Mo., 19.08.2019

Kordula Röckenhaus ist Debütantin bei den Offenen Ateliers Lauter skurrile Typen

Maritime Motive wie hier der Seebär entstehen im Atelier der Grafik-Designerin und Illustratorin Kordula Röckenhaus. Es handelt sich um eine Monotypie. Das Motiv wurde von einer Gelatineplatte abgenommen.

Maritime Motive wie hier der Seebär entstehen im Atelier der Grafik-Designerin und Illustratorin Kordula Röckenhaus. Es handelt sich um eine Monotypie. Das Motiv wurde von einer Gelatineplatte abgenommen. Foto: Uta Jostwerner

Von Uta Jostwerner

Bielefeld (WB). »Wenn du einen Schneck behauchst, kriecht er ins Gehäuse, wenn du ihn in Cognac tauchst, sieht er weiße Mäuse.« Der literarische Humor eines Joachim Ringelnatz findet sein Pendant in den skurrilen Druckgrafiken von Kordula Röckenhaus. Die Illustratorin nimmt zum ersten Mal an den Offenen Ateliers teil und überrascht mit reihenweise komischer Typen und Tiere.

Ich bin am Jahnplatz in die Stadtbahnlinie 2 in Richtung Babenhausen-Süd gestiegen und an der Haltestelle Nordpark ausgestiegen. Von dort geht es zu Fuß entlang des südlichen Randes des Nordparks zum Atelier der Bielefelder Künstlerin. Binnen weniger Minuten stehe ich in der Dreyener Straße 24 vor einem schmucken Reihenhaus mit altertümlichem Charme.

Schon auf dem Weg ins Obergeschoss, wo die 56-Jährige ein geräumiges und gemütliches Atelier eingerichtet hat, fällt der Blick auf üppige Badenixen und krebsartig verrenkte Tänzer. Das Schablonenhafte und Serielle dieser Werke lässt auf eine Drucktechnik schließen, doch die tiefschichtige Textur der Farben erinnert eher an Malerei. Auch dient hier – was nicht weniger verwirrend ist – meistens die auf Keilrahmen aufgezogene Leinwand als Bildträger. Womit habe ich es hier zu tun? So etwas habe ich noch nie gesehen.

Drucktechnik aus dem 17. Jahrhundert

»Es handelt sich um Monotypien«, klärt Kordula Röckenhaus auf. Die Monotypie, das weiß ich, ist eine alte Drucktechnik, die schon im 17. Jahrhundert zur Anwendung kam. Statt auf Papier oder Leinwand wird auf Glas-, Igelit-, Acryl- oder Metallplatten gezeichnet oder gemalt und, solange die Farbe noch feucht ist, mittels Presse oder Handabreibung auf Papier gedruckt.

Doch Röckenhaus verwendet keine Hartplatten, sondern malt auf gummiartigen Gelatineplatten, die sie aus der Backzutat selbst in Form gießt. Auch verwendet sie keine Druckerfarben, sondern Acrylfarben. »Die Acrylfarbe verhält sich auf der Gelatine wie alter Putz. Im Schichtverfahren entstehen reizvolle Strukturen, die an alte Höhlenmalereien erinnern«, erklärt die Künstlerin. Und natürlich spielt der Zufall der Bildkomposition in die Hände.

»Vorwegplanen lässt sich nichts, und auch nicht wiederholen. Jedes Werk ist ein Unikat«, sagt Röckenhaus, die zum Drucken hauchdünnes Chinapapier verwendet. Nach Fertigstellung reißt sie die Ränder ein und klebt das Papier auf grundierte Leinwände, wobei Leinwand und Papier zu einer Einheit verschmelzen.

Bilder verleiten zum Schmunzeln

Ich bin beeindruckt und staune nicht nur über das technische Verfahren, sondern auch über die komischen Kreationen. Zum Beispiel über ein Blasorchester, wobei die Musiker nur aus Köpfen bestehen aus deren Mündern die Blechblasinstrumente herauswachsen. Über massige Körper mit winzigen Köpfen, über schlanke Frauenköpfe, deren Haarschmuck sich in Form einer Wellhornmuschel kringelt.

Kein Bild, das nicht zum Schmunzeln verleitet und aus dem nicht ein eigenartiger Humor spricht. »Mich interessiert der Blick auf das Komische, das sich im Banalen versteckt«, sagt Kordula Röckenhaus, die an der Fachhochschule Bielefeld Grafik-Design studierte und seit 30 Jahren als selbstständige Grafik-Designerin und Illustratorin tätig ist. Als solche gestaltet sie Bücher, Logos, Broschüren, Kataloge, Plakate und dergleichen mehr.

»Über die Illustration bin ich zur Bildenden Kunst gekommen und zu einer Kreativität, die sich unabhängig von einem Auftrag in eine freie Richtung entfalten kann«, sagt sie.

Mittlerweile hat sie an Ausstellungen in Deutschland, Holland und Italien teilgenommen und wird in Amsterdam durch eine Galerie vertreten. In Holland hat sie eine zweite Heimat gefunden und ein altes Fischerhäuschen an der Küste erworben. Die Liebe zum Maritimen spiegelt sich auch in ihren Werken wider.

Wer mehr über Kordula Röckenhaus erfahren möchte, findet weitere Informationen auf ihrer Homepage (www.kordula-roeckenhaus.de) oder stattet ihr einen Besuch bei den Offenen Ateliers ab: Samstag, 14. September, von 14 bis 19 Uhr, Sonntag, 15. September, von 11 bis 19 Uhr. Es lohnt sich!

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