Di., 02.07.2019

Der 55-Jährige über sich, seine Herkunft und seine Ziele als neuer OWL-Handwerkspräsident Peter Eul: »In der Tradition Lena Strothmanns«

Peter Eul (55) ist neuer Präsident der OWL-Handwerkskammer gewählt worden.

Peter Eul (55) ist neuer Präsident der OWL-Handwerkskammer gewählt worden. Foto: Thomas F. Starke

Bielefeld (WB). In der vergangenen Woche ist Peter Eul (55) als Nachfolger für Lena Strothmann (66) zum neuen Präsidenten der OWL-Handwerkskammer gewählt worden . Der Friseurmeister aus Enger amtierte zuvor bereits als Vizepräsident. Bernhard Hertlein sprach mit Peter Eul über seinen Werdegang und seine Ziele.

Haarmonie, Haireinspaziert, Haarquelle, Glückssträhne, KreHaartiv: Kaum ein anderes Handwerk ist bei der Namensgebung so kreativ wie die Friseure. Wie heißen denn ihre Salons?

Peter Eul: Sie heißen ganz einfach: in Enger »Friseursalon Peter Eul«, in Herford »Hair and more«.

Was hat Sie dazu gebracht, den Beruf zu ergreifen?

Eul: Bis zur Mitte der zehnten Klasse wollte ich eigentlich Polizist werden. Das war aber nicht im Sinn meiner Mutter, die selbst Friseurin war. Sie wollte, dass ich ein Handwerk erlerne. So hat mich mein Vater mit einem ihm bekannten Ausbildungsberater zusammengebracht. Er hat mir erst einmal den Werdegang eines Polizisten ohne Abitur erklärt. Das war ziemlich ernüchternd. Kurz danach verschaffte mir meine Mutter ein Praktikum in einem befreundeten Friseursalon. Das gefiel mir so gut, dass ich dort meine Ausbildung gemacht habe. Ich bin selbst ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig die Einstellung der Eltern bei der Berufswahl ist.

Aber seit Jahren steigt vor allem die Zahl der Studenten. Hat das Handwerk keinen goldenen Boden mehr?

Eul: Doch. Nur wissen das zu wenige. Während die einen studieren, verdienen die anderen in einem schönen Beruf schon Geld. Und wenn die einen mit der Promotion beginnen, haben die anderen schon ihren Meisterbrief und können ein eigenes Unternehmen führen. In den nächsten Jahren suchen 3500 Handwerksunternehmen in OWL altersbedingt eine Nachfolge. Eine große Chance!

Warum braucht es einen Meisterbrief, um einen Friseursalon zu eröffnen?

Eul: Zum Schutz der Verbraucher. Gerade beim Umgang mit Haaren kann man so viele Fehler machen – mit Folgen für Aussehen und Gesundheit. Entsprechende Erfahrungen mit Unternehmern, die ohne duale Ausbildung und Meisterbrief den Beruf ausüben, bestätigen dies – leider.

Was geschieht in diesen Fällen?

Eul: Leider reagieren die kommunalen Aufsichtsbehörden nicht überall mit der gleichen Konsequenz. Ich habe mich mit Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl verständigt, dass Verstöße mit der notwendigen Konsequenz verfolgt werden sollten.

Ist es Zufall, dass auf die Schneiderin Lena Strothmann der Friseur Peter Eul folgt? Beide beschäftigen sich mit dem äußeren Erscheinungsbild.

Eul: Reiner Zufall.

Welchen Stellenwert hat das äußere Erscheinungsbild für die Menschen heute?

Eul: Einen wachsenden Stellenwert. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die Digitalisierung verändert viele Handwerke. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Eul: Ein Jugendlicher, der heute zum Beispiel eine Ausbildung zum Elektroniker beginnt, kann noch gar nicht absehen, wie sich das Berufsbild schon in wenigen Jahren verändern wird. Am Bau werden Virtual Reality und die Drohne zum Standard-Arbeitsmittel werden. Die Aufgabe der Handwerkskammer ist es, Betriebe und Ausbilder auf die Veränderungen vorzubereiten. Wenn der Druck von Seiten der Kunden kommt, ist es möglicherweise schon zu spät. In diesem Zusammenhang kommt uns die Kompetenz zugute, die unser Campus in Bielefeld in Sachen Smart Home besitzt.

Was wollen Sie handwerkspolitisch anders machen als Lena Strothmann?

Eul: Muss ich etwas anders machen? Mein erstes Ziel ist es, die Interessen der 21.300 Handwerksbetriebe und 160.000 Handwerker, darunter 10.200 Auszubildende, in OWL gut zu vertreten – gegenüber der Politik und Verwaltung in der Region, aber in der Tradition Lena Strothmanns auch darüber hinaus. Themen sind unter anderem die Wiedereinführung des Meisterbriefs in wichtigen Berufen und die Förderung der dualen Ausbildung im Handwerk.

Sind die Industrie- und Handelskammern in OWL dabei Partner oder Konkurrenz?

Eul: Selbstverständlich Partner.

Zum Schluss, um die Person Peter Eul besser kennenzulernen, vier kurze Fragen an den Friseur: Was halten Sie von knallig bunt gefärbten Haaren?

Eul: Schön, wenn es zur Trägerin oder zum Träger passt.

Von Tattoos?

Eul: Ich habe keines, und möchte auch keines haben. Aber Tattoos sind, vor allem wenn qualitativ gut ausgeführt, längst in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen. Wäre die Entwicklung anders verlaufen, wäre Tätowierer heute vielleicht ein Handwerksberuf.

Von Hüten, Mützen oder Kopftüchern?

Eul: Akzeptiert, wenn die Situation passt.

Gibt es Geheimtipps, wie man eine Glatze verhindert?

Eul: Nein. Wichtig ist, dass der Betroffene zu Beginn informiert wird, wohin die Reise geht. Eine Glatze kann man eventuell hinauszögern, verhindern kann man sie nicht. Also sollte der Mann offensiv damit umgehen, mit Mut zur Lücke! Mann ist auch noch mit Halb- oder Vollglatze schön.

Wie sehr pocht Ihr Herz noch für das Friseurhandwerk?

Eul: Das ist meine Herkunft. Mein Herz pocht fürs Handwerk insgesamt. Als Präsident stehe ich auch für Mechatroniker, Bäcker, Optiker und alle anderen Handwerkerinnen und Handwerker.

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