Fr., 16.08.2019

Industrieumsatz in OWL sinkt 0,3 Prozent – »Trend nicht überbewerten« Erster Rückgang seit zehn Jahren

Die Tabelle zeigt Zahlen der Industrieunternehmen im ersten Halbjahr 2019.

Die Tabelle zeigt Zahlen der Industrieunternehmen im ersten Halbjahr 2019. Foto: dpa

Von Paul Edgar Fels

Bielefeld (WB). Das rund zehnjährige Wachstum der großen Industrieunternehmen in Ostwestfalen-Lippe hat vorerst ein Ende gefunden. Im ersten Halbjahr 2019 ging der Gesamtumsatz der inzwischen 916 Unternehmen leicht um 0,3 Prozent auf 25,33 Milliarden Euro zurück – was vor allem am schwachen Juni liegt.

Allein im Juni brach der Umsatz der OWL-Industrie um 9,2 Prozent ein. In einigen Firmen gab es sogar ein Minus von 20 Prozent. Von Januar bis Mai lag der Umsatz noch bei plus 1,7 Prozent. »Der Juni hatte mehrere Feiertage und fünf Wochenenden«, erläutert Christoph von der Heiden, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen. »Man sollte diese statistischen Werte daher nicht überbewerten.« Die 0,3 Prozent Rückgang für das erste Halbjahr – wobei die Auslandsumsätze um 0,2 Prozent stiegen – sei aus Sicht der Kammer »keine Schrumpfung«. Weiter sagte der Experte der IHK: »Wir können aber froh sein, wenn wir am Ende des Jahres eine schwarze Null in der Statistik stehen haben.«

Sorge beim Blick auf Problemfelder

Gibt es Anlass zur Sorge? »Ja«, sagt von der Heiden und verweist auf den andauernden Handelsstreit zwischen den USA und China, die drohenden Strafzölle für die Autoindustrie sowie den geplanten Brexit. Niemand könne heute sagen, wie sich diese Problemfelder entwickelten.

Gerade in der Automobilindustrie stehen die Zeichen auf Abschwung – das gilt auch für die Zuliefererbetriebe. So kommt die Branche Kraftwagenteile/Kraftwagen in OWL auf einen Umsatzrückgang von 6,7 Prozent. Die Branche »Elektrische Ausrüstung« büßte 4,8 Prozent ein, die Möbelindustrie 0,9 Prozent. Dagegen ging es im Maschinenbau noch mit 2,5 Prozent nach oben. Allerdings schrumpfen auch dort die Auftragsbestände. Von der Heiden warnte vor Panik. »Wir diskutieren hier vor dem Hintergrund eines zehnjährigen Wachstums.«

Wachstum nur in Kreisen Gütersloh und Herford

Mit Blick auf die Stadt Bielefeld und die sechs Kreise der Region gab es nur noch in den Kreisen Gütersloh (0,6 Prozent) und Herford (1,4) ein Wachstum. Besonders deutlich fällt der Umsatzrückgang in den Kreisen Höxter (minus 3,4 Prozent) und Paderborn (minus 2,8 Prozent) aus. Lippe kommt auf minus 0,1 Prozent. Dazu sagte Axel Martens, Hauptgeschäftsführer der IHK Lippe: »Dies ist den aktuellen internationalen wirtschaftlichen Unsicherheiten geschuldet. Dennoch nahm die Beschäftigung in der lippischen Industrie im ersten Halbjahr um 4,3 Prozent zu – in NRW um 1,6 Prozent. Insgesamt stieg die Beschäftigtenzahl in OWL um 3,7 Prozent von rund 192.000 auf knapp 199.000. Die Entgelte kletterten aufgrund höherer Tarifabschlüsse um 4,6 Prozent.

Im Vergleich zu NRW (minus 1,7 Prozent) schlägt sich OWL gut. Besonders deutliche Einbrüche verzeichnen die Städte Duisburg (minus 10 Prozent), Krefeld (minus 12,5), Bochum (minus 14 Prozent). Bielefeld liegt bei minus 0,8 Prozent. Gegen den Trend entwickelte sich der Kreis Warendorf mit einem Plus von 19,3 Prozent bei 106 Unternehmen. Auffällig: Hier legte der Auslandsumsatz um 35 Prozent zu. »Das dürfte am sehr starken Maschinenbau liegen«, vermutet Guido Krüdewagen, Sprecher der IHK Nord Westfalen.

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