Sa., 17.08.2019

Es gibt Freundschaften zwischen Senne und Concarneau, die seit Jahrzehnten bestehen – mit Video »Sie können kommen, wann sie wollen«

Die Altstadt Concarneaus, die Ville close, geht auf ein von Mönchen im zehnten Jahrhundert gegründetes Kloster zurück. Heute ist sie ein Touristen-Hotspot.

Die Altstadt Concarneaus, die Ville close, geht auf ein von Mönchen im zehnten Jahrhundert gegründetes Kloster zurück. Heute ist sie ein Touristen-Hotspot. Foto: Kerstin Sewöster

Concarneau/Bielefeld-Senne (WB). »Ich habe drei Kinder, Du hast zwei Kinder, und wir laden Euch ein in unser Haus.« Noch heute erinnert sich Marlies Niemann an die Worte, mit denen sie von Josette le Bris begrüßt wurde. Das war 1973, als die Schwimmabteilung des TuS 08 Senne nach Concarneau gereist war. Die Freundschaft der beiden hat auch mehr als 40 Jahre später noch Bestand. Jetzt gab es ein Wiedersehen beim Jubiläums-Partnerschaftstreffen.

Margret und Peter Heidemann nutzen die Woche in Concarneau, um möglichst viel Zeit mit Gabriel Allot zu verbringen. »1982 hatten wir zum ersten Mal Kontakt über den Städteaustausch. Danach haben wir uns regelmäßig geschrieben«, erzählt Peter Heidemann, der sich gut auf Französisch mit seinem Freund Gabriel unterhalten kann. Danach folgten viele private Treffen.

»Wohl an die 17 mal haben wir uns besucht«, erinnert sich Margret Heidemann. Viermal haben die beiden Paare, damals lebte Gabriels Ehefrau Mimie noch, gemeinsam Urlaub in Griechenland gemacht. »Wenn uns Mimie und Gabriel besucht haben, haben wir ihnen Deutschland gezeigt, sind nach Berlin und zum Beispiel Dresden gefahren. Im Gegenzug haben wir mit ihnen verschiedene Regionen in Frankreich kennengelernt«, erzählt Peter Heidemann. »Und 1999 haben wir mit Mimie und Gabriel ihre Goldene Hochzeit gefeiert«, erinnert sich Margret Heidemann.

Angebotene Fahrten genutzt

»Wir haben die gleichen Interessen für Kultur und Natur«, beschreibt die 77-Jährige die besondere Verbindung, die immerhin seit Jahrzehnten eine Distanz von gut 1200 Kilometern überwindet. »Et la politique aussi – auch die Politik«, lacht der ehemalige Schulleiter Gabriel Allot.

Früher haben Peter und Margret Heidemann die Strecke im Privatwagen zurückgelegt. »Das fahre ich jetzt nicht mehr. Wir sind froh darüber, dass wir die angebotenen Fahrten nutzen können«, betont der 80-Jährige. Und auch Gabriel Allot, immerhin schon 92 Jahre alt, möchte gerne im nächsten Jahr nach Bielefeld kommen, wenn im Oktober 2020 eine französische Delegation nach Senne fährt, um dort das Partnerschaftsjubiläum zu feiern.

Auch Josette le Bris und Marlies Niemann teilen viele gemeinsame Erlebnisse. »Weisst Du noch der viele Schnee, als wir Euch im Februar besucht haben?« fragt Josette, mittlerweile 80 Jahre alt. Und Marlies Niemann (75) kann sich noch gut an den Staffellauf erinnern: Die Franzosen sind in Concarneau gestartet, die Deutschen in Senne, und getroffen hat man sich in Geilenkirchen. Auch einen gemeinsamen deutsch-bretonischen Trinkspruch hatten sie: »Prost-Mad«.

Gastfreundschaft beruht auf Gegenseitigkeit

Beide sehr engagiert für den Schwimmsport im Einsatz, waren sie mehrfach bei Jugendaustauschen dabei und haben immer Kontakt gehalten. Mit ganzen Bussen voller Jugendlicher sei man nach Concarneau gereist, erzählt Marlies Niemann, die bedauert, dass die Vereine sich nicht mehr so aktiv in die Städtepartnerschaft einbringen.

Nach persönlichen Schicksalsschlägen wurden die Kontakte weniger. 2009 starb Josettes Mann Jaques, 2013 Günter Niemann. Auch die beiden Ehemänner kannten sich gut über den Schwimmsport und die Jugendaustausche. Sie habe so schöne gemeinsame Erinnerungen gehabt an Concarneau und sich nicht vorstellen können, dort ohne ihren Mann hinzufahren, erzählt Marlies Niemann.

Nun, das Leben hatte andere Pläne: Marlies Niemann traf auf den ebenfalls verwitweten Roland Kündahl. Die Jubiläumsfahrt ist ihre zweite gemeinsame Reise in die Bretagne – und natürlich wohnen sie bei Josette le Bris. »Ich bin da. Sie können kommen, wann auch immer sie wollen«, meint die Französin.

Die herzliche Gastfreundschaft beruht auf Gegenseitigkeit: Als Josettes 17-jährige Enkelin Lea in diesem Jahr eine Ferienwoche lang ihre Deutschkenntnisse aufbessern wollte, wurde sie herzlich von Marlies Niemann in Bielefeld aufgenommen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6853693?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F