Do., 18.07.2019

Abriss des früheren Jugendzentrums hat begonnen – Auch Ärzte und Tote Hosen traten hier schon auf Das ZAK ist bald Geschichte

Einen Teil des Gebäudes hat der Bagger bereits am Mittwochmorgen abgerissen.

Einen Teil des Gebäudes hat der Bagger bereits am Mittwochmorgen abgerissen. Foto: Uffmann

Von Hendrik Uffmann

Bielefeld (WB). Erinnerungen hängen an diesen Mauern zuhauf. Bei den älteren Jöllenbeckern an die Schulzeit, die sie dort verbracht haben, bei den etwas jüngeren an die Konzerte, die sie dort erlebt haben. Unter anderem die Ärzte, die Toten Hosen und Nena sind dort aufgetreten. Jetzt wird das ehemalige Jugendzen­trum ZAK an der Heidsieker Heide abgerissen.

Dass das Gebäude weichen soll, wurde, wie berichtet, bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres bekannt. Der städtische Immobilienservicebetrieb (ISB) hatte die Mietverträge zum 31. Mai 2018 gekündigt, wogegen vor allem die Bands protestiert hatten, die das von außen mit bunten Graffiti besprühten Gebäude an der Ecke Heidsieker Heide/Jöllenbecker Straße für Proben nutzten.

Entstanden ist das Zentrum in dem alten Gebäude der um 1900 gegründeten Dorfschule Heidsieker Heide, nach dem dort die Jugendarbeit in Jöllenbeck zunächst mit einem Bulli gestartet war, der vor dem Haus Station machte. Daraus wurde dann in dem Haus das Jugendzentrum Jöllenbeck, das Ende der 80er Jahre in ZAK (Zen­trum für andere Kultur) umbenannt wurde. Nach dessen Schließung wurde das Haus zuletzt mehr als zehn Jahre lang vor allem als Probenraum für Bands genutzt, für die es auch ein kleines Tonstudio gab.

»Die Ärzte waren Anfang der 80er Jahre hier«

Mit dem ZAK gehe deshalb auch ein Stück Kulturszene verloren, bedauern viele Bielefelder – und eine Einrichtung, die früher weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt war. Manche Bands und Künstler, die später berühmt wurden und deutlich größere Säle füllten, traten hier auf, erinnert sich Jochen Vahle, Mit-Inhaber des Kulturveranstalters Newtone und Sänger der Kinderrockband Randale. »Die Ärzte waren Anfang der 80er Jahre hier, Nena hat mit ihrer ersten Band, den ›Stripes‹, im JZ gespielt. Die Toten Hosen haben zwei Konzerte hintereinander gegeben, weil der Laden aus allen Nähten platzte.«

Damals noch unter der Bezeichnung JZ Jöllenbeck sei die Einrichtung in der Band-Szene bundesweit bekannt gewesen. »Das JZ hatte eine legendären Ruf«, sagt Jochen Vahle, und zählt weitere bekannte Namen auf, die dort zu Gast waren – von Jochen Distelmeyer und der Band Kettcar in ihrer Ur-Besetzung bis hin zu Helge Schneider und dem Kabarettisten Dieter Nuhr, der auf seinen ersten Deutschland-Tourneen dort Station gemacht habe.

Darüber hinaus habe das ZAK auch vielen aus der Musik- und Kulturszene die Möglichkeit gegeben, sich auszuprobieren und erste Erfahrungen zu machen. »Ich selbst wäre auch nie soweit gekommen, wenn ich mir nicht im ZAK hätte die Basis erarbeiten können«, sagt der Musiker und Kulturmanager.

»Mit unserer Band haben wir dort geprobt und gespielt«

Ganz persönliche Erinnerungen an das ZAK hat auch Andreas Hansen, Leiter des Jöllenbecker Bezirksamts. Er ist in Sichtweite des Jugendzentrums aufgewachsen, »und mit unserer Band haben wir dort geprobt und gespielt«, erzählt Hansen. Aber nicht nur Musiker waren in dem Kulturzentrum aktiv. Im Dachgeschoss, so Andreas Hansen habe es auch ein kleines Studio gegeben, in dem Radiobeiträge produziert worden seien. Und wäre das Gebäude nicht in einem so schlechten Zustand gewesen, hätte es durchaus eine Anlaufstelle in Jöllenbeck und eine Bereicherung des Jugend- und Kulturangebots in dem Stadtteil bleiben können, sagt der Bezirksamtsleiter.

Gebe es solche Refugien nicht mehr, werde es viel schwieriger für Kulturschaffende, sich auszuprobieren, sagt Jochen Vahle und verweist auf das JZ Kamp, das nicht mehr für größere Musikveranstaltungen genutzt werden dürfe und auf den Falkendom, für den strengere Lärmschutzauflagen gälten. Jochen Vahle: »Die Luft wird dünner.«

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