Mo., 19.08.2019

Festumzug beschert 120 Bielefeldern einen farbenfrohen Reiseabschluss – mit Video 2020 gibt es ein Wiedersehen in Senne

Tausende Menschen haben am Sonntag den Umzug beim Festival der blauen Netze in Sennes bretonischer Partnerstadt Concarneau verfolgt.

Tausende Menschen haben am Sonntag den Umzug beim Festival der blauen Netze in Sennes bretonischer Partnerstadt Concarneau verfolgt. Foto: Kerstin Sewöster

Concarneau/Bielefeld-Senne (WB). Mehr als 2000 Frauen und Männer ziehen tanzend und musizierend durch die Partnerstadt. Drei Stunden dauert der Festumzug, der jedes Jahr im August fulminant den letzten Tag des Festivals des Filets Bleus, Festival der Blauen Netze, einleitet. 100.000 Menschen sollen an den fünf Festtagen nach Concarneau gekommen sein – mittendrin 120 Bielefelder, die mit ihren französischen Freunden feiern wollten: das Festival und natürlich das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft.

Keltisch anmutende Klänge, dominiert von Dudelsack und Bombarde, Frauen in Trachten und mit klassischen, weißen Flügelhauben, Coiffe genannt, junge Männer im Fischeroutfit und mit Holzschuhen an den Füßen – beim Fest der blauen Netze wird die Tradition gefeiert.

Lang ersehnt, erscheint erst am Ende des Zuges die Königin der blauen Netze, la Reine des Filets Bleus, samt Hofstaat. In diesem Jahr hat Carla Camenen die Ehre. Sie ist die 100. Königin, die das ehemalige Fischerdorf repräsentieren darf. Die Geschichte des Festes reicht bis ins Jahr 1905 zurück. Damals lebten die Menschen in Concarneau vom Sardinenfang. Die übliche Farbe der Netze war blau.

Positive Bilanz

Bonjour!

Über die Feier zum 50-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Senne und Concarneau berichtet WB-Redakteurin Kerstin Sewöster aus Frankreich.

Als 1905 die Sardinenschwärme ausblieben, wurde das erste Festival der blauen Netze als eine Art Spendenfest ins Leben gerufen. Es ist, als wollten sich die Menschen noch heute für die damals geleistete Hilfe bedanken: In Frankreich namhafte Bands treten beim Festival auf professionellen Bühnen auf – gratuit, der Eintritt ist frei.

Mit dabei im Umzug durch Concarneau sind die Basement Boyz, die mit ihren drei Konzerten offenbar eine kleine bretonische Fangemeinde gewonnen haben. Die harrte auch an den verregneten Festivaltagen vor der Bühne aus und forderte »une autre, une autre« auf französisch Zugaben. Auch kaum ein Bielefelder verpasste die Auftritte. Die Bläser der Basement Boyz durften in den Reihen der Bagad Bro Kon Kerne, dem Orchester der Partnerstadt, mitlaufen und muszieren. Das ist ein wichtiges Zeichen für die Verbundenheit der beiden Städte, deren Partnerschaft nach 50 Jahren bekräftigt wurde und für die Zukunft gestärkt werden soll.

Sennes Bürgermeister Gerhard Haupt und Bezirksamtsleier Eberhard Grabe zogen nach mehreren Arbeitsgesprächen mit Concarneaus Bürgermeister André Fidelin, Michel Bourhis, Präsident für Städtepartnerschaften (Jumelage) und anderen eine positive Bilanz. Haupt ist zuversichtlich, dass 2020 auch wieder Jugendliche sich gegenseitig besuchen. Erstmals fiel dieser Austausch in diesem Jahr aus. »Wir müssen die Vereine stärker einbinden. Die Handballspieler aus Concarneau haben großes Interesse an einem Kontakt. Wir wollen versuchen, auch die Schulen stärker einzubinden«, sagte Haupt.

Städte haben sich verändert

Berücksichtigt werden müsse, dass die Städte sich verändert hätten: Concarneau ist längst kein Fischerdorf mehr. Der Schiffsbau ist ein wichtiger Wirtschaftszweig geworden, und der Tourismus boomt: Etwa 20.000 Menschen leben in Concarneau. Die Stadt hat Übernachtungsplätze für ebenso viele Touristen. In der Hochsaison kommen jedoch deutlich mehr als dreimal so viel Menschen, um die Altstadt Ville close zu besuchen.. Und auch Senne hat nicht mehr die Kapazitäten wie noch vor einigen Jahrzehnten, als 600 Menschen im Ort untergebracht und verköstigt werden konnten. Es gebe einfach die großen Firmen nicht mehr, die ihre Speisesäle zur Verfügung stellten, sagte Haupt.

Mit dem Landschaftspflegehof Ramsbrock bietet sich in Senne nun aber eine ganz neue Gelegenheit, sich den französischen Freunde zu präsentieren. Die nächste Gelegenheit ist dazu Pfingsten 2020, wenn eine Gruppe aus Concarneau anreist, um ein weiteres Mal das Städtepartnerschaftsjubiläum zu feiern – in Senne wurden die Urkunden 1970 unterzeichnet. Mit dabei sind dann die Musiker von Bagad Bro Kon Kerne, die auf ein Gegenkonzert mit dem Basement Boyz zählen.

Und sicher viele Freunde. Das hofft auch Eva Riedel, die jetzt zum zweiten Mal in Concarneau war. Wiedergesehen hat sie dort Elodie, die sie beim ersten Mal beherbergte. »Sie könnte meine Tochter sein, aber wir haben uns prächtig verstanden. Ihr kleiner Sohn hat versucht, mir Französisch beizubringen«, erzählte Eva Riedel, die nun hofft, Elodie bald die Senne zeigen zu können. Ohne die Städtepartnerschaft hätten sich die beiden Frauen nicht kennengelernt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6859400?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F