Di., 20.08.2019

»Vertraulichkeit nicht gewahrt«: Aufsichtsrat spricht weiter von offenem Verfahren Irritationen um Kunsthallen-Leitung

Keine Ruhe für die Kunsthalle Bielefeld: Es gibt Irritationen um die Nachfolge auf dem Direktions-Posten.

Keine Ruhe für die Kunsthalle Bielefeld: Es gibt Irritationen um die Nachfolge auf dem Direktions-Posten. Foto: Thomas F. Starke

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Panne im Verfahren um die Nachfolge der Kunsthallen-Leitung: Erst wird am Montag zunächst der Name von Christina Végh (49), Leiterin der Kestner-Gesellschaft Hannover, als künftige Direktorin inoffiziell genannt. Dann folgt erst deren Dementi, ehe die Kunsthistorikerin ein »Kein Kommentar« ausrichten lässt. Es handele sich um ein »laufendes Verfahren, das nicht beendet sei«.

Der Ablauf bis heute

Im Juni 2018 wurde bekannt, dass der Vertrag mit Kunsthallen-Direktor Dr. Friedrich Meschede nicht verlängert wird und zum 31. Dezember 2019 ausläuft.

Die Direktorenstelle wurde ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist endete am 31. Januar 2019. 35 Bewerbungen gingen ein.

Eine Findungskommission sichtete die Bewerbungen und lud zu Vorstellungsgesprächen ein.

Am 7. August 2019 kam die offizielle Mitteilung, Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung hätten sich geeinigt. Die künftige Kunsthallen-Leitung habe aber um eine Rückmeldefrist von zwei Wochen gebeten. Der Name solle noch nicht veröffentlicht werden, da die Person in einem festen Anstellungsverhältnis stünde und dem Arbeitgeber noch kündigen müsse.

Amtsantritt für die neue Direktorenstelle soll am 1. Januar 2020 sein.

Der Aufsichtsrat der Kunsthalle hatte am 7. August mitgeteilt, sich auf die Nachfolge des aktuellen Kunsthallen-Direktors Dr. Friedrich Meschede geeinigt zu haben. Einen Namen wolle man nicht nennen, um »die Person nicht zu beschädigen«. Diese habe zudem um eine zweiwöchige Bedenkzeit gebeten.

Nachdem ihr Name am Montagmorgen in Bielefeld öffentlich gemacht worden war, sagte Christina Végh gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) zunächst, sie werde nach diesem vorzeitigen Bekanntwerden ihres Namens das Angebot aus Bielefeld nicht mehr annehmen, wolle sich weiterhin auf ihre Arbeit bei der Kestner-Gesellschaft konzentrieren. Wenige Stunden später ließ die Kunsthistorikerin dann gegenüber der HAZ wissen, dass diese ihre Aussage »überinterpretiert« worden sei.

Georg Fortmeier, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Kunsthalle (13 Mitglieder) und SPD-Landtagsabgeordneter, betonte danach, das Verfahren um die Nachfolge der Kunsthallen-Leitung sei bewusst noch offen gehalten worden. Bislang habe noch keiner der Bewerber eine Absage erhalten. Es sei noch nicht »abschließend verhandelt« worden. Er bedauere, dass Vertraulichkeit nicht gewahrt worden sei. Eine solche Vertraulichkeit diene »dem Schutze der sich bewerbenden Personen, der Bielefelder Kunsthalle und ihres Rufes und auch zum Schutze der Herkunftseinrichtungen«.

Aufsichtsrat wird mit weiteren Bewerbern Verhandlungen führen

Der Aufsichtsrat werde mit Christina Végh und weiteren Bewerbern Verhandlungen führen, »um auch unter diesen Umständen eine gute neue Kunsthallen-Leitung zu gewinnen«. Es gelte, eine Annäherung in noch offenen Punkten der (Vertrags-)Verhandlungen zu erreichen. Dabei gehe es unter anderem um das Ausstellungs-Budget. Der Betriebskostenzuschuss der Stadt an die Kunsthalle beläuft sich auf jährlich 2,3 Millionen Euro, die Kunsthalle zahlt 825.000 Euro Miete an die Stadt.

Christina Végh Foto: Ronald Meyer-Arlt

Geplant sei, so Fortmeier, einen Vertrag mit einer Laufzeit von acht Jahren abzuschließen; bislang betrug die Vertragszeit für die Kunsthallen-Direktion fünf Jahre. Offen sei jetzt, ob sich das Ziel, nach Ende der Sommerferien eine Nachfolgeregelung unter Dach und Fach zu haben, noch erreichen lasse, so der Aufsichtsratsvorsitzende.

Gemutmaßt wird, dass ein Grund für das Zögern von Christina Végh die geplante Sanierung der Kunsthalle sein könnte, die mit einer vierjährigen Schließung des Hauses verbunden ist.

Umbrüche gibt es allerdings auch in der Kestner-Gesellschaft: Dort sollen künftig nur noch drei statt wie bisher vier Ausstellungen pro Jahr gezeigt werden.

Christina Végh studierte Kunstgeschichte in der Schweiz und den USA. 2005 übernahm sie die Leitung des Bonner Kunstvereins, 2015 die der Kestner-Gesellschaft.

Kommentar von Burgit Hörttrich

Was für ein Schlamassel! War schon der Umgang mit Noch-Kunsthallen-Direktor Dr. Friedrich Meschede alles andere als die feine Art, gestaltet sich die Nachfolge-Suche ebenfalls nicht reibungslos. Wer da was verbockt und durchgestochen hat, hat es jedenfalls geschafft, erheblichen Flurschaden anzurichten. Welche Interessen dahinter stecken mögen, wer was dadurch zu gewinnen glaubt, darüber ließe sich trefflich spekulieren.

Jetzt herum zu eiern oder nur ein »Kein Kommentar« ausrichten zu lassen, trägt nicht zum guten Ruf der Kunsthalle, der Bielefelder Kunst-Szene, der beteiligten Politik und der Stadt bei. Offenbar ist selbst der kleinste Kreis zu groß für Diskretion. Das spricht sich herum – und sicher nicht nur in einschlägigen Kulturkreisen.

Wer sich hier für eine Spitzenposition bewirbt, muss sich Vertraulichkeit sicher sein können.

 

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