Fr., 16.08.2019

Beim Onlinekauf müssen Zahlungen künftig zusätzlich bestätigt werden – mit Kommentar Mehr Schutz – mehr Aufwand

Das Bezahlen beim Online-Kauf mit Karte könnte schon bald aufwändiger werden.

Das Bezahlen beim Online-Kauf mit Karte könnte schon bald aufwändiger werden. Foto: dpa

Bielefeld (dpa/WB/OH). Das Bezahlen beim Einkaufen im Internet soll zum 14. September sicherer werden – aber auch komplizierter. Nicht nur Kunden, auch Kreditinstitute und Onlinehändler müssen sich rechtzeitig darauf einstellen. Ob das klappt, ist fraglich.

Mit wenigen Klicks im Internet shoppen und bequem mit Kreditkarte oder einem Zahlungssystem wie Paypal & Co. zahlen – das wird aufwendiger. Denn neben den Daten auf der Kreditkarte oder den Zugangsdaten beim Zahlungsdienst sollen Käufer sich mit einem weiteren Sicherheitsmerkmal identifizieren wie einem Zusatzpasswort, einem per Smartphone übermittelten Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder einem Code, der per SMS aufs Handy kommt.

Neue Vorgaben: bei der Umsetzung knirscht es gewaltig

Mancher Einkauf könnte dadurch scheitern, weil die Zahlung nicht abgewickelt werden kann – das jedenfalls befürchten vier von fünf Händler. Denn bei der Umsetzung der neuen Vorgaben knirscht es gewaltig.

Die Europäische Union (EU) will für mehr Sicherheit beim Onlinebanking und Bezahlen im Netz sorgen. Die Regeln der EU-Zahlungsrichtlinie PSD2 sollen Betrügern das Leben schwerer machen. Verbraucher müssen sich beim Bezahlen und bei Bankgeschäften im Internet daher zusätzlich identifizieren mit der sogenannten Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA). Bankkunden müssen dann jede aktive Onlinezahlung mit einer solchen starken Kundenauthentifizierung freigeben.

Ausnahmen bei kleineren Einkäufen unter 30 Euro

Wie immer gibt es Ausnahmen: Bei kleineren Einkäufen unter 30 Euro können die Geldhäuser auf die zweifache Authentifizierung verzichten. Zudem können sie Kunden erlauben, einzelne Internetshops als sicher einzustufen. Dann entfällt das zweite Sicherheitsmerkmal ebenfalls. »Das System der Online-Händler muss all dies berücksichtigen können. Das ist für Händler nicht einfach«, sagt Ulrich Binnebößel vom Handelsverband HDE. Bei Kauf auf Rechnung, Lastschrift, Vorkasse oder Nachnahme besteht die Pflicht dagegen weiterhin nicht.

Besonders kompliziert wird es bei der Kreditkarte. Bislang genügte die Eingabe von Kartennummer, Ablaufdatum und dreistelliger Prüfziffer zum Bezahlen im Netz. Künftig muss der Kunde die Kreditkarte dafür einmalig bei seiner Bank registrieren. Zudem muss bei jeder Transaktion noch ein zweiter Faktor hinzukommen.

Aufklärungsbedarf gegenüber Kunden

Viele Händler könnten ihre Internetshops nicht rechtzeitig umstellen, auch gegenüber den Kunden bestehe noch Aufklärungsbedarf, sagt Binnebößel. Wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) fordert der HDE eine Übergangszeit von 18 Monaten. Eine Verschiebung des EU-weiten Stichtags gilt indes als wenig wahrscheinlich.

Zwar wissen Handel, Zahlungsdienstleister und Kreditinstitute seit 2015 von den neuen Anforderungen. Doch die technischen Details habe die Europäische Bankenaufsicht (EBA) erst im März 2018 veröffentlicht. Diese hätten weitere Fragen nach sich gezogen, sagt Binnebößel. Der BEVH beklagt, dass Zahlungsdienstleister und Banken zum Teil noch immer keine Testsysteme anböten. »Ein Monat vor dem Stichtag scheitert die Umsetzung der starken Kundenauthentifizierung an technischen Problemen auf Bankenseite«, kritisiert der BEVH.

Die Finanzaufsicht Bafin hat inzwischen mitgeteilt, dass sie viele der von Banken und Sparkassen angebotenen Schnittstellen noch nicht für genehmigungsfähig hält. Die Deutsche Kreditwirtschaft reagierte am Donnerstag »erstaunt«. Die Institute hätten die Umsetzung frühzeitig angestoßen und nahezu abgeschlossen.

Ein Kommentar von Oliver Horst

Vier Wochen vor dem Stichtag für die Neuregelung beim Bezahlen im Internet ist nur eines klar: dass nichts klar zu sein scheint. Selbst Experten zucken mit den Schultern, wenn es um Details geht. Eine Einführungsphase mit einer Übergangsfrist könnte den Prozess enorm vereinfachen. Und so könnte das Risiko minimiert werden, dass die großen Händler im Netz noch größer werden und die kleinen Anbieter weiter verdrängen. Auch das wäre im Interesse aller Kunden.

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