Platz wird nach dem in Afghanistan getöteten Bielefelder Soldaten Augustyniak benannt - mit Video
»Jetzt wird man Martin nie vergessen«

Bielefeld (WB). Als Ursula Wolf den Dreiecksplatz in den Queller Breeden betritt und erstmals die für ihren Sohn aufgestellte Gedenkbank sieht, kommen ihr die Tränen. Seit Donnerstag ist der Platz nach dem in Afghanistan getöteten Soldaten Martin Augustyniak benannt. »Jetzt weiß ich, dass man Martin nie vergessen wird«, sagt Ursula Wolf.

Freitag, 28.06.2019, 04:00 Uhr aktualisiert: 28.06.2019, 05:42 Uhr
Mit vereinten Kräften stellen Ulrich Galling, sein Sohn Justus (links) und Nils Knoop die Gedenkbank auf. Sie steht jetzt auf dem Martin-Augustyniak-Platz in den Queller Breeden. Martin Augustyniak (kleines Foto) verlor 2010 in Afghanistan sein Leben. Foto: Bernhard Pierel
Mit vereinten Kräften stellen Ulrich Galling, sein Sohn Justus (links) und Nils Knoop die Gedenkbank auf. Sie steht jetzt auf dem Martin-Augustyniak-Platz in den Queller Breeden. Martin Augustyniak (kleines Foto) verlor 2010 in Afghanistan sein Leben. Foto: Bernhard Pierel
Martin Augustyniaks Mutter Ursula Wolf machte mit dem Gütersloher Volker Lehmann (rechts) den Vorschlag für den Gedenkplatz. Axel Josef Hammers (Mitte) war mit Augustyniak im Afghanistan-Einsatz.

Martin Augustyniaks Mutter Ursula Wolf machte mit dem Gütersloher Volker Lehmann (rechts) den Vorschlag für den Gedenkplatz. Axel Josef Hammers (Mitte) war mit Augustyniak im Afghanistan-Einsatz.

30 Gäste nehmen teil an einer kleinen Zeremonie auf dem Platz zwischen den Straßen Waldbreede und Niederbreede. Darunter sind auch fünf Soldaten aus Augustyniaks früherem Fallschirmjäger-Regiment in Seedorf (Niedersachsen). Axel Josef Hammers war 2010 als Kompaniefeldwebel mit Augu­styniak im Afghanistan-Einsatz. »Martin wusste immer, was er wollte. Er war mutig und tapfer – und immer loyal«, lobt er.

Augustyniak geriet am Karfreitag in der Nähe von Kundus in einen Hinterhalt der Taliban und wurde verwundet. Der 28-Jährige rappelte sich auf, um einen verletzten Soldaten zu retten. Im Kugelhagel brachte er ihn in Sicherheit. Doch als der Wagen der Soldaten auf eine Sprengfalle traf, starb Augu­styniak. Zwei weitere Soldaten verloren damals ihr Leben. »Die Nachricht war ein Schlag für uns«, berichtet Hammers. Ursula Wolf erfuhr im Radio von dem Anschlag – und erhielt später die Todesbotschaft. Sie war gegen den Afghanistan-Einsatz, aber respektierte die Entscheidung ihres Sohnes, am Hindukusch Dienst zu leisten.

Augustyniaks Grab ist auf dem Queller Friedhof. Zu jedem Todestag gab es eine kleine Gedenkfeier . 2018 stellte der Gütersloher Volker Lehmann mit der Familie Wolf einen Bürgerantrag, eine Straße oder einen Platz nach Augustyniak zu benennen. Die Entscheidung zog sich über Monate hin. »Man hat viel zu lange diskutiert. Da hat die Politik kein gutes Bild abgegeben«, meint Carsten Krumhöfner, CDU-Fraktionschef in der Brackweder Bezirksvertretung.

Letztlich folgten die Politiker dem Wunsch der Familie, den Gedenkplatz in der Nähe des Wohnhauses in Quelle zu errichten. »Das Schild wird noch aufgestellt«, sagt Brackwedes Bezirksamtsleiter Hans-Georg Hellermann. Zudem solle an der Gedenkbank eine Plakette angebracht werden – mit Hintergründen zu Augustyniak. Andere wünschen sich einen Gedenkstein, sagt Ulrich Galling. Der Geschäftsführer der Firma Kohlschmidt Grabmale stiftete die zwei Meter lange und 45 Zentimeter hohe Granitbank mit drei Sitzplatten.

»Was kann man mehr tun, als sein Leben im Einsatz zu geben?«

Volker Lehmann dankte in seiner Rede allen Unterstützern – auch den Vereinen Veteranen-Kultur, Combat Veteran und dem Reservistenverband der Bundeswehr. Dessen Vizechef Christian Faul betont, dass die Bundeswehr auf zentrales Gedenken setzt. »Unser Ziel ist es aber, mehr lokale Gedenkstätten zu schaffen – wie hier in Bielefeld.«

Der stellvertretende Brackweder Bezirksbürgermeister Peter Diekmann lobt Augustyniaks Verdienste: »Was kann man mehr tun, als sein Leben im Einsatz zu geben?«, fragt er. Diekmann sieht den Gedenkplatz in der Nähe von Augu­styniaks Elternhaus als ideale Lösung. »Das ist ein Stück wie nach Hause zu kommen. Damit schließt sich der Kreis.« Das gilt vor allem für Augustyniaks Mutter Ursula Wolf: »Dieser Platz gibt meiner Familie ein schönes Gefühl. Ich versuche, ihn jeden Tag zu besuchen.«

 

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