Mo., 19.08.2019

BUND wirbt für blühende Vorgärten – Offener Brief an den OB »Vollzugsdefizit der Stadt«

Blühend ist schöner, finden die drei »Bienen« Ricarda Mock, Lena Poplawski und Petra Schepsmeier (von links) sowie Adalbert Niemeyer-Lüllwitz, Jürgen Birtsch, Katharina Dreischmeier, Jens-Jürgen Korff und Rita Lüking (von links).

Blühend ist schöner, finden die drei »Bienen« Ricarda Mock, Lena Poplawski und Petra Schepsmeier (von links) sowie Adalbert Niemeyer-Lüllwitz, Jürgen Birtsch, Katharina Dreischmeier, Jens-Jürgen Korff und Rita Lüking (von links). Foto: Sabine Schulze

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Pflastersteine und Schotter, möglichst Grau in Grau oder doch lilablühenden Sommerflieder, Storchschnabel in vielen Farben, rosa Stockrosen oder Lavendel und Ziersalbei in Blautönen? Für Adalbert Niemeyer-Lüllwitz ist das keine Frage: Bunte Vorgärten sind schöner und eine Weide für Insekten. Und: Sie sind sogar in den Bebauungsplänen vorgeschrieben. Kontrolliert werde diese Umsetzung aber kaum. »Es gibt ein substanzielles Vollzugsdefizit.«

Niemeyer-Lüllwitz, Vorstandsmitglied der Bielefelder Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), und Mitstreiter haben am Samstag auf dem Jahnplatz für blühende Vorgärten geworben. Zugleich war der Samstag der Start einer neuen Kampagne: Mit einem Flyer, der vor allem in den Neubaugebieten in die Briefkästen geworfen werden soll, wirbt der BUND für das Motto »Blumen statt Schotter«.

Trend zu Schotter bei Neubauten

»Der Trend bei den Neubauten geht derzeit dahin,  Vorgärten zuzupflastern oder mit Schotter zu belegen«, bedauert Niemeyer-Lüllwitz. Wer die Chance habe, neu zu bauen – und dabei natürlich Fläche versiegele – solle doch die Gelegenheit nutzen, seinen Vorgarten zu beleben, sagt der gelernte Gärtner.

Er kennt das Argument der Pflegeleichtigkeit. »Aber es gibt viele bodendeckende Stauden wie Storchschnabel oder Ziersalbei, die genauso pflegeleicht sind.« Und die zudem Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Käfer anziehen. »Auch diejenigen, die einen Schottergarten haben, können ihn noch verschönern«, wirbt Niemeyer-Lüllwitz: »Man kann etwas Schotter hochnehmen und etwa Thymian, Lavendel oder Fetthenne setzen: Die brauchen nicht viel Humus und vertragen auch Trockenheit.«

Die Naturfreunde des BUND sind sich darüber im Klaren, dass zugepflasterte Gärten nicht die Hauptursache des Insektensterbens sind. »Gärten machennur etwa zwei Prozent der Flächen aus. Aber wir wollen auch in der Stadt etwas für Bienen und Co. und die biologische Vielfalt tun.« Dieses Engagement erwarten der BUND und die BUNDjugend auch von der Politik: »Man kann Bebauungspläne einsetzen, um Spielräume zu nutzen.«

Bauordnung schreibt Pflanzen vor

In einem offenen Brief an die Stadt erinnert der BUND daran, dass die Landesbauordnung vorschreibt, Vorgärten mit Ausnahme von Zuwegungen, Zufahrten und genehmigten Stellplätzen zu begrünen. »Der Anteil der versiegelten Flächen wird in fast allen Bebauungsplänen stark begrenzt, zum Beispiel auf 50 Prozent der Gesamtfläche der Vorgärten.« Für die übrige Fläche wird eine »gärtnerische Gestaltung« gefordert.

Allerdings: Die Realität sehe anders aus, es gebe Häuser, deren Vorgartenfläche komplett versiegelt sei. Mit Fotos aus Quelle, Dornberg und Jöllenbeck belegen die Naturfreunde das. »Aus unserer Sicht gibt es hier offenbar ein Vollzugsdefizit«, heißt es in dem Brief an Oberbürgermeister Pit Clausen, an Umweltdezernat und -amt, Baudezernat und -amt sowie die Ratsfraktionen. Offenbar seien zudem viele Hauseigentümer nicht darüber informiert, was zulässig ist und was nicht.

Niemeyer-Lüllwitz und seine Mitstreiter konkretisieren ihre Kritik mit Hinweisen auf bestimmte Bebauungspläne, fragen, wie rechtswidrige Zustände beseitigt, Bauherren informiert werden sollten, wieso die Festsetzungen in den Plänen zum Teil unterschiedlich seien und Begriffe schwammig. So heißt es einmal (im B-Plan Nr. II/1/36.00 Grünwaldstraße), dass Kiesflächen versiegelten Flächen gleichgestellt seien. Grundsätzlich schon einmal gut, findet Niemeyer-Lüllwitz. Was aber, wenn nun Schotter verwendet wird?

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