So., 14.07.2019

Heft 1 der Ravensberger Blätter befasst sich mit der Universität und der Stadt Bielefeld Erst Fremde, dann Freunde

Empfehlen die Ravensberger Blätter zur Lektüre: Jochen Rath (von links) Bernd Wagner, Christoph Herkströter, Professor Dr. Ulrich Andermann (Vorsitzender des Historischen Vereins) und Jürgen Büschenfeld.

Empfehlen die Ravensberger Blätter zur Lektüre: Jochen Rath (von links) Bernd Wagner, Christoph Herkströter, Professor Dr. Ulrich Andermann (Vorsitzender des Historischen Vereins) und Jürgen Büschenfeld. Foto: Bernhard Pierel

Bielefeld (WB/uj). Längst sind die Universität und die Stadt Bielefeld zusammengewachsen. Doch das war nicht immer so. Zunächst gab es große Vorbehalte gegenüber der studentischen Klientel. Auch wollte kaum jemand Wohnraum an Studenten vermieten.

»Es wurde sogar gesagt, die langborstigen und struppigen Figuren sollten sich doch besser an den Tierpark Olderdissen wenden. Möglicherweise sei dort noch ein Gehege frei«, weiß Christoph Herkströter in den Ravensberger Blättern zu berichten.

Der Geschichtswissenschaftlicher ist einer von vier Autoren, die sich im ersten Heft dieses Jahres mit der Universität Bielefeld und ihrem Verhältnis zur Stadt auseinander setzen. Anlass zum Themenheft ist das 50-jährige Jubiläum der Bielefelder Alma mater, die in den Anfangsjahren noch recht isoliert am Stadtrand lag und von der Bevölkerung mit Vorurteilen bedacht wurde.

Grotemeyer erkannte das Dilemma

Karl Peter Grotemeyer – er war von 1970 bis 1992 Rektor der Universität – erkannte das Dilemma und ergriff erste Maßnahmen gegen das angespannte Verhältnis. Herkströter: »Er führte Studieren ab 50 und die Kinderuni ein, um die Leute aus der Stadt in die Uni zu holen.« Weitere Maßnahmen sowie der Bau der Linie 4 sorgten für eine weitere Annäherung. »Die Linie 4 befördert heute 30.000 Gäste pro Tag. Sie ist das Sinnbild für die Zusammenführung von Uni und Stadt«, betont der Geschichtswissenschaftler.

Wie es überhaupt dazu kam, dass Bielefeld eine Universität bekam, darüber schreibt Jürgen Büschenfeld in seinem Aufsatz »Hochschulstandort Bielefeld – Aufbrüche, Diskussionen und Entscheidungen«. 13 Städte in OWL hätten sich damals um die Universität bemüht. Darunter auch Soest. Die Stadtväter begründeten ihren Anspruch mit kuriosen Argumenten: Der Stadt Soest wäre durch ihre 300-jährige Zugehörigkeit zu Preußen ein Unrecht geschehen, das mit dem Bau einer Uni gesühnt werden könne.

In Bielefeld war es dann einem engagierten Bund aus dem damaligen Kultusminister Paul Mikat, dem Unireformer und Soziologen Helmut Schelsky sowie dem Unternehmer Rudolf August Oetker und dem Bürgermeister Herbert Hinnendahl zu verdanken, dass die ehemalige Kaufmannstadt zur Universitätsstadt wurde.

Beitrag für die Kultur

Tim Wagner legt in seinem Bericht dann dar, wie sich die Universität zwischen Regionalisierung und Internationalisierung behauptet.

Den persönlichsten Bericht aber legt Bernd J. Wagner vor. Der Mitarbeiter des Stadtarchivs studierte in den 1980er Jahren an der Universität Bielefeld Geschichte und Soziologie. Sein Beitrag enthält einen Gutteil erlebte Geschichte und legt unter anderem dar, wie die Uni die Stadtgesellschaft veränderte. Wagner: »Die Entwicklung einer alternativen Kulturszene wäre ohne die Uni nicht möglich gewesen.«

Die Ravensberger Blätter des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg erscheinen in einer Auflage von 1100 Stück und sind zum Preis von 5 Euro in der Geschäftsstelle in der Kavalleriestraße 17 erhältlich. Das Titelblatt ziert ein Gemälde von Eduard Küssner, der im Jahr 1976 die Uni und den Wellensiek malte. Das Werk wurde dem Stadtarchiv erst kürzlich geschenkt.

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