Fr., 05.07.2019

Dekanat Bielefeld-Lippe: Katholischer Pfarrer will auf Protestbewegung »Maria 2.0« zugehen Norbert Nacke wird neuer Dechant

Pfarrer Norbert Nacke (links) folgt als Dechant auf Klaus Fussy, der 13 Jahre lang das Amt übernahm.

Pfarrer Norbert Nacke (links) folgt als Dechant auf Klaus Fussy, der 13 Jahre lang das Amt übernahm. Foto: Stefan Biestmann

Von Stefan Biestmann

Bielefeld /Kreis Lippe (WB). Zwölf Jahre lang agierte Pfarrer Norbert Nacke als katholischer Dechant in Unna. Jetzt übernimmt er dieses Amt im Dekanat Bielefeld-Lippe, zu dem etwa 100.000 Katholiken in Bielefeld, im Kreis Lippe und Bad Pyrmont zählen. Die hauptamtlichen Seelsorger wählten den Pfarrer der St. Jodokus-Gemeinde und Leiter des Pastoralverbundes Mitte-Nord-West am Donnerstag in Bielefeld.

Nacke setzte sich bei der Wahl gegen die ebenfalls nominierten Pfarrer Bernhard Brackhane und Dr. Dr. Markus Jacobs durch. »Nach so einer Wahl fällt immer die Spannung ab«, sagt Nacke im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Und die beiden anderen Nominierten seien auch »sehr gute Kandidaten«, betont er. Es steht jetzt noch die Ernennung des neuen Dechanten durch Erzbischof Hans-Josef Becker aus, die aber als Formalie gilt.

Seine langjährige Tätigkeit als Dechant in Unna sieht Nacke als Vorteil. »Ich weiß also, was mich jetzt erwartet.« Er kündigt an, sich für die Ökumene stark zu machen. »Ökumene muss selbstverständlich sein«, betont der 55-Jährige. Die guten Kontakte zur evangelischen Kirche wolle er weiter pflegen. Zudem weist Nacke darauf hin, dass er den evangelischen Superintendenten Christian Bald seit mehr als 20 Jahren kenne.

»Maria 2.0 ist eine Bewegung, die aus dem Zentrum der Kirche kommt«

Auch auf die Protestbewegung »Maria 2.0« will Nacke zugehen. »Das ist eine Bewegung, die aus dem Zentrum der Kirche kommt«, betont Nacke. »Diese Bewegung gilt es zu unterstützen und zu begleiten.« Er wolle auf die Arbeit seines Vorgängers Klaus Fussy aufbauen, der das Amt nach 13 Jahren aus persönlichen Gründen aufgab. »Klaus Fussy betonte immer die soziale Komponente des kirchlichen Handelns. Das ist seine besondere Stärke«, lobt Nacke.

Er sieht das Dekanat als »Dienstleister für die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen vor Ort«. Zudem wolle er als Dechant neue Impulse setzen – zum Beispiel durch neue Projekte. Aber auch die Kommunikation sei ihm wichtig – sowohl innerhalb des Dekanats als auch in den Gemeinden.

Stellvertreter wird noch benannt

Nach dem gebürtigen Rietberger Klaus Fussy übernimmt nun mit Nacke ein gebürtiger Paderborner im Dekanat das Ruder. Ursprünglich habe er als junger Mensch damit geliebäugelt, Elektrotechnik zu studieren, berichtet Nacke. Doch es kam anders: Nacke wurde nach seinem Theologiestudium in Paderborn und Freiburg 1990 zum Priester geweiht. Er wirkte später als Vikar in Dortmund und Rietberg-Neuenkirchen. Anschließend agierte er 15 Jahre lang als Pfarrer in Unna-Massen. 2001 wurde er zum Dechanten im Dekanat Unna gewählt.

2013 wechselte er dann nach Bielefeld. Nacke folgte in der Gemeinde St. Jodokus auf Josef Holtkotte, der als Bundespräses zum Kolpingwerk wechselte. Seit dem Jahr 2013 ist Nacke stellvertretender Dechant des Dekanats Bielefeld-Lippe. Wer neuer Stellvertreter wird, stehe noch nicht fest, sagt Nacke. Er werde dazu aber in Kürze dem Erzbischof einen Vorschlag machen.

 

Ein Kommentar von Stefan Biestmann

Es ist gut für die katholische Kirche, dass der neue Dechant keine lange Anlaufzeit benötigen wird. Pfarrer Norbert Nacke wirkt schon viele Jahre lang an vorderster Stelle im Dekanat mit – als Pastoralverbundsleiter und stellvertretender Dechant. Und er bringt genügend Erfahrung für das Amt mit: Schließlich war er schon Dechant in Unna.

Trotzdem wartet auf Nacke eine schwere Aufgabe. Die nächste Strukturreform steht vor der Tür: Ab 2025 soll es in Bielefeld nur noch einen pastoralen Raum geben. Nacke muss es gelingen, bei allen Veränderungen gerade die Ehrenamtlichen mitzunehmen, sie zu motivieren und ihnen mehr Verantwortung zu übertragen. Zudem ist es für die Kirche wichtig, Vertrauen zurückzugewinnen – vor allem nach dem Missbrauchsskandal.

Es ist richtig, dass Nacke aktiv auf die Protestbewegung »Maria 2.0« zugehen will und die Kritik ernst nimmt. Denn unter den Teilnehmern sind viele Frauen, die wichtige ehrenamtliche Arbeit leisten. Und der neue Dechant sollte wie sein Vorgänger Klaus Fussy den Finger in die Wunde legen: Er muss Fehler in der Kirche offen ansprechen und Reformen einfordern.

 

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