polizisten. Die schweißtreibende Arbeitsatmosphäre mit 31 Grad Innenraumtemperatur habe erste Bielefelder vor der Polizei am Kesselbrink flüchten lassen. Am Montag hätten Kriminalitätsopfer auf ihre Anzeige verzichtet und die Wache verlassen, weil sie die Hitze nicht mehr ausgehalten hätten.

 

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