Fr., 28.06.2019

Sehgewohnheiten durchbrechen: »Plakartive« in Bielefeld will zeitgemäß und provokant sein Die Westside-Galerie

Einige der Aussteller vor der »Open Mind«-Galerie: (von links) Prof Katharina Bosse, Thorsten Höning, Klaus Bossemeier, Nina Schengber und Eric Sproten.

Einige der Aussteller vor der »Open Mind«-Galerie: (von links) Prof Katharina Bosse, Thorsten Höning, Klaus Bossemeier, Nina Schengber und Eric Sproten. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Vom Un-Ort zum Art-Ort gleich Plakartive: Zum vierten Mal nach 2012, 2015 und 2015 gibt es die Freiluft-Galerie an der Mindener Straße unter dem Ostwestfalendamm. Sie wird an diesem Freitag um 19 Uhr unter dem Titel »Open Mind« eröffnet.

Auf 85 mobilen und fest installierten Großflächenplakaten zwischen Werbung für Margarine oder Circus zeigen 24 Künstler ihre, so Professor Uwe Göbel als Kurator, »zeitgemäßen Botschaften als Gegenrede zu den typischen Konsum-Plakaten. Ein spannender Kontrast«. Göbel sagt, die Mindener Straße werde während der »Plakartive« (bis zum 8. September) zur Westside-Galerie. Schon jetzt, freut er sich, fotografierten Passanten die Sprüche ab oder machten Selfies mit den Plakatmotiven. Göbel betont, die »Plakartive« sei eine »Low-Budget-Veranstaltung«, genieße aber die Unterstützung von Förderern und Kooperationspartnern.

Einer dieser Kooperationspartner ist die Stadt. Hans-Jürgen Franz, Bezirksbürgermeister von Mitte, spricht von »aktuellen, zum Teil auch provokaten Arbeiten, die innehalten lassen.« Göbel freut sich, dass die Biennale-Schau immer weiter gewachsen sei. So gebe es zum ersten Mal das Street-Poetry-Projekt »Moment-Mal«, bei dem in den Mauernischen der Unterführung Arndtstraße Gedichte von ostwestfälischen Lyrikerinnen inszeniert seien. Im Kunstraum »Elsa« an der Elsa-Brandström-Straße 13 würden kleinformatige Originale der »Plakartive« ausgestellt. Und, so Göbel, es gebe auch die »Ausstellung für zu Hause«, nämlich den Katalog (Buchhandel).

»Man kann an sich nicht vorbei gehen«

Zu sehen sind Plakate mit Sätzen wie »Eleganz ist auch nur ein Auffahrunfall von Elend und Glanz« oder »Man kann an sich nicht vorbei gehen«. Der Bielefelder Künstler Heiner Meyer ist mit vier Arbeiten vertreten, freut sich, dass eine davon einen Platz unter einem Baum gefunden hat. Das Plakat zeigt einen Parfüm-Flakon im Wald mit der Aufschrift »Change«. Die Queen mit blauem Auge ist zu sehen, ungewöhnliche »Strandszenen« oder Litfaßsäulen, die keine Reklame, sondern Muster tragen.

Die Kunst im öffentlichen Raum durchbreche bewusst die gewohnte Wahrnehmung im Straßenbild, Autofahrer werden zu Galerie-Besuchern. Göbel: »Die besten Kunst-Plätze sind die an den Lichtzeichenanlagen. Zeigt die Ampel rot, hat der Pkw-Fahrer den besten Blick aufs Motiv.«

Die beteiligten Künstler

Unter dem Titel »Art Experiments« sind Arbeiten als City-Light-Plakat zu sehen. Sie stammen von den jungen Designern Nicole Lorenz, Finn Rodenberg, Nils Pisarsky, Chantal Jager, Leslie Dunker, Vivian Schulte, Dagmar Drobny, Katharina Harder, Giovanna Varrella, Julia Brede, Manuel Wüllner und Anna Homberg.

Mit Plakat-Arbeiten beteiligt sind die Künstler Thomas Baumgärtel, Roman Bezjak, Michael Bielicky, Katharina Bosse, Klaus Bossemeyer, Uwe Göbel, Christine Grän, Oliver Gröne, Thortsen Höning, Nils Hoff, Karsten Kronas, GJ Lischka, Heiner Meyer, Marianne Milani, Karl Müller, Hellmuth Opitz, Rebekka Reinhard, Kamila B. Richter, Herbert Rometsch, Nina Schengber, Eric Sproten, Siegfried J. Schmidt, Peter Weibel und Anka Zika.

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